Hautkrebs wird als Berufskrankheit anerkannt

Zuletzt aktualisiert am 09.05.2017

News Berufskrankheit HautkrebsAb Januar 2015 soll Hautkrebs mit in den Berufskrankheiten-Katalog aufgenommen werden. Damit ändert sich für die Betroffenen einiges.

Erstens wird dann nicht mehr ihre Krankenkasse für sie zuständig sein, sondern die gesetzliche Unfallkasse.

Zweitens können Betroffene mit deutlich höheren Leistungen rechnen. Voraussetzung ist, dass der Hautkrebs durch die berufliche Tätigkeit verursacht wurde.

Berufskrankheit – Was ist das?

Berufskrankheiten, sind Krankheiten, die durch die berufliche Tätigkeit verursacht werden. Dabei muss medizinisch nachgewiesen sein, dass diese durch bestimmte Einwirkungen herbeigeführt wurden und bestimmte Personengruppen diesen Einwirkungen in höherem Maße ausgesetzt sind, als die restliche Bevölkerung.

Laut Gesetz handelt es sich um eine Berufskrankheit, wenn die fragliche Erkrankung in der so genannten Berufskrankheiten-Liste aufgeführt ist. Diese Liste ist eine Anlage zur Berufskrankheitenverordnung (BKV), die mit Stand vom 11.6.2009 73 Berufskrankheiten enthielt.

Hautkrebs – die neue Berufskrankheit?

Eine Form des Hautkrebses ist bereits unter Punkt 5 der Liste aufgeführt. Allerdings geht es hier nur um Hautkrebs und zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen, die durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe ausgelöst wird.


Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), zuletzt aktualisiert durch die Zweite Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 11. Juni 2009 (Quelle)

5 Hautkrankheiten

5101Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.
5102Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe

Neu hinzu kommt eine Form des hellen Hautkrebses (Stachelzellkrebs) sowie Vorstufen davon (aktinische Keratosen). Dadurch erhalten Berufsgruppen, die zum überwiegenden Teil an der frischen Luft arbeiten, einen Anspruch, dass ihre Hautkrebserkrankung von der Unfallversicherung geprüft wird. Das betrifft Berufe von der Baubranche bis hin zu Seefahrts-Berufen.

Stachelzellenkrebs

Der Stachelzellkrebs ist die zweithäufigste Form von Hautkrebs. Knapp 70.000 Neuerkrankungen gibt es jedes Jahr in Deutschland. Die Tendenz ist steigend.

Menschen die sich über viele Jahre hinweg intensiver UV-Strahlung aussetzen, können an einem Stachelzellkrebs erkranken. Besonders betroffen sind daher Personen, die im Freien arbeiten oder regelmäßig Sonnenbäder nehmen. Aber auch Menschen mit heller Haut, blonden oder roten Haaren und blauen, grünen oder grauen Augen tragen ein erhöhtes Risiko.

Auswirkungen für die Unfallversicherung

Bisher kostet Hautkrebs die Unfallversicherung „nur“ 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Experten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung rechnen damit, dass durch die Aufnahme des Stachelzellkrebses und dessen Vorstufen in die Liste der Berufskrankheiten jährlich rund 20,5 Millionen Euro Mehrausgaben auf die Unfallversicherung zukommen wird.
In den letzten Jahren sind Hautkrankheiten mit rund 98,2 Millionen Euro pro Jahr zu Buche geschlagen. Der größte Kostenfaktor waren hier Handekzeme. Diese sind typisch für Berufe wie Friseur, Krankenpfleger und Reinigungskräfte. Aber auch Arbeitstätige aus der Metall- und Baubranche sind häufig betroffen.
Da die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mit dem sogenannten Umlageverfahren arbeitet, kann die Aufnahme neuer Berufskrankheiten in die Liste dazu führen, dass das bisherige Budget überschritten wird und die Beiträge erhöht werden müsssen.

Auswirkungen für Betroffene

Um einen Krankheitsfall von der DGUV prüfen lassen zu können, muss in der Regel der Hautarzt seine Diagnose an die Unfallversicherung weiterleiten. Dies geschieht in Form einer so genannten Ärztlichen Anzeige.
Erkennt die DGUV die Erkrankung als Berufskrankheit an, übernimmt die Unfallversicherung die Kosten, die für die Behandlung anfallen. Somit ist die Krankenversicherung raus.
Positiv für den Patienten ist die Tatsache, dass die Leistungen, die die Unfallversicherung erbringt häufig über das hinausgehen, was private oder gesetzliche Krankenkassen zahlen. Darüber hinaus zahlt die DGUV möglicherweise auch Renten und Entschädigungen.
Diese Ansprüche gelten auch noch für Rentner und können so eventuell auch rückwirkend beantragt werden.

BU-News Berufskrankheit Hautkrebs

Auswirkungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Aufnahme einer Krankheit in die Liste der Berufskrankheiten hat keine bindende Wirkung für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Allerdings orientieren sich viele Assekuranzen an den Entscheidungen und Gutachten der Berufsgenossenschaften. Wird der Antrag auf Zahlung der versicherten Berufsunfähigkeitsrente trotz anerkannter Berufskrankheit abgelehnt, lohnt es sich in jedem Fall dies mindestens von einem Anwalt prüfen zu lassen.
Allerdings darf nicht vergessen werden, dass für die Berufsunfähigkeitsversicherung erst mal weniger eine Rolle spielt, wodurch die Krankheit verursacht wurde. Für den Versicherer steht an erster Stelle die Frage nach der Berufsunfähigkeit. Das heißt, ist der Versicherte trotz Erkrankung noch zu mehr als 50 Prozent berufsfähig und kann damit weiterhin seiner versicherten Tätigkeit nachgehen?

Meinung

Die Berufskrankheitenliste ist eine sinnvolle Sache, da viele Berufe mit bestimmten Risiken verbunden sind, die sich oft nur schwer vermeiden lassen und denen sich die Angehörigen dieser Berufsgruppen trotzdem aussetzen. Auch gibt es immer wieder neue wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, welche chemischen Stoffe gefährlich sind. Wer hätte in den 70er und 80er Jahren damit gerechnet, dass die Herstellung und Verwendung von Asbest im Jahr 1993 in Deutschland verboten sein wird. Die Anerkennung von Asbestose (Asbeststaublungenerkrankung) als Berufskrankheit wurde bereits 1991 bekannt gegeben und in die Berufskrankheitenliste aufgenommen.
In jedem Fall bedeutet die Anerkennung einer eindeutig durch den Beruf verursachten Krankheit als Berufskrankheit, für den Betroffenen rein finanziell gesehen, eine Verbesserung. Da die Leistungen der Unfallkasse meist um einiges über die der Krankenkassen hinaus gehen.

Fazit

Auch wenn die Anerkennung einer bestimmten Erkrankung als Berufskrankheit nicht in jedem Fall auch dazu führt, dass eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird. Ist die zusätzliche private Absicherung in jedem Fall eine sinnvolle Art sich abzusichern. Denn auch wenn man eine Berufskrankheit hat, heißt, dies nicht in jedem Fall, dass man nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann. Sollte dies jedoch der Fall sein und der behandelnde Arzt stellt eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent fest, wird die Versicherung auch leisten und somit finanzielle Einbußen, die durch den Wegfall des Gehaltes entstehen, abfangen (siehe auch 10 gute Gründe für die BU).

Dieser Artikel wurde zuletzt am 09.05.2017 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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