Zivilisationskrankheiten: Die größte „Epidemie“ der Menschheit und Hauptursache für Berufsunfähigkeit

Zuletzt aktualisiert am 02.05.2019

Zivilisationskrankheiten: Die größte "Epidemie" der Menschheit und Hauptursache für BerufsunfähigkeitWährend noch vor einigen Jahrzehnten vor allem die Arbeitsbedingungen für einen vorzeitigen Renteneintritt sorgten, sind heutzutage hauptsächlich sogenannte „Zivilisationskrankheiten“, auch „nicht-übertragbare Krankheiten“ (noncommunicable diseases) genannt, verantwortlich für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Wenig Bewegung, langes Arbeiten am PC und ungesunde Ernährung verbunden mit Stress durch eine hohe Arbeitsbelastung führen oft zu den bekannten „modernen“ Krankheiten. Dazu zählen beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen, Karies, Diabetes mellitus Typ 2 und Übergewicht. Die WHO-Prognosen zeigen: es besteht dringend Handlungsbedarf, damit diesen Krankheiten Einhalt geboten werden kann.

Zivilisationskrankheiten mittlerweile Hauptursache für Berufsunfähigkeit

Auch psychische Erkrankungen nehmen immer mehr zu. Sie nehmen mittlerweile den ersten Platz unter den Gründen für Berufsunfähigkeit ein. Krebserkrankungen nehmen ebenfalls zu, was oft auf Faktoren wie Luftverschmutzung und eine ungesunde Lebensweise zurückgeführt wird. Die genauen Ursachen für Zivilisationskrankheiten sind aber in der Forschung noch umstritten. Es wird vermutet, dass nicht nur ein einzelner Faktor, sondern mehrere Gründe, wie z. B. der Lebensstil, Umweltfaktoren und genetische Anfälligkeit zu den Erkrankungen führen. Da Zivilisationskrankheiten immer häufiger werden und damit auch die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, ansteigt,  sollte man frühzeitig mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung vorsorgen. Welche Versicherung für Sie die richtige ist, erfahren Sie hier. Es gibt keine Liste von Zivilisationskrankheiten, die einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, da in der Literatur hierüber noch Uneinigkeit herrscht. Die folgenden Krankheiten werden jedoch in der Regel als Zivilisationskrankheiten anerkannt:

  • Herz- und Gefäßkrankheiten
  • Karies
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht und Adipositas
  • Gicht
  • Demenz
  • manche Allergien
  • Bestimmte Krebsarten (z. B. Lungenkrebs und Darmkrebs)
  • bestimmte Hauterkrankungen (Neurodermitis, Akne)
  • Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa)
  • bestimmte psychiatrische Erkrankungen

In der Forschung weitestgehend unumstrittene Risikofaktoren für das Auftreten einiger der oben genannten Zivilisationskrankheiten sind:

  • Umweltgifte
  • Über- und Fehlernährung
  • Bewegungsmangel
  • zu hoher Zuckerkonsum
  • Lärmbelastung
  • mediale Reizüberflutung
  • übertriebene Hygiene
  • Alkohol-/Nikotinkonsum

WHO: Jedes Jahr Millionen Tote durch Zivilisationskrankheiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt: die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch nicht übertragbare Krankheiten nimmt immer weiter zu. Im Jahr 2012 starben 38 Millionen Menschen an Zivilisationskrankheiten. Etwa 16 Millionen starben noch vor dem 70. Lebensjahr. WHO-Generaldirektorin Margarete Chan betonte dabei, dass diese „Epidemie“ unnötig und vermeidbar sei, es müssten lediglich ausreichend Aufklärungskampagnen und Präventionsmaßnahmen durchgeführt werden.

Entwicklungsländer besonders gefährdet

Vor allem Entwicklung-und Schwellenländer, in denen Präventionsmaßnahmen fehlen, seien immer häufiger von Zivilisationskrankheiten betroffen. Denn in diesen Ländern nimmt vor allem der Tabak- und Alkoholkonsum zu, eine ausreichende medizinische Versorgung gibt es meistens nicht. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr sechs Millionen Menschen vorzeitig durch Tabakkonsum und 3,3 Millionen durch Alkohol. Aufgrund dessen wurde die Staatengemeinschaft von der WHO aufgerufen, mehr Aufklärungskampagnen durchzuführen. Nach Einschätzung der Experten ist das Risiko, in Deutschland an einer Zivilisationskrankheit zu sterben, weltweit gesehen im Mittelfeld. Besonders hoch sei es in Russland und im Oman. Doch Deutschland hätte die finanziellen Mittel, um mehr Präventions- und Aufklärungsarbeit zu leisten, so die Aussage von Shanthi Mendis von der WHO.

Detlev Ganten, der ehemalige Leiter der Charite, über die Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten

Geplante Maßnahmen der WHO und der UNO gegen Zivilisationskrankheiten

Bei der Vorstellung des „Global status report on noncommunicable diseases 2014“ in Genf forderte Dr. Margaret Chan die Mitgliedsstaaten auf, energischer gegen Zivilisationskrankheiten vorzugehen. Sie erinnerte daran, dass bereits mit wenig finanziellen Mitteln viele dieser Todesfälle verhindert werden könnten: „Schon mit 1 bis 3 US-Dollar pro Person und Jahr könnten die Länder Krankheitslast und Tod durch NCD dramatisch reduzieren.“ Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch und Tabakabhängigkeit wollen die WHO-Mitgliedsstaaten vermehrt bekämpfen. Dafür soll enger mit den Gesundheitsbehörden zusammengearbeitet werden.

Die konkreten Ziele sind unter anderem:

  • 25%ige Reduktion der vorzeitigen Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Lungenkrankheiten
  • Verringerung von Bluthochdruck um 25 Prozent
  • Stopp des Anstiegs von Diabetes und Adipositas
  • Senkung der körperlichen Inaktivität um 10%
  • 30%ige Senkung des Salzkonsums
  • 30%ige Senkung des Tabakrauchens
  • 10%ige Senkung von übermäßigem Alkoholkonsum

Präventionsmaßnahmen zeigen erste Wirkung

Ob diese Maßnahmen einen Einfluss auf den Lebensstil der Bevölkerung haben werden, wird sich in Zukunft zeigen. Fakt ist, dass in Deutschland die Zahlen von rauchenden Jugendlichen drastisch sinken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung untersucht in regelmäßigen Abständen das Rauchverhalten von 12- bis 25-jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. In der Studie für das Jahr 2014 wurden 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren per Telefoninterviews nach ihren Rauchgewohnheiten befragt. Das Ergebnis: Der Anteil der rauchenden Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 ist seit den letzten 13 Jahren stark rückläufig. Unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt es immer weniger Raucher und die Zahl derer, die noch nie geraucht haben, steigt an. Während in Jahr 2001 noch 27,5 Prozent der 12- bis 17-jährigen rauchten, sind es aktuell nur noch 9,7 Prozent. Der Anteil der Jugendlichen, die noch nie in ihrem Leben geraucht haben, stieg von 40,5 Prozent auf mittlerweile 75,3 Prozent an. Auch in der Türkei führten Präventionsmaßnahmen zu einem Rückgang der Raucherraten um 13,4 % im Vergleich zu 2008. Argentinien erreichte in den letzten Jahren eine Salzreduktion von 25% im Brot. In Ungarn führte eine Salz-, Zucker-, und Koffeinsteuer zu einem um 25 bis 35% verringerten Konsum von ungesunden Nahrungsmitteln.

So können Sie Zivilisationskrankheiten vorbeugen

Die Raucherzahlen nehmen in Deutschland zwar stetig ab, dafür nimmt die Zahl der Übergewichtigen stark zu. Mehr als jeder zweite Deutsche ist mittlerweile übergewichtig. Und Übergewicht ist ein häufiger Auslöser für verschiedene Zivilisationskrankheiten, wie z. B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Herz-Kreislaufkrankheiten. Um der Entstehung von typischen Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, sind nur einige wenige Dinge zu beachten.

  • vollwertige und abwechslungsreiche Ernährung: Deutschland gilt als das Land, was – am Einkommen gemessen – am wenigsten für Nahrungsmittel ausgibt. Günstige Nahrungsmittel sind jedoch meist industriell verarbeitet und oft stark salz- und zuckerhaltig. Bei einer abwechslungsreichen Ernährung, die durch viel frisches Obst und Gemüse für eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Antioxidantien sorgt, kann vielen Krankheiten vorgebeugt werden.
  • ausreichend Bewegung: Wenn der Beruf nur wenig Zeit für Sport lässt, kann man als sportliche Betätigung auch einfach, statt mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, auf das Fahrrad umsteigen oder zu Fuß laufen.
  • Spazierengehen: Regelmäßiges Spazierengehen sorgt nicht nur für ausreichend Bewegung sondern es kann auch psychischen Krankheiten vorbeugen und zur Stressreduktion beitragen.
  • Alkohol und Nikotin nur in Maßen: Denn es handelt sich hierbei um Gifte. Gönnen Sie ihrem Körper Pausen, um entgiften zu können.

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 02.05.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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