Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung bieten viele Versicherungsunternehmen verschiedene Alternativen an. Dazu zählen beispielsweise die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die Dread-Disease Versicherung, Multi Risk Policen und die Grundfähigkeitsversicherung. Diese drei Versicherungen sollen näher betrachtet und sowohl auf ihre Leistungen, als auch auf die Vor- und Nachteile hin untersucht werden. Können sie tatsächlich als mögliche Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung angesehen werden?

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung

In Bezug auf die Funktionsweise ähnelt diese Versicherung der Berufsunfähigkeitsversicherung. Tritt der Versicherungsfall ein, erhält der Kunde die vereinbarte Rente bis zum Ende eines festgelegten Zeitraumes. Der wichtigste Unterschied zur BU-Rente liegt darin, dass es bei der Erwerbsunfähigkeitsrente keine berufliche Einschränkung gibt. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet nur dann, wenn kein Beruf mehr ausgeübt werden kann.
Ein Zahnarzt, der beispielsweise in der Beweglichkeit seiner Hände so eingeschränkt ist, dass er seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, aber durchaus in der Lage ist, in einem anderen Beruf zu arbeiten, erhält keine Erwerbsunfähigkeitsrente. Das heißt, eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn der Kunde zu 100 % invalide ist. Das ist ein weitaus geringerer Schutz, als ihn die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet. Diese leistet bereits, wenn der Versicherte zu 50% außerstande ist, in seinem zuletzt ausgeübten Beruf weiterzuarbeiten.

Die Dread-Disease Versicherung

Die Dread-Desease Versicherung (auch Schwere-Krankheiten-Versicherung genannt) ist eine Versicherung gegen bestimmt, vorher festgelegte Krankheiten. Sie leistet, wenn innerhalb eines vorher vereinbarten Zeitraumes eine der versicherten Krankheiten diagnostiziert wird. Welche Krankheiten im Versicherungsschutz enthalten sind, ist in den Versicherungsbedingungen klar und abschließend definiert.
Tritt der Versicherungsfall ein, leistet der Versicherer meist in Form einer Einmalzahlung, deren Höhe im Versicherungsvertrag festgelegt ist. Die Anzahl der versicherten Krankheiten kann von Versicherer zu Versicherer stark variieren. Standardmäßig sind folgende Krankheiten versichert: Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Koma, Multiple Sklerose, Nierenversagen und Bypass-Operationen. Psychische Leiden und Erkrankungen des Bewegungsapparates, die zu den Hauptursachen von Berufsunfähigkeit zählen, werden meist nicht versichert. Mehr zu den Ursachen einer Berufsunfähigkeit

Vor- und Nachteile der Dread-Disease

Der Vorteil bei dieser Versicherung ist, dass es keine Rolle spielt, ob der Versichert berufsunfähig ist oder nicht. Auch ist die Prüfung des Versicherungsfalls relativ einfach und somit erfolgt eine Auszahlung oft recht zügig. Der Nachteil der Dread-Disease Versicherung gegenüber der Berufsunfähigkeitsversicherung besteht in der oben genannten Einmalzahlung, die kaum das laufende Einkommen ersetzen kann. Schon gar nicht, wenn der Versicherungsfall weit vor Rentenbeginn eintritt. Ein weiterer Negativfaktor dieser Versicherung ist die Tatsache, dass der Kunde selbst auswählen muss, welche Krankheiten und Ereignisse er versichern möchte. Dies gleicht „einem Lotteriespiel mit hohem Risiko“, meint Frau Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Allerdings kann eine Kombination aus Dread-Disease und Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus Sinn machen.

Grundfähigkeitsversicherung

Die Grundfähigkeitsversicherung oder auch Grundfähigkeits-Zusatzversicherung ist eine Risikoversicherung, die den Verlust bestimmter Grundfähigkeiten wie Sehen, Gehen, Treppensteigen oder Autofahren versichert. Diese Versicherung leistet meist durch Auszahlung einer monatlichen Rente. Sie kann sowohl als eigenständige Versicherung als auch in Form einer Zusatzversicherung abgeschlossen werden.
Es werden meist 15 Grundfähigkeiten versichert, die in zwei Kategorien eingeteilt sind. Die erste Kategorie enthält vier Fähigkeiten.

  • Sehen
  • Sprechen
  • Gebrauch der Hände
  • Orientierungsfähigkeit

In die zweite Kategorie fallen folgende Fähigkeiten:

  • Hören
  • Gehen
  • Treppen steigen
  • Knien
  • Bücken
  • Sitzen
  • Stehen
  • Greifen
  • Arme bewegen
  • Heben und Tragen
  • Autofahren

Eine Grundfähigkeitsversicherung leistet allerdings erst, wenn die Grundfähigkeit für mindestens ein Jahr ausgefallen ist bzw. sie sehr wahrscheinlich so lange ausfallen wird. Außerdem muss mindestens eine Grundfähigkeit der Kategorie 1 bzw. mindestens 3 Grundfähigkeiten der Kategorie 2 ausfallen. Der Vorteil der Grundfähigkeitsversicherung gegenüber einer BU ist, die Tatsache, dass man nicht zwingend berufsunfähig sein muss, damit die Police leistet. Allerdings leistet die Versicherung nicht, wenn der Versicherte eine Fähigkeit verliert, die nicht im Katalog mit aufgeführt ist – was für viele psychische Erkrankungen gilt.

Multi Risk Policen und Bausteinlösungen

Die Multi Risk Police ist eine Kombination verschiedener Versicherungsarten. Sie deckt meist Pflegebedürftigkeit und folgende Risiken ab: Unfall, schwere Krankheit (Dread-Disease) und den Verlust von Grundfähigkeiten (Sehen, Hören, Sprechen). Einige Versicherer bieten die Möglichkeit, auch eine Berufsunfähigkeit mit in die Risikoliste aufzunehmen, allerdings erhöht dies wiederum deutlich die Beiträge. In der Police erfolgt die Leistung in der Regel als Rentenzahlung, welche auch als lebenslange Zahlung vereinbart werden kann.

Ein Beispiel aus der Praxis

Die Allianz hat bereits seit Mitte 2011 eine „KörperSchutzPolice“ im Angebot und ist damit ein Vorreiter im Bereich der Multi-Risk-Policen. Gerade für risikoträchtigere Berufsgruppen eignet sich diese Alternative. Bei dauerhaften körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen erhält der Betroffene eine versicherte monatliche Rente und ist von weiteren Beitragszahlungen befreit. Im Falle einer schweren Erkrankung wird dem Betroffenen einmalig eine Summe in Höhe einer Jahresrente ausgezahlt. Die Police kann natürlich kein vollständiger Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsvorsorge sein. Allerdings ist sie möglicherweise eine deutlich günstigere Alternative für Menschen, denen die Arbeitsfähigkeit an sich wichtiger ist, als die Absicherung des beruflichen Status.

Bausteinlösung

Einer der neuesten Trends der BU-Versicherungsbranche ist die Verknüpfung der biometrischen Risiken Pflege und Invalidität. Der Großteil der Versicherer setzt auf Bausteinlösungen und preist Kombiangebote, als kostengünstigere Alternative zur Einzelabsicherung der Risiken an. Allerdings sollten Kunden mit einem Berater genau klären, was der Versicherungsschutz beinhaltet und was nicht.

Branchenbeispiele

Der Tarif der Basler Versicherungen „Basler Beruf + Pflege Aktiv“ deckt zwar sowohl die Berufsunfähigkeit, als auch den Fall der Pflegebedürftigkeit ab, allerdings erhalten „Aktiv“-Kunden nur dann eine lebenslange Pflegerente, wenn die Pflegebedürftigkeit während der Vertragslaufzeit eintritt. Diese endet jedoch spätestens mit dem 67. Lebensjahr. Danach besteht kein Pflegeschutz mehr.

Die Volkswohl Bund Versicherung hat Anfang 2013 die Berufsunfähigkeitsversicherung Plus eingeführt. Dieser Tarif beinhaltet neben der Absicherung der Berufsunfähigkeit auch einen Pflegeschutz. BU-Plus-Kunden erhalten bei Pflegebedürftigkeit zusätzlich eine lebenslange Pflegerente in Höhe ihrer vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente. Im Pflegefall bekommen Versicherte dann die doppelte BU-Rente. Allerdings gilt auch dieser Schutz nur bis Rentenbeginn.
Ähnliches gilt für die integrierte Pflegezusatzrente, die die Allianz seit Juli 2014 in ihr Angebot aufgenommen hat.

Alle drei Versicherer bieten aber die Möglichkeit, im Anschluss an den jeweiligen Tarif eine Pflegerentenversicherung abzuschließen, ohne dass erneut eine Gesundheitsprüfung vorgenommen wird.

Fazit: Keine echte Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Keine der betrachteten Versicherungen stellt einen adäquaten Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung dar. Bestenfalls können sie ergänzend oder in Kombination mit einer BU-Versicherung abgeschlossen werden. Sie sind zwar teilweise günstiger, doch ist ihre Leistung bei weitem nicht so umfangreich, wie die der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Im Vergleich zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet die BU deutlich früher und nicht erst bei 100%iger Berufsunfähigkeit. Auch zwingt sie den Versicherten nicht, in völlig anderen Berufen zu arbeiten. (Achtung: Im Vertrag der Berufsunfähigkeitsversicherung muss allerdings die abstrakte Verweisung ausgeschlossen sein.)

Der wichtigste Nachteil der Dread-Disease-Versicherung gegenüber der BU-Versicherung liegt in der Beschränkung auf bestimmte Krankheiten. Sie leistet im Falle, dass eine der im Vertrag versicherten Krankheiten auftritt, zwar auch wenn keine Berufsunfähigkeit vorliegt. Allerdings werden gerade Erkrankungen des Bewegungsapparates und psychische Krankheiten meist nicht mitversichert. Obwohl gerade diese Krankheiten, zu den häufigsten Gründen für den Ausstieg aus dem Berufsleben zählen.

Die Multi-Risk-Versicherung kann noch am ehesten als mögliche Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung angesehen werden,da sie für Menschen mit Vorerkrankungen leichter zu bekommen ist. Allerdings leistet auch diese Versicherung im Falle einer psychischen Erkrankung (z.B. Burnout) nicht. Außerdem sind die Anforderungen, die zur Auszahlung der Rente erfüllt sein müssen strenger als bei der BU-Versicherung. So muss beispielsweise nachgewiesen werden, dass Schädigungen innerer Organe dauerhaft und unheilbar sind.

Wenden Sie sich an unseren Berater und besprechen Sie mit ihm die Anforderungen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Sie erfüllen sollte. So können Sie sicher sein, im Falle einer schweren Erkrankung, eines Unfalls oder Ähnlichem optimal abgesichert zu sein.

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