Corona & Beruf: Wie das Virus das Arbeitsleben neu ordnet

Zuletzt aktualisiert am 22.05.2020

coronavirus, beruf und berufsunfähigkeitsversicherungDas Coronavirus hat seit Anfang des Jahres 2020 weitreichende Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Deutschland und der ganzen Welt. Jeder Lebensbereich, in dem Menschen mit anderen Menschen zusammentreffen, musste umorganisiert oder für eine Zeit ganz stillgelegt werden. Dies hatte und hat nach wie vor weitreichende Auswirkungen auf das Berufsleben beinahe aller Menschen. Wir geben einen kleinen Überblick über diese Auswirkungen und neue Entwicklungen, die es im Hinblick auf die Berufsunfähigkeitsversicherung gibt.

Arbeiten in Zeiten von Corona

Die konkreten Regelungen zum Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus sahen und sehen in jedem deutschen Bundesland anders aus, gemeinsame Linien sind dennoch deutlich sichtbar. So haben die allermeisten Unternehmen, deren Angestellten es möglich ist, im Homeoffice zu arbeiten, dieses angeordnet bzw. ermöglicht. War kein Arbeiten von zu Hause möglich, oder zumindest eine teilweise Präsenz in der Firma erforderlich, so wurde teilweise in wöchentlich wechselnden Schichten im Büro gearbeitet.

In Betrieben, in denen das nicht möglich war, mussten zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um sowohl Kunden als auch das Personal vor Ansteckung zu schützen. Nach einer vorübergehenden Schließung aller nicht essenziellen Einzelhandelsgeschäfte und anderer Unternehmen mit Kundenverkehr, wie z.B. der Gastronomie, sind diese an den meisten Orten nun wieder geöffnet. Auch hier müssen jedoch nun Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten und die Maskenpflicht beachtet werden.


Welche Regeln gelten jetzt am Arbeitsplatz?

Generell haben Arbeitgeber von Gesetz her eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern, d.h. sie müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Angestellten keinen unverhältnismäßigen Risiken ausgesetzt werden. Dies gilt auch für das Coronavirus. Der beste Schutz für viele ist sicherlich weiterhin (und für die absehbare Zukunft) das Homeoffice. Wo dieses nicht möglich ist, müssen Arbeitgeber sicherstellen, dass geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden.


Arbeiten in der Quarantäne

Grundsätzlich gilt, dass eine Quarantäne immer vom Gesundheitsamt angeordnet sein muss. Es hindert einen zwar niemand daran, eine selbstauferlegte Quarantäne einzuhalten, und in vielen Fällen ist das sicher auch sinnvoll (zum Beispiel wenn man zu einer Risikogruppe gehört oder Angehörige dies tun, die mit im Haushalt leben). Problematisch wird es dann, wenn der Arbeitgeber Anwesenheit auf der Arbeit erfordert.

Arbeitnehmer schulden ihrem Arbeitgeber auch in Zeiten einer Pandemie ihre Arbeitskraft, und sind deshalb auch verpflichtet, zur Arbeit zu kommen. Der Arbeitgeber muss aber dafür sorgen, dass seine Angestellten am Arbeitsplatz angemessen vor Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt sind. Hierfür muss er zum Beispiel über das Virus aufklären und auf vorbeugende Maßnahmen hinweisen. Erkrankte Personen müssen vom Betrieb ferngehalten werden, der Arbeitgeber darf also z.B. niemandem erlauben, krank zur Arbeit zu kommen.

Was passiert, wenn Quarantäne angeordnet wird, wenn man gesund ist?

Dieser Fall kann eintreten, wenn man Kontakt mit einer an Covid-19 erkrankten Person hatte oder man aus einem Risikogebiet oder aus dem Ausland zurückgekehrt ist. Egal, ob sich Symptome zeigen oder nicht: Zwei Wochen lang muss man zu Hause ausharren, damit sichergestellt ist, dass man selbst kein Überträger des Virus ist. Betroffene sind dazu verpflichtet, den Anordnungen des Gesundheitsamtes Folge zu leisten. Ist es für die betroffene Person möglich, von zu Hause aus zu arbeiten, dann ist sie hierzu verpflichtet. Ist dies nicht möglich, dann muss sie nicht arbeiten. Das Gehalt wird jedoch weiterhin gezahlt. Es gilt hierbei das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten“: Der Arbeitgeber muss weiter zahlen, kann sich das Gehalt aber vom Gesundheitsamt erstatten lassen.

Was passiert, wenn Quarantäne angeordnet wird, wenn man krank ist?

Wer an Covid-19 erkrankt ist, muss sich in seiner Wohnung isolieren und wird regelmäßig vom Gesundheitsamt oder dem Hausarzt überwacht. Ansonsten gilt das gleiche, wie bei jeder anderen Krankheit auch: Niemand muss krank arbeiten, auch nicht im Homeoffice. Das Gehalt wird ganz normal für bis zu sechs Wochen weitergezahlt. Sollte man länger krank sein, gibt es für gesetzlich Versicherte das Krankengeld.


Berufsunfähig wegen Corona – zahlt die Versicherung?

Zum Thema Coronavirus und Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es noch viele offene Fragen. Durch die Neuheit des Virus sind bisher noch keine Fälle bekannt, in denen jemand durch Covid-19 berufsunfähig geworden ist. Denn Berufsunfähigkeit besteht erst, wenn jemand über einen Zeitraum von sechs Monaten zu mindestens 50% nicht mehr in seinem alten Job arbeiten konnte. So lange ist Covid-19 aktuell noch gar nicht bekannt.

Mögliche Spätfolgen einer Covid-19-Infektion

Aktuell häufen sich jedoch die Hinweise, dass eine Berufsunfähigkeit durch Spätfolgen des Coronavirus nicht auszuschließen ist. In schweren Verläufen kann das Virus scheinbar nicht nur auf die Lunge, sondern auch andere Organe wie Niere, Herz und Gehirn schwerwiegende Auswirkungen haben. Häufig berichtet wird beispielsweise von Lungenfibrose als Spätfolge einer überstandenen, schweren Corona-Infektion. Hierbei bildet sich Narbengewebe in der Lunge, was dazu führt, dass sie nicht mehr so leicht Sauerstoff aufnehmen kann. Für den Menschen sind Kurzatmigkeit und eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit die Folge. Es ist aber noch unbekannt, wie viele Corona-Patienten tatsächlich hierunter leiden und ob die Lungenfibrose doch nach einer Zeit wieder ausheilt.

Berufsunfähigkeit nach Behandlung auf Intensivstation wahrscheinlich

Auch Menschen, die aufgrund einer Covid-19-Infektion künstlich beamtet werden mussten, haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, zumindest für einen vorübergehenden Zeitraum berufsunfähig zu werden. Während der Beatmung werden Patienten in ein künstliches Koma versetzt, das alleine schon eine starke Belastung darstellt. Die künstliche Beatmung ist zwar eine Maßnahme, die in vielen Fällen lebensrettend sein kann, die aber den Körper auch schwer mitnimmt und gravierende physische und psychische Folgen haben kann. So muss man danach erst mühsam wieder Muskeln aufbauen, um sich wieder normal bewegen zu können, und ob man jemals wieder so fit wird wie zuvor, ist unklar.

Depressionen und Angststörungen

Eine indirekte Folge des Virus und seiner Begleitumstände wird vermutlich auch ein vermehrtes Auftreten von psychischen Erkrankungen sein. Die aktuelle, unsichere Situation ist für viele Menschen sehr belastend. Einige verlieren gar ihren Job, bekommen keine Aufträge mehr oder der Betrieb geht in Insolvenz. Zudem ist die Gefahr einer erneuten depressiven Phase für Menschen, die bereits vorher an einer Depression erkrankt waren, hoch. Auch in einem solchen Fall zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung. Psychische Erkrankungen zählen mittlerweile zu den häufigsten Ursachen dafür, dass Menschen berufsunfähig werden.

Wann genau leistet die Versicherung?

Wenn man bereits über eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfügt und wegen einer Corona-Infektion berufsunfähig wird, dann leistet die Versicherung. Die Ursache ist hierfür unerheblich. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist dazu da, den Lebensunterhalt mit einer Berufsunfähigkeitsrente abzusichern, wenn man in seinem gewohnten Beruf zu über 50% nicht mehr arbeiten kann. Ein Beispiel hierfür könnte es z.B. sein, dass jemand Lungenschäden davon trägt, und deshalb nicht mehr an einem Arbeitsplatz arbeiten kann, an dem viel Staub anfällt – z.B. als Schreiner oder Bäcker.

Muss eine Corona-Infektion als Vorerkrankung angegeben werden?

Aufgrund der möglichen Spätfolgen des Virus, die zunehmend bekannt werden, erscheint es möglich, dass Versicherer demnächst in ihrer Gesundheitsprüfung auch Fragen nach dem Coronavirus aufnehmen werden. Einige beginnen damit bereits. So gibt es bereits Versicherer, die abfragen,

  • ob man in den letzten Tagen Corona-typische Symptome hatte
  • ob man auf das Coronavirus getestet wurde und was das Ergebnis war
  • ob man zu einer infizierten Person Kontakt hatte, im Ausland war oder in den nächsten drei Monaten ins Ausland reisen will
  • ob man sich in Quarantäne befindet (egal ob auf Anordnung der Behörden oder freiwillig)

Bei einer akut bestehenden Infektion nehmen die Versicherer den Antrag nicht an. Wenn man genesen ist, kann man aber den Antrag neu stellen. Sofern die Corona-Infektion ausgeheilt ist und keine Folgeschäden nachgewiesen sind, nimmt der Versicherer den Antrag ganz normal an. Ob es in Zukunft Aufschläge auf die Beiträge geben oder Corona bei der Infektionsklausel ausgeschlossen wird, ist aktuell noch unklar.


Welche Rechte haben Arbeitnehmer in der Corona-Krise?

Müssen Arbeitnehmer zur Arbeit kommen, auch wenn sie Angst vor Ansteckung haben?

Generell gilt, dass Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus keinen Grund darstellt, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Dies gilt auch dann, wenn man selbst oder Angehörige zu einer Risikogruppe gehören. Nach wie vor darf man nur bei einer akuten Erkrankung der Arbeit fernbleiben. Dies gilt auch, wenn kein Homeoffice möglich ist und Arbeitnehmer den öffentlichen Personennahverkehr benutzen müssen, um zur Arbeit zu kommen.

Arbeitnehmer dürfen auch nicht ohne Absprache im Homeoffice arbeiten. Im Extremfall können Arbeitgeber Angestellten, die unabgesprochen nicht zur Arbeit erscheinen, das Gehalt streichen. Im einzelnen sollten Arbeitnehmer immer versuchen, mit dem Arbeitgeber zu einer einvernehmlichen Regelung zu kommen. Gab es einen nachgewiesenen Corona-Fall im Betrieb, kann jedoch anderes gelten.

Können Arbeitnehmer zu Hause bleiben, wenn der ÖPNV nicht fährt?

In der Coronakrise war und ist es möglich, dass für eine begrenzte Zeit der ÖPNV nicht nach dem normalen Fahrplan verkehrt. Wer darauf angewiesen ist und deshalb nicht zur Arbeit kommen kann, darf aber nicht automatisch einfach zu Hause bleiben. Grundsätzlich liegt die Verantwortung für den Arbeitsweg beim Arbeitnehmer. Dieser muss dafür Sorge tragen, dass er zum Arbeitsplatz kommt, zur Not über einen anderen Verkehrsweg. Wenn dies gar nicht möglich ist, und der Arbeitnehmer zu Hause bleibt, kann der Arbeitgeber ihm das Gehalt verweigern. Eine Abmahnung darf er ihm hierfür jedoch nicht ausstellen. Wie auch in allen anderen Fällen sollten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sich im einem solchen Fall um eine für alle Seiten akzeptable Lösung bemühen.

Vereinfachte Krankschreibung

Bis zum 31. Mai 2020 ist es möglich, sich bei Infektionen der oberen Atemwege, die keinen Verdacht auf Covid-19 nahelegen, per Telefon für maximal 7 Tage krankschreiben zu lassen. Wer mit Halsschmerzen und Schnupfen aufwacht, muss sich also nicht erst in die Arztpraxis schleppen, um die Krankschreibung für den Arbeitgeber zu bekommen.

Krankmeldung in Coronazeiten: Darf der Arbeitgeber alles wissen?

Normalerweise haben Arbeitgeber kein Recht darauf, zu erfahren, woran ein Arbeitnehmer erkrankt ist, wenn er ihm eine Krankmeldung abgibt. Ist der Beschäftigte jedoch am Coronavirus erkrankt, muss der zuständige Arzt das dem Gesundheitsamt melden. Dieses informiert in der Regel den Arbeitgeber, damit potenzielle Kontaktpersonen gefunden und ebenfalls isoliert werden können.

Können Arbeitnehmer die Bereitstellung von Schutzkleidung verlangen?

Sofern die Arbeitnehmer in „gewöhnlichen“ Jobs arbeiten, d.h. kein höheres Ansteckungsrisiko haben als in ihrem Privatleben, können sie von ihrem Arbeitgeber keine Bereitstellung spezieller Schutzkleidung verlangen. Wenn sie bei der Arbeit einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, z.B. im Krankenhaus oder an anderen Orten, an denen sie im direkten Kontakt mit Corona-Patienten stehen, muss der Arbeitgeber aber entsprechende Ausrüstung zur Verfügung stellen.

Dürfen Arbeitnehmer auch gegen den Willen des Arbeitgebers einen Mund-Nasen-Schutz tragen?

Dies ist aktuell noch ungeklärt. Prinzipiell können Arbeitgeber dies nicht verbieten, wenn die Angestellten keinen Kundenkontakt haben. Haben sie bei der Arbeit Kundenkontakt, so ist dies eine Abwägungsfrage.

Bekommt man trotz Betriebsschließung weiter Gehalt?

Wenn der Betrieb des Arbeitgebers auf behördliche Anordnung geschlossen wurde, bekommen Arbeitnehmer trotzdem weiterhin ihr Gehalt, auch wenn sie nicht selbst erkrankt sind. Die Betriebsschließung fällt unter das Risiko des Arbeitgebers. Gegebenenfalls können Arbeitgeber sich das Gehalt wiederum von den Behörden erstatten lassen oder es greift eine Betriebsunterbrechungsversicherung (falls die Firma eine solche abgeschlossen hatte). Darüber, ob diese Versicherung auch bei Schließung wegen des Coronavirus zahlt, herrscht aktuell jedoch noch Streit.


Welche Rechte haben Arbeitgeber?

Auch Arbeitgeber haben bestimmte Rechte, die sie gerade in einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie zum Schutz ihres Betriebs und der Bevölkerung insgesamt ausüben können. Als erstes denkt man dabei natürlich an medizinisches Personal in Krankenhäusern, Apotheken, oder Forscher auf dem Gebiet der Virologie, die zu Überstunden verpflichtet werden. Aber auch andere, auf den ersten Blick weniger essenzielle Berufe kann es treffen.

Dürfen Arbeitgeber Urlaubssperren verhängen?

Wenn zu viele Mitarbeiter in einem Betrieb wegen Krankheit ausfallen – sei dies wegen Corona-Infektionen oder anderen Krankheiten – dann kann der Arbeitgeber Urlaubssperren verhängen, um das Weiterlaufen des Betriebs zu gewährleisten. Wenn ein Betriebsrat in der Firma vorhanden ist, dann muss dieser zustimmen. Gilt die Urlaubssperre, dann dürfen Arbeitnehmer für einen festgelegten Zeitraum keinen Urlaub mehr nehmen. Bereits vorher genehmigter Urlaub kann allerdings nicht so leicht wieder zurückgezogen werden.

Dürfen Arbeitgeber Überstunden anordnen?

Wenn im Tarifvertrag, in der Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag des Arbeitnehmers Überstunden vereinbart sind, dann muss der Arbeitnehmer diese leisten. Dabei müssen aber natürlich die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden, d.h. die Überstunden dürfen eine bestimmte Zahl nicht überschreiten und es muss in absehbarer Zeit Ausgleich in Form von Freizeit möglich sein. Die Vorschriften dieses Gesetzes wurden für die Corona-Pandemie allerdings etwas gelockert. Für systemrelevante Berufe gilt nun bis Ende Juni 2020, dass 12-Stunden-Arbeitstage und kürzere Ruhezeiten erlaubt sind.

Gibt es keine Vereinbarung darüber, dass Überstunden zu leisten sind, können Arbeitnehmer sich weigern. Sie sind nur dann zur Arbeit verpflichtet, wenn ein Notfall vorliegt. Die Überstunden müssen zudem bezahlt werden.

Dürfen Mitarbeiter weiterhin auf Geschäftsreisen geschickt werden?

Dies ist eine Abwägungsfrage zwischen den Interessen des Arbeitgebers und der Sicherheit des Arbeitnehmers. Grundsätzlich können Arbeitgeber ihre Angestellten weiterhin auf Geschäftsreisen schicken, aber es kommt darauf an, ob im Inland oder im Ausland, wie wichtig der Zweck der Reise ist, und wie die persönliche Situation des Arbeitnehmers aussieht (z.B. ob er zu einer Risikogruppe gehört). Solange die Bundesregierung generell vor Reisen warnt, dürfte grundsätzlich die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber den Geschäftsinteressen überwiegen. Auch darf niemand in ein Risikogebiet geschickt werden.

Weitere, ausführliche Informationen zum Thema Arbeitnehmerrechte in der Coronakrise gibt es zum Beispiel auf den Seiten des DGB.

Diese Berufe sind systemrelevant

Vieles hängt in der Coronakrise davon ab, ob der eigene Beruf als „systemrelevant“ eingestuft wird oder nicht. Hier eine nicht erschöpfende Liste:

  • Beschäftigte im Gesundheitsbereich (Krankenhäuser, Gesundheitsämter) und in der Pflege
  • Polizei und Feuerwehr
  • Beschäftigte im Justizvollzug
  • Beschäftigte im Bereich öffentlicher Infrastrukturen (z.B. Müllabfuhr, Strom- und Wasserversorgung, ÖPNV)
  • Angestellte in öffentlichen Einrichtungen und Behörden
  • Erzieher und Lehrkräfte, die in Kindergärten und Schulen die Notbetreuung übernehmen
  • Beschäftigte in Geschäften zur Grundversorgung der Bevölkerung, z.B. in Supermärkten, Drogerien, Apotheken

Urlaub in Zeiten von Corona

Dürfen Arbeitgeber Zwangsurlaub oder Betriebsferien verordnen?

Nicht ohne Weiteres. Arbeitgeber können ihre Arbeitnehmer grundsätzlich nicht zwingen, ihren Urlaubsanspruch aufzubrauchen, weil der Betrieb gerade stillsteht. Dies gilt auch für komplette Betriebsschließungen. Arbeitgeber können die Angestellten dann zwar freistellen, müssen sie in dieser Zeit aber auch bezahlen, und ihr Urlaubsanspruch besteht für den Rest des Jahres weiter.

Auch Betriebsferien können nicht ohne weiteres spontan angeordnet werden. Zwar ist es grundsätzlich möglich, für eine bestimmte Zeit im Jahr (etwa Weihnachten) obligatorische Betriebsferien anzuordnen, während der alle Beschäftigten Urlaub nehmen müssen. Dies muss allerdings mit entsprechendem zeitlichen Vorlauf angekündigt werden, normalerweise vor Beginn des Urlaubsjahres. Arbeitnehmer könnten sonst zu Anfang des Jahres zum Beispiel schon ihren gesamten Jahresurlaub verplant haben, und keine Urlaubstage mehr für die Betriebsferien übrig haben. Eine spontane Nutzung von Betriebsferien, um coronabedingte Engpässe zu überbrücken, ist darum grundsätzlich nicht zulässig. Aufgrund der Sondersituation in der Corona-Pandemie könnten zwar Ausnahmen gelten, aber bisher gibt es hierzu noch keine Gerichtsurteile.

Können Arbeitnehmer bereits genommenen Urlaub rückgängig machen?

Für alle, die bereits Urlaub geplant hatten, der nun in die Zeit der Pandemie fällt, sieht es schlecht aus. Reisen, vor allem ins Ausland, ist quasi nicht mehr möglich, Hotels sind geschlossen, Restaurants und Freizeiteinrichtungen auch. Da liegt es nahe, zu überlegen, ob man stattdessen nicht einfach weiter arbeiten gehen und den Urlaub auf einen späteren Zeitpunkt verlegen kann. Wenn eine Ausgangssperre in Kraft ist, oder man in Quarantäne bleiben muss, ist dies auch durchaus ein berechtigter Wunsch, denn der Urlaub soll ja zur Erholung der Beschäftigten dienen – und wohl kaum jemand dürfte ein Eingesperrtsein in der eigenen Wohnung als Urlaub empfinden.

Es ergibt sich also ein ähnliches Problem wie bei Krankheit im Urlaub: Unter diesen Umständen ist eine Erholung praktisch kaum möglich. Eine gesetzliche Regelung dafür gibt es jedoch nicht. Arbeitgeber haben keine Verpflichtung, den Arbeitnehmern eine Verschiebung bereits genehmigten Urlaubs zu ermöglichen. Grundsätzlich ist es nämlich auch keine haltbare Behauptung, dass Urlaub im Ausland erholsamer sei, als in Deutschland. Im Einzelfall sollte man, wie bei vielen anderen Problemstellungen in der Pandemie auch, versuchen, mit dem Arbeitgeber zu verhandeln, und zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Können Urlaubsansprüche bis zum nächsten Jahr aufgespart werden?

Wenn man einmal ehrlich ist, werden die meisten Menschen davon ausgehen, dass auch später im Jahr 2020 keine Urlaubsreisen unter normalen Bedingungen möglich sein werden. Eine legitime Überlegung könnte darum sein, sich Urlaubstage aus 2020 für das nächste Jahr aufzusparen, in der Hoffnung, dass die Situation sich bis dahin wieder normalisiert hat. Leider ist dies jedoch nicht so einfach möglich. Das Bundesurlaubsgesetz sieht vor, dass der Urlaub in dem Jahr zu nehmen ist, in dem der Anspruch besteht. Ansonsten würde der Zweck der Erholung von der Arbeit nicht erfüllt.

Laut Gesetz darf nur Urlaub ins nächste Jahr mitgenommen werden, der wegen Krankheit oder anderen persönlichen oder betrieblichen Gründen nicht genommen werden konnte. Auch dieser muss dann aber bis zum 31. März des Folgejahres aufgebraucht werden, eine Regelung, die den meisten Arbeitnehmern vertraut sein dürfte. Sich seinen Urlaub bis 2021 aufzusparen, um dann eine besonders lange Reise zu machen, ist also leider arbeitsrechtlich gesehen nicht möglich.

Auch eine Auszahlung von Urlaub ist nur in Ausnahmefällen möglich, nämlich dann, wenn ein Arbeitnehmer aus einem Arbeitsverhältnis ausscheidet, aber vor Ende nicht mehr alle Urlaubstage nehmen konnte.

Können Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub streichen?

Generell kann bereits gewährter Urlaub nicht einseitig zurückgezogen werden. Dies gilt auch für Arbeitgeber, die jetzt gerade in der Coronakrise besonders viel zu tun haben. Sie können ihre Angestellten lediglich darum bitten, ihren Urlaub zu verschieben. Eine Streichung des Urlaubs ist sonst nur in echten Notfällen möglich – Personalknappheit, da andere Mitarbeiter krank oder ebenfalls in Urlaub sind, ist kein Notfall. Ein Notfall könnte z.B. eine Situation sein, an der das Fortbestehen des ganzen Unternehmens hängt. Holt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer aus dem Urlaub zurück, muss er in der Regel entstehende Schäden bezahlen, z.B. Flug- oder Hotelkosten. Da während der Corona-Pandemie allerdings ohnehin kein Tourismus möglich ist, dürfte dies aktuell aber kaum vorkommen.

Urlaub in Kurzarbeit

Auch Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit sind, können weiter ihren bereits genehmigten und geplanten Urlaub nehmen. Für die Zeit des Urlaubs erhalten sie ihr volles Gehalt, also nicht das durch Kurzarbeit gekürzte. Ist allerdings Kurzarbeit ganz ohne geschuldete Arbeitsleistung angeordnet („Kurzarbeit null“), dann können die Urlaubsansprüche des Arbeitnehmers für diese Zeit reduziert sein.


Berufstätige Eltern in der Krise

Gerade für Eltern kleiner Kinder ist die aktuelle Krisensituation besonders schwer zu bewältigen. Durch die Kontaktbeschränkungen ist an einen normalen Schul- und Kindergartenbetrieb nicht zu denken. Auch eine Kinderbetreuung durch die Großeltern ist in der aktuellen Situation keine gute Idee, da ältere Menschen besonders oft schwere Verläufe von Covid-19 entwickeln und darum eine Risikogruppe sind. Wenn beide Eltern berufstätig sind, entsteht also eine fast unlösbare Situation. Denn wie soll man gleichzeitig im Homeoffice arbeiten und den Schulunterricht oder das Aktivitätenprogramm des Kindergartens ersetzen?

Notbetreuung für Eltern in systemrelevanten Berufen

Eine Kinderbetreuung in Kitas und Schulen gibt es natürlich nach wie vor, nämlich für Fälle, in denen die Eltern unabkömmlich sind. Um diese in Anspruch nehmen zu können, müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • ein Elternteil muss in einem systemrelevanten Beruf arbeiten (und dort unabkömmlich sein – bestätigt durch Bescheinigung des Arbeitgebers)
  • eine andere Betreuungsmöglichkeit mit verantwortbarem Risiko existiert nicht
  • Homeoffice oder flexible Arbeitszeitgestaltung ist nicht möglich
  • oder das Elternteil ist alleinerziehend.

Die genauen Regelungen können in den einzelnen Bundesländern leicht unterschiedlich sein.

Wann dürfen Eltern zu Hause bleiben?

Wenn keine andere Kinderbetreuung möglich ist, die Eltern aber auch nicht in einem systemrelevanten Beruf arbeiten und so Anspruch auf die Notbetreuung haben, können sie zu Hause bleiben, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Arbeitgeber müssen ihre Arbeitnehmer in solchen Fällen freistellen. Allerdings haben die Beschäftigten dann für diese Zeit keinen Anspruch mehr auf ihr Gehalt, und auch ihr Urlaubsanspruch für das Jahr reduziert sich, da das Arbeitsverhältnis ruht.

Eltern können sich den Verdienstausfall aber zumindest teilweise vom Staat ersetzen lassen. Sie erhalten dann 67% ihres üblichen Gehaltes für maximal sechs Wochen (bis zu einem Maximalbetrag von 2016 Euro monatlich). Diesen Anspruch auf den Ersatz des Verdienstausfalls haben beide Elternteile, wenn sie Kinder unter 12 Jahren haben. Insgesamt ist so eine Betreuung zu Hause bis zu 12 Wochen möglich. Weitere Informationen für betroffene Eltern finden sich beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Quelle).


Ist es trotz Coronakrise möglich, einen neuen Job zu finden?

Wer bereits vor der Corona-Pandemie schon arbeitslos war, oder nun arbeitslos wird, hat es schwer. Aufgrund des allgemeinen Einbruchs der Wirtschaft gibt es aktuell wenig Jobangebote. Trotzdem ist das Vorhaben, einen neuen Job zu finden, natürlich bei weitem nicht aussichtslos. Es lohnt sich, aufmerksam nach Stellenangeboten zu suchen, denn natürlich gibt es auch Unternehmen, die gerade aufgrund der Krise händeringend Personal suchen. Ein paar Beispiele:

  • Öffentliche Verwaltungen, z.B. Gesundheitsämter
  • Gesundheitssektor, z.B. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen
  • Pharma- und Medizintechnikunternehmen
  • Supermärkte, Drogerien und Apotheken
  • IT-Unternehmen
  • Lieferdienste
  • Logistikbranche

Können Bewerbungsgespräche trotzdem stattfinden?

Viele Personalabteilungen weichen aktuell auf Telefoninterviews und Vorstellungsgespräche per Videokonferenz aus, um Bewerber interviewen zu können ohne jemanden zu gefährden. Die Coronakrise ist so gesehen kein Grund dafür, dass die Personalsuche zum Erliegen kommen sollte. Auch Bewerbungsgespräche vor Ort unter Einhaltung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind natürlich weiterhin denkbar.

Welche Unterstützung erhalten Arbeitslose?

Für Menschen, die bereits bei Beginn der Coronakrise arbeitslos waren, gibt es eine gute Nachricht: Der Bezug von Arbeitslosengeld I wurde verlängert. Normalerweise haben Arbeitslose nur 12 Monate lang Anspruch auf diese Leistung. Jetzt kann die Auszahlung des ALG I um weitere 3 Monate verlängert werden. Voraussetzung ist, dass der Anspruch auf ALG I zwischen dem 1.5. und dem 31.12.2020 geendet hätte.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22.05.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Kathrin Dodenhoeft
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