Berufsunfähigkeit als Folge der Digitalisierung?

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2018

Digitalisierung Arbeitsunfähigkeitstage nehmen zuDie Digitalisierung bringt in vieler Hinsicht Erleichterungen und Verbesserungen für den Arbeitsalltag. Doch auf der anderen Seite entstehen zunehmend Ängste und Stress bei Arbeitnehmern. Aktuelle Studien zeigen, wie die Digitalisierung, die Arbeitswelt verändert und so auch Privatleben und Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung beeinflussen.

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt

Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt gehen viele Veränderungen einher. In vielen Bereichen bringt sie Vereinfachungen und zunehmende Flexibilität mit sich. Doch nicht jeder ist den neuen Anforderungen, die mit den digitalen Möglichkeiten einher gehen, gewachsen. Viele Arbeiter und Angestellte haben Angst vor den Veränderungen und einige müssen befürchten, dass ihr Arbeitsplatz ganz wegrationalisiert wird. Die Anforderungen ändern sich, die Geschwindigkeit nimmt zu. Das führt bei nicht wenigen Menschen zu Angst und Überforderung.

Digitale Möglichkeiten beeinflussen die Arbeit und Privatleben

Gerade ältere Arbeitnehmer fühlen sich zunehmend gestresst, von der ständigen Erreichbarkeit. E-Mails überfluten die Postfächer. Jeder erwartet einer zügige Bearbeitung seiner Anfrage und eine möglichst zeitnahe Rückmeldung. Zusätzlich verstopfen Werbung und Spam den digitalen Posteingang. Alles muss durchgesehen, überprüft und sortiert werden.

Smartphone, der ständige Begleiter

Smartphones sorgen dafür, dass inzwischen fast jeder die Arbeit mit nach Hause nehmen kann und es auch tut. E-Mails werden rund um die Uhr abgerufen und zum Teil noch spät in der Nacht und sogar während des Urlaubs bearbeitet. Auch Kollegen und Arbeitgeber scheuen immer weniger davor zurück, die Mitarbeiter in Freizeit und Urlaub zu kontaktieren.

Dieses Gefühl immer erreichbar zu sein und der Druck, stets alle wichtigen Infos für eventuelle Nachfragen abrufbereit haben zu müssen, führen dazu, dass viele Menschen nicht mehr richtig abschalten können.

Arbeitnehmer fühlen sich zunehmend gehetzt

Ergebnisse der repräsentativen Umfrage des DGB mit dem Themenschwerpunkt „Die Digitalisierung der Arbeitswelt“ aus dem Jahr 2016 zeigt, dass sich gerade Arbeitnehmer, mit langen wöchentlichen Arbeitszeiten, oft bzw. sehr häufig bei der Arbeit gehetzt fühlen. Drei von vier Arbeitnehmern, die mehr als 45 Stunden pro Woche arbeiten, sind betroffen. Doch auch 53 Prozent der Arbeitnehmer mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 35 bis 40 Stunden pro Woche fühlen sich zeitlich unter Druck und führen diesen Umstand auch auf die Digitalisierung zurück.

Wie Digitalisierung krank macht – Thema der WDR-Sendung „Monitor“

Erst im November 2017 hat sich das Polit-Magazin „Monitor“ dem Thema gewidmet. Experten und Betroffene kommen zu Wort. Untermauert werden die Aussagen mit aktuellen Zahlen.

Aufhänger der WDR-Sendung sind aktuelle Zahlen zu psychischen Erkrankungen. Laut Ergebnissen einer Studie der Universität St. Gallen leiden inzwischen rund 23 Prozent der arbeitenden Bevölkerung unter Burnout-Syndromen.

Die Folge: 87 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage allein aufgrund psychischer Erkrankungen (Quelle: Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2015). Im Vergleich zu 2005 hat sich die Zahl verdoppelt.

Die einen verlieren ihre Arbeit, die anderen haben immer mehr zu tun – Arbeitsverdichtung als Folge der Digitalisierung

Beide Betroffene, die in der Sendung zu Wort kommen, waren in leitenden Positionen als Abteilungsleiter tätig. Die Digitalisieurng gibt den Arbeitstakt vor. Die Arbeitnehmer kommen nicht mehr hinterher. Die „einfache“ Arbeit wird von Computern übernommen, die komplexe Arbeit bleibt beim Menschen. Die einfachen Arbeiten boten die Möglichkeit auch mal abzuschalten, sagt Frau Prof. Renate Rau, von der Universität Halle. Sie erforscht dort die Zusammenhänge zwischen Arbeitswelt und psychischen Erkrankungen.

Arbeitsverdichtung: Erklärung und Folgen

Arbeitsverdichtung meint die Zunahme, der Arbeitsmenge, die pro Zeiteinheit geleistet wird. Das heißt, betroffene Arbeitnehmer erledigen innerhalb einer bestimmten Zeit (z. B. innerhalb eines achtstündigen Arbeitstages) immer mehr Arbeit.

Mit der Arbeitsverdichtung geht auch eine Steigerung der Arbeitsintensität einher, welche wiederum zu einem erhöhten Zeit- und Leistungsdruck führt.

Umfrage des DGB zum Thema Digitalisierung

In der Monitor-Sendung werden auch Daten einer Umfrage des DGB herangezogen. Das Institut DGB-Index Gute Arbeit erstellt jährlich einen Report und befragt Arbeitnehmer zu ihren Arbeitsbedingungen. Der Themenschwerpunkt liegt dabei jedes Jahr auf einem anderen Bereich. 2016 hieß dieser „Digitalisierung der Arbeitswelt – Eine Zwischenbilanz aus der Sicht der Beschäftigten“.

Ergebnisse des Reports 2016

Die Freizeit als wichtige Erholungszeit ist gefährdet.

„Wenn die Freizeit keine Erholzeit mehr ist, weil die Menschen nicht mehr abschalten können, von den Anforderungen die die Arbeitswelt an sie stellt, sind […] chronische Erkrankungen progerammiert.“ Dieser Meinung ist Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG-Metall.

Psychische Erkrankungen führen zur Berufsunfähigkeit

Burnout-Symptome werden, wenn Betroffene nicht frühzeitig reagieren, zu einem Problem. Psychische Erkrankungen sind bereits seit Jahren eine der häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit und sie nehmen stetig zu.

Berufsunfähigkeit als Folge der Digitalisierung?

Die zunehmende Digitalisierung der Arbeit führt nicht nur zu Verbesserungen. Sie beeinflusst die Arbeitnehmer häufig auch negativ. Die zitierten Statistiken zeigen, Berufsunfähigkeit kann schlußendlich die Folge der Digitalisierung sein. Wer dann keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, steht schnell vor finanziellen Schwierigkeiten. Stress, psychische Erkrankungen und körperliche Beschwerden sind häufige Auslöser für Berufsunfähigkeit.

Und eines dürfte klar sein, die psychischen Belastungen, die mit der Digitalisierung einher gehen, werden sich eher verstärken, als abnehmen.

Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt

Eine weitere Studie zum Thema liegt von der Universität St. Gallen vor. Diese hat Mitte 2016 im Auftrag der Gesetzlichen Krankenkasse Barmer GEK eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Thema der Studie waren die Auswirkungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Mehr als 8.000 Arbeitnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen an der Umfrage teil.

Jeder 5. fühlt sich „ausgebrannt“

Digitalisierung Arbeitsunfähigkeitstage nehmen zuDie Ergebnisse sind ernüchternd. Rund 25 Prozent der Befragten gaben an, dass sie durch die Arbeit emotional erschöpft sind. 20 Prozent fühlen sich „ausgebrannt“.

Neben emotionaler Erschöpfung werden Einschlafprobleme sowie Kopf- und Rückenschmerzen als Folge der Digitalisierung genannt.

Neben den gesundheitlichen Problemen, die mit der Digitalisierung in Verbindung gebracht werden, kommen Sorgen, Stress und Überforderung hinzu.

Jeder sechste  Arbeitnehmer fühlt sich unter Druck gesetzt, schneller arbeiten zu müssen. Der leichte Zugang zu vielen Information stresst die Arbeitnehmer und stört letztendlich bei der Entscheidungsfindung. Die schier unendliche Menge an Informationen überfordert.

Angst vor Arbeitsplatzverlust

Eine weiteres Problem, dass auch in Medien und Politik häufig diskutiert wird, ist der Verlust von Arbeitsplätzen. Viele Arbeitnehmer haben Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die Folge: jeder fünfte hat das Gefühl seine technologischen Fertigkeiten immer weiter verbessern zu müssen, um nicht den Job zu verlieren. Jeder zweite Befragte nutzt Telefon und Computer in der Freizeit für berufliche Zwecke. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt. Das Smartphone ist immer zu Hand. Der Stresspegel steigt weiter.

Drei Kernthesen als Ergebnis der Studie:

  • Digitalisierung beeinflusst das Privatleben negativ. Burnout und Konflikte zwischen Arbeit und Familie sind die Folgen
  • Digitalisierung macht die Arbeitsgestaltung zwar flexibler, allerdings profitieren davon nur bestimmte Branchen.
  • Unternehmen in der Pflicht. Die Digitalisierung erfordert ein Management, zum Beispiel über betriebliche Gesundheitsförderung. Präventionskurse zu den Themen Stress und psychsiche Gesundheit können helfen.

Quelle: Barmer GEK

Berufsunfähigkeit als Folge der Digitalisierung?

Die vorliegenden Zahlen und Studien zeigen die Probleme auf, die mit der Digitalisierung einher gehen. Es gibt viele Vorteile, die die Digitalisierung mit sich bringt. Die Arbeitsgestaltung wird flexibler. Viele Menschen sind weniger an ihren Arbeitsplatz im Büro gebunden. Doch diese räumliche Flexibilität birgt auch Gefahren. Häufig führt sie dazu, dass Arbeits- und Freizeit immer mehr verschwimmen. Das kann negative Folgen haben. Wenn der Arbeitgeber beispielsweise erwartet, dass seine Angestellten auch auf dem Golfplatz oder während des Wochenend-Tripps erreichbar sind, fallen die Erholungszeiten weg. Das Abschalten fällt dann zunehmend schwerer.

Burnout-Symptome ernst nehmen

Wer nicht abschalten kann und sich ständig gestresst fühlt, wird über kurz oder lang gesundheitliche Folgen spüren. Burnout ist nur eine der möglichen Folgen. Doch es handelt sich dabei um eine Erkrankung, die lange Arbeitsunfähigkeit nach sich zieht. Wird diese zu einer Berufsunfähigkeit, weil Betroffene ihren Beruf sechs Monate und länger nicht mehr ausüben können, besteht Berufsunfähigkeit. Die finanziellen Folgen kann nur eine leistungsstarke Berufsunfähigkeitsversicherung abfedern (Mehr Informationen unter Berufsunfähigkeitsversicherung Leistungen).

Dieser Artikel wurde zuletzt am 13.02.2018 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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