Damit Arbeit nicht krank macht: Aktuelle Tipps zur Stressbewältigung

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2020

Damit Arbeit nicht krank macht: Aktuelle Tipps zur StressbewältigungUm der Berufsunfähigkeit vorzubeugen, ist der Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag besonders wichtig. Aktuelle Ratgeber zeigen Arbeitnehmern und Unternehmen, wie sie krankmachenden Stress vermeiden. Gute Ernährung, konsequente Planung von Pausen und auch Humor am Arbeitsplatz helfen. Erholungen findet man am besten im Grünen.

„Stress lass nach“: Aktueller Ratgeber der IG Metall

Von der IG Metall erschien am Montag ein aktueller Kurzratgeber „Stress lass nach. Wenn Arbeit krank macht“. Darin erfahren nicht nur Arbeitnehmer, woran sie eine zu große Belastung erkenn und was dagegen zu tun ist. Auch die Pflichten des Arbeitgebers werden erläutert. Im Fokus steht dabei der arbeitsbedingte Stress, der in Form von psychischer Belastung nach wie vor Ursache Nummer eins von Berufsunfähigkeit ist. (IG Metall vom 07.08.2017)

Ansprechpartner der Beschäftigten ist der Betriebsrat, falls vorhanden. Auf der Seite des Arbeitgebers bildet die Gefährdungsbeurteilung das „zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz“, wie das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schreibt. Dabei gehen Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement Hand in Hand. Von der IG Metall wird der Fokus auf das gelegt, was jeder Einzelne tun kann. Stress abzubauen liegt demnach vor allem in der Verantwortung der Arbeitnehmer.

IG Metall: Was Arbeitnehmer tun können

Ergänzend zum betrieblichen Gesundheitsmanagement kann jeder Einzelne etwas für den Stressabbau tun. Die IG Metall schlägt aktuell folgende Maßnahmen vor:

  • persönliche Ursachen von Stress erkennen
  • Zeitmanagement kontrollieren und Raum für Erholung einplanen
  • gut ernähren und Alkoholkonsum mäßigen
  • Vorgesetzte bzw. Betriebsrat auf Stressquellen hinweisen
  • Arbeitsmedizinische Beratungen, falls Gesundheit am Arbeitsplatz leidet

Ausgleich durch Lachen: TÜV Rheinland für mehr Humor am Arbeitsplatz

In einer aktuellen Meldung wirbt der TÜV Rheinland für mehr Humor am Arbeitsplatz, um Stress und Spannung vorzubeugen. Insgesamt wurden dazu 545 TeilnehmerInnen befragt, wie wichtig ihnen der Faktor Humor bei der Arbeit und im Betrieb sind. Rund 93 Prozent antwortete, dass Humor bei der Arbeit sehr wichtig ist. Dagegen war es für fast 5 Prozent kein wichtiger Faktor, ob am Arbeitsplatz Humor eine Rolle spielt.

Die TÜV-Fachgebietsleiterin Iris Dohmen sagt dazu: »Humor…fördert die geistige Flexibilität, verbessert die Zusammenarbeit und ist gut für die Gesundheit.« Lachen helfe dabei, den Stress zu reduzieren. Am Ende sorge eine mit Humor gefüllte Atmosphäre am Arbeitsplatz für die ab und an nötige Entspannung.

Gesundheitsmanagement: Individuelle Lösungen finden

Auch aufseiten der Unternehmen kann etwas für die Gesundheit der Mitarbeiter getan werden. Neben der Pflicht zur Gefahreneinschätzung und -abwehr kann jedes Unternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement organisieren. Neben einer besseren Gestaltung der Arbeitsplätze können auch die Regeln der Arbeit besser auf die Gesundheit des einzelnen Angestellten ausgerichtet werden. Denn wenn weniger schlechte Bürostühle oder zu viel Lärm das Problem ist, können individuelle Regelungen Besserung bringen. So erklärte vor kurzem Dr. Ingo Weinreich vom Institut für Gesundheit und Management: »Gegebenenfalls muss in persönlichen Coachings ganz individuell geschaut werden, wie die Arbeitnehmer wieder zu einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit kommen, sie also beispielsweise genug Erholung bekommen.« (Interview mit finanzen.de vom 12.06.2017)

Folgt man dem Rat des ifg-Experten Dr. Weinreich, dann liegen die Lösungen zum Abbau von Stress am Arbeitsplatz mitunter auch außerhalb der Firma. Flexiblere Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, auch von zu Hause aus zu arbeiten, bieten Arbeitnehmern zusätzliche Freiräume für den nötigen Ausgleich.

Ausgleich im Freien: Raus in die Natur

Solche sonnenreichen Tage, wie wir sie derzeit erleben, eignen sich besonders gut, um Erholung in der Natur zu suchen. Abseits von den täglichen Aufgaben am Arbeitsplatz, können Beschäftigte ihren Stress im Freien abschütteln. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa brachte Umwelt-Gesundheitspsychologin Renate Cervinka von der MedUni Wien ihre Erkenntnisse auf den Punkt: »Der Geist erholt sich am besten im Grünen.« Stundenlang während der Arbeit die Konzentration zu halten führt gepaart mit dem Ignorieren von Störfaktoren zu Stress und Ermüdung. Im Kontrast dazu seien die Sinneseindrücke im Grünen eine Möglichkeit für Körper und Geist, abschalten zu können. Diese Gelegenheiten müssen wir uns selbst erlauben, so die Expertin. (dpa;via heilpraxisnet.de vom 06.08.2017)

Ausgleich im Garten: Selbst bepflanzen erholt am besten

Gemeinsam mit ihren Kollegen legte Cervinka letztes Jahr die Ergebnisse einer Befragung von rund 800 Personen vor, wonach der Aufenthalt im eigenen Garten erholsamer wirkt, als die Zeit auf der Wohnzimmercouch zu verbringen. Wichtigster Faktor sei dabei die Bepflanzung selbst und nicht die Dekoration des Gartens.

Wer die Chance hat, einen Garten selbst zu bepflanzen, findet darin einen idealen Ausgleich zum stressigen Alltag. Dabei muss es nicht die eigene Parzelle sein. Immer mehr Gemeinschaftsgärten werden in Großstädten angelegt, wo die Menschen gemeinsam Gemüse und Blumen anpflanzen und pflegen. Die Erholungsforscher der MedUni Wien machen in Sachen Erholung im Grünen jedoch eine wichtige Einschränkung: »Der Grad der Erholung hängt wesentlich davon ab, wie sehr die Person fähig ist, abzuschalten.« (MedUni Wien vom 12.04.2016)

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Vorbeugung mit Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzen

Allen bisher genannten Tipps zur Erholung nach der Arbeit bzw. Minderung von Stress während der Arbeit zum Trotz: Viele Menschen werden jedes Jahr von ihrer Arbeit berufsunfähig (Berufsunfähigkeitsversicherung). Die häufigsten Ursachen sind nach wie vor psychische Belastung und körperliche Beeinträchtigungen. Zuletzt nahm im Jahr 2015 die Zahl der Verrentungen wegen Berufskrankheit leicht zu. Aber auch Spätfolgen von giftigen Baumaterialien wie Asbest führen auch heute noch zur Berufsunfähigkeit. (Berufskrankheiten 2015: Burnout und Asbest-Spätfolgen)

Jeder kann zwar eigene Schritte unternehmen, um die Belastungen durch Arbeit auszugleichen. Aber dennoch bleibt das Risiko bestehen, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können. Und das, lange bevor man das gesetzliche Rentenalter erreicht. Deshalb wird schon jungen Arbeitnehmern der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung empfohlen. (Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?)

Workaholics: Arbeitssüchtige sind krank

Schlimmer als nicht abschalten zu können trifft es Menschen, die mit dem Arbeiten nicht aufhören können. Eine Tätigkeit, die großen Spaß macht und als wirklich fordernd empfunden wird, kann in der Tat süchtig machen. Im Interview mit der Mittelbayrischen Zeitung sagt Psychologin Prof. Ute Rademacher aus Hamburg: »Wenn wir die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation anlegen, erfüllt die Arbeitssucht alle Kriterien. Sie ist eine sogenannte substanzunabhängige Verhaltenssucht, ähnlich wie Glücksspiel- oder Sexsucht.« Vom Gesundheitssystem wird die Sucht nach Arbeit nicht als Krankheit anerkannt. Aber Rademacher geht davon aus, dass sich das in Zukunft noch ändern werde. (Interview vom 05.08.2017)

»Das größte Alarmzeichen ist, wenn Sie sich nicht gut fühlen, wenn Sie nichts zu tun haben. Wenn Sie nicht mehr einfach nur mal sitzen und den Tag genießen können, wenn Sie heimlich arbeiten und dafür sogar Ihre Familie anlügen oder wenn Sie immer Arbeit mit nach Hause nehmen, dann ist das ein Problem.« – Prof. Ute Rademacher, ISM Hamburg

Hier hätten laut Rademacher auch Unternehmen Möglichkeiten, bessere Bedingungen gegen Arbeitssucht zu schaffen. Gemeinsam mit den Beschäftigten gehe es darum, auch Fehler und Imperfektion in der Unternehmenskultur zuzulassen. Eine Folge für Arbeitssüchtige (engl.: Workaholics) kann Burnout und schließlich Berufsunfähigkeit sein. Das trifft nicht nur Angestellte, sondern auch Selbständige. (Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbständige)

Dieser Artikel wurde zuletzt am 17.02.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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