Aufruf gegen Diskriminierung HIV-positiver Menschen im Arbeitsleben

Zuletzt aktualisiert am 15.07.2019
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Deutsche AIDS-Hilfe startet Aufruf gegen Diskriminierung von HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben.

Mehr als 50 Unternehmen und Organisationen haben die am 12. Juni 2019 veröffentlichte Deklaration unterschrieben und sich damit zu Respekt gegenüber HIV-positiven Arbeitnehmern bekannt. Die Unterzeichner kündigten gleichzeitig konkrete Maßnahmen für einen besseren Umgang mit HIV-positiven Kollegen an.

Ziel der Deklaration ist es, deutlich zu machen, dass HIV im Arbeitsalltag keine Rolle spielen muss. Denn bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung können HIV-positive Menschen leben und arbeiten wie alle anderen. Sie können dann jeden Beruf ausüben und sogar als Ärzte oder pflegerisch tätig sein.


Prof. Dr. Hans-Jürgen Stellbrink, Präsident des Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses, erklärt:

“Unter Therapie ist eine Übertragung von HIV prinzipiell nicht mehr möglich. Im Arbeitsalltag ist HIV irrelevant.”

Wissen über HIV ist in der Bevölkerung lückenhaft

HIV-positive Menschen, die sich in Behandlung befinden, sind nicht mehr ansteckend und können daher inzwischen in jedem Beruf arbeiten. Obwohl es sich dabei um eine medizinische Tatsache handelt, herrscht oftmals Unsicherheit, da dieses Wissen noch nicht in den Köpfen der breiten Bevölkerung verankert ist. Daher sind Menschen mit HIV noch immer Vorurteilen ausgesetzt. Wer offen mit seiner Diagnose umgeht, muss Einschränkungen im Job oder sogar Ausgrenzung und Stigmatisierung befürchten. Die Berührungsängste sind noch immer groß.

Ausgrenzung und Mobbing machen krank

Das Vorurteil, dass HIV-positive Menschen häufiger krank und weniger belastbar sind, stimmt einfach nicht. Erst Diskriminierung, Vorurteile und Mobbing führen dazu, dass Betroffene krank werden. Sie verursachen psychische Belastungen und können im schlimmsten Fall zu Depressionen und damit zur Arbeitsunfähigkeit führen.

Depression – eine der Hauptursachen für Berufsunfähigkeit

Vorurteile, Verurteilung und Berührungsängste mit denen HIV-positive Menschen nicht nur im Berufsleben konfrontiert sind, stellen eine hohe Belastung dar. Diese kann sich auch in psychischen Problemen, wie Ängsten und Depressionen äußern und so zu Berufsunfähigkeit führen.

Wer bereits vor der Diagnose eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, ist zumindest finanziell abgesichert. Denn Versicherte sind nicht verpflichtet ihrem Versicherer eine Infizierung zu melden, wenn diese erst nach Vertragsabschluss bekannt wird.

Allerdings sind Anpassungen der Berufsunfähigkeitsversicherung später nur noch möglich, wenn umfangreiche Nachversicherungsgarantien vorliegen. Diese ermöglichen die Erhöhung der BU-Rente zu bestimmten Anlässen ohne erneute Gesundheitsprüfung.

HIV-positive Menschen erhalten kein Berufsunfähigkeitsschutz

Besteht die Diagnose bereits, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr möglich.

Es gibt jedoch immer wieder Angebote, die mit Berufsunfähigkeitsschutz ohne Gesundheitsprüfung werben. Diese sind allerdings in der Regel teurer und bieten meist nur sehr eingeschränkte Leistungen. So können Versicherte damit beispielsweise monatliche Beiträge anderer Versicherungen oder Sparpläne absichern. Inwieweit sich eine solche Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen im konkreten Fall lohnt, sollte mit einem Versicherungsfachmann besprochen werden.

Wenn Sie hierzu Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns. Unsere Fachberater zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung helfen Ihnen sehr gern weiter.

Fazit: Entscheidend sind Aufklärung und Unterstützung

Damit die gleichberechtigte Teilhabe von HIV-positiven Menschen in Alltag und Berufsleben tatsächlich klappt sind umfassende Aufklärung und die Toleranz von Arbeitgebern aber auch jedem Einzelnen wichtig. Nur so können HIV-positive Menschen tatsächlich leben wie jeder andere.

Die Arbeit der Deutschen AIDS-Hilfe und die aktuelle Kampagne #positivarbeiten sind ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Akzeptanz und Gleichberechtigung von HIV-positiven Menschen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.07.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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