Erwerbsminderung: Frauen häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen

Zuletzt aktualisiert am 09.05.2017

Erwerbsminderung: Frauen häufiger von psychischen Erkrankungen betroffenMittlerweile liegen die Zahlen zu den Ursachen für Erwerbsminderung bei Männern und Frauen für 2015 vor. Beide Geschlechtergruppen wurden überwiegend aufgrund von psychischen Erkrankungen vermindert erwerbsfähig. Frauen sind dennoch in höherem Maß betroffen als Männer.

Das sind die Ursachen 2015

Psychische Störungen waren im Jahr 2015 die häufigste Ursache für die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente. Bei Frauen ist der Anteil besonders hoch, während bei den Männern eher Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems ausschlaggebend sind. Das geht aus den neuesten Zahlen hervor, die die Deutsche Rentenversicherung jetzt veröffentlicht hat. Sie decken sich mit den Angaben, die man aus der privaten Versicherungswirtschaft erhält, wenn es um die Beantragung einer Berufsunfähigkeitsrente geht.

Auffallende Ähnlichkeiten bei EU und BU

Rund 175.000 Menschen haben im Jahr 2015 eine Rente wegen verringerter Erwerbstätigkeit beantragt. Das geht aus den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervor, die kürzlich veröffentlicht wurden. Die Betroffenen teilten sich zu etwa jeweils 50 Prozent auf Männer und Frauen auf. Die häufigste Ursache bleiben weiterhin psychische Störungen. Über 40 Prozent der Rentenzugänge aufgrund einer Erwerbsminderung wurden mit psychischen Krankheiten angegeben. Damit sind die Zahlen deckungsgleich mit der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, denn auch hier sind psychische Beschwerden die häufigste Ursache.

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind nicht mehr führend

Auf dem zweiten Rang und mit recht geringem Abstand untereinander folgen bösartige Tumorerkrankungen und Krankheiten des Muskel-Skelett-Apparats oder des Bindegewebes. Der Anteil macht jeweils knapp ein Achtel aus. Auf eine Nennung im zweistelligen Bereich kamen Krankheiten, die das Herz-Kreislaufsystem beeinträchtigen. Sowohl Krebserkrankungen als auch Muskel-Skelett-Beschwerden machen also beide rund 12 Prozent unter den Nennungen aus. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sind in acht Prozent der Fälle ausschlaggebend, das Nervensystem ist bei sechs Prozent der Antragsteller so beschädigt, dass man nur noch unter drei Stunden am Erwerbsleben teilnehmen kann. (Arbeitsunfähigkeitsversicherung)

Deutliche Unterschiede bei Frauen und Männern

Auffallend ist die Unterscheidung der Ursachen nach dem Geschlecht. Zwar machen psychische Störungen bei männlichen und weiblichen Versicherten die größte Zahl der Nennungen aus. Doch unter den weiblichen Versicherten sind deutlich mehr Menschen von psychischen Problemen betroffen als unter den männlichen Versicherten. Immerhin 50 Prozent der Frauen gaben dies als Ursache für die Beantragung der Erwerbsminderungsrente an, unter den Männern waren es nur etwa 30 Prozent. Bei den Männern stehen Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems auf der zweiten Position, danach folgen Krebserkrankungen und Beschwerden des Muskel-Skelett-Apparats oder des Bindegewebes. Bei den Frauen liegt Krebs auf der zweiten Position, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Bereichs oder des Bindegewebes stehen an dritter Stelle. Das Herz-Kreislaufsystem ist auf dem fünften Rang unter den häufigsten Ursachen zu finden. (Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Vorerkrankung?)

Psychische Probleme bleiben der Hauptgrund

Schaut man sich die Ursachen für die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente an, dann fällt die Ähnlichkeit zur Beantragung einer Berufsunfähigkeitsrente sofort auf. Psychische Erkrankungen haben alle anderen Beschwerden schon lange hinter sich gelassen, sie machen mit 40 Prozent der Nennungen im Jahr 2015 leider einen traurigen Rekord aus. Sowohl bei den staatlichen Versicherungsträgern als auch bei den privaten Versicherern ändert sich das offenbar nicht. Die neuesten Zahlen für das Jahr 2016 lassen vermuten, dass sich hier keine Änderung abzeichnet. Es steht zu erwarten, dass Burnout und Depressionen auch weiterhin die häufigsten Ursachen bleiben, warum man nicht mehr in ausreichendem Umfang am Erwerbsleben teilnehmen kann. (Berufskrankheiten 2015: Burnout und Asbest-Spätfolgen) Die Zahlen sind erschreckend und sie zeigen, dass hier Handlungsbedarf besteht, wenn die Menge der Betroffenen nicht noch weiter steigen soll.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 09.05.2017 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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