Arbeits­unfähig­keits­ver­siche­rung

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Arbeits­unfähig­keits­versiche­rung ist nicht dasselbe wie eine Berufs­unfähig­keits­versiche­rung (BU), sondern ein Zusatzbaustein zu dieser.
  • Die Berufs­unfähig­keits­versiche­rung ist eine der wichtigsten Versicherungen, die man haben kann.
  • Die Arbeitsunfähigkeitsklausel in einem BU-Vertrag sorgt dafür, dass man auch bei vorübergehender Krankheit bereits eine Berufs­unfähig­keits­rente erhält.
  • Im Test 2019 zur Berufs­unfähig­keits­versiche­rung können u.a. die Alte Leipziger und die Basler überzeugen (DFSI, 2019).

Arbeits­unfähig­keit und Berufs­unfähig­keit: Wo liegt der Unterschied?

Der Begriff der Arbeitsunfähigkeit (AU) wird oft als Synonym für den Begriff der Berufs­unfähig­keit (BU) benutzt. An sich bezeichnen beide zwar einen ähnlichen Zustand, doch die Unterscheidung wird im Bereich der Versicherungen sehr wichtig.

  • Arbeits­unfähig ist, wer für eine begrenzte Zeit nicht arbeiten kann und dafür eine Bescheinigung vom Arzt erhalten hat (auch „gelber Schein“ genannt). Es besteht jedoch die Aussicht auf vollständige Genesung. In diesem Fall erhalten Angestellte sechs Wochen lang weiterhin Gehalt von ihrem Arbeitgeber und anschließend für 1,5 Jahre Krankengeld von der Krankenkasse.
  • Berufs­unfähig ist, wer dauerhaft nicht mehr in seinem alten Job arbeiten kann, und hierfür eine ärztliche Bescheinigung bekommen hat. Nur in diesem Fall greift eine Berufs­unfähig­keits­versiche­rung.

Für beides kann man sich versichern lassen, wobei die Arbeits­unfähig­keits­versiche­rung nur als Zusatz zur Berufs­unfähig­keits­versiche­rung zu haben ist. Standardmäßig haben BU-Versicherungen keine Arbeits­unfähig­keits­klausel (auch „Gelbe-Schein-Regelung“ genannt), doch immer mehr Versicherer bieten dies inzwischen an.


Was leistet eine Berufs­unfähig­keits­versiche­rung?

Eine Berufs­unfähig­keits­versiche­rung OHNE Arbeits­unfähig­keits­klausel sichert den Lebensstandard für den Fall ab, dass der Beruf aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr ausgeübt werden kann. Die BU ist eine der wichtigsten Versicherungen. Wer keine solche Versicherung abgeschlossen hat, muss damit rechnen, enorme finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen, wenn es zur Berufsunfähigkeit kommt. Die gesetzliche Leistung, die sogenannte Erwerbsminderungsrente, ist normalerweise bei weitem nicht ausreichend.

Die Leistungen der BU werden in der Regel dann gezahlt, wenn die versicherte Person zu mindestens 50% der Zeit nicht mehr arbeiten kann und diese Berufsunfähigkeit länger als sechs Monate besteht.

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Was leistet eine Arbeits­unfähig­keits­klausel in der BU?

Wer eine Berufs­unfähig­keits­versiche­rung MIT einer Arbeits­unfähig­keits­klausel abgeschlossen hat, profitiert von einem erweiterten Versicherungsschutz, der auch greift, wenn man nur vorübergehend arbeitsunfähig ist. So erhält man hier bereits mit dem „gelben Schein“ vom Arzt die vereinbarte Berufs­unfähig­keits­rente, wenn man länger als 4-6 Monate krankgeschrieben ist.

Ein Beispiel:
Sie erkranken an Pfeifferschem Drüsenfieber, welches einige Komplikationen nach sich zieht, und sind 8 Monate krankgeschrieben. Aufgrund der langen Krankheit benötigen Sie danach noch eine Kur und werden weitere 2 Monate krankgeschrieben. Die gesamte Krankheitszeit beläuft sich also auf 10 Monate. 6 Wochen lang zahlt Ihr Arbeitgeber weiter Ihr Gehalt. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld, welches aber im Allgemeinen nur 70% des letzten Brutto-Gehaltes beträgt.

  • OHNE Arbeits­unfähig­keits­klausel erhalten Sie in diesem Fall keine Leistungen von Ihrer BU, da eine vollständige Genesung zu erwarten ist.
  • MIT Arbeits­unfähig­keits­klausel erhalten Sie nach 4-6 Monaten (je nach Versicherer) die vereinbarte Berufs­unfähig­keits­rente auch rückwirkend für einen festgelegten Zeitraum ausgezahlt.

Alternative zur AU: Kranken­tage­geld­ver­siche­rung

Eine andere Form der Versicherung für den Fall einer längeren aber vorübergehenden Krankheit ist die Kranken­tage­geld­ver­siche­rung. Diese zahlt im Krankheitsfall vorher vereinbarte Beiträge aus, um die Differenz zwischen Gehalt und Krankengeld auszugleichen. Dies ist besonders für Privatversicherte und vor allem für Selbständige sehr wichtig, da diese normalerweise nicht in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und darum gar kein Krankengeld erhalten.

Sofern man bereits eine solche Versicherung abgeschlossen hat, benötigt man in der Regel keine Arbeits­unfähig­keits­klausel in der BU mehr, da man so bereits ausreichend abgesichert ist.


Wie schließt man eine Arbeits­unfähig­keits­versiche­rung ab?

Gesundheitsprüfung absolvieren

Wer sich für den Abschluss einer privaten Arbeits­unfähig­keits­versiche­rung entschließt, muss zunächst einige Gesundheitsfragen des Versicherers beantworten. So kann der Versicherungsanbieter abschätzen, wie hoch das Risiko des Antragstellers ist, arbeitsunfähig zu werden.

Wer in diesem Fall Vorerkrankungen wie Rheuma, Krebs oder psychische Probleme hat, der kann Schwierigkeiten beim Abschluss bekommen. Denn je höher das Risiko für den Versicherer ist, desto niedriger die Chance des Antragstellers auf einen Vertrag. In einigen Fällen kann der Versicherer auch Risikoausschlüsse vornehmen. In diesem Fall kommt dann zwar ein Vertrag zustande, der Versicherte erhält allerdings keine Leistungen, wenn die Arbeitsunfähigkeit durch eine der aufgeführten Krankheiten verursacht wurde.

Bei Vor­erkrankungen: anonyme Voranfrage stellen

Wenn Vorerkrankungen bestehen und sich der Antragsteller nicht sicher ist, ob der Berufs­unfähig­keits­vertrag zustande kommen kann, lohnt sich eine anonyme Voranfrage bei den Versicherern. Auf diese Weise erfährt der Antragsteller, welcher Versicherer ihn trotz der Vorerkrankung aufnehmen würde und läuft nicht Gefahr, in dem Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer gespeichert zu werden. Wer dort einmal eingetragen wurde hat oft Schwierigkeiten, eine neue Versicherung abzuschließen, selbst wenn der relevante Zeitraum (in der Regel 3-5 Jahre) der Vorerkrankung schon verstrichen ist.

Auch Beruf und Hobbys sind beim Abschluss relevant

Nicht nur Vorerkrankungen können sich negativ auf die Abschlusschancen auswirken, auch die Ausübung riskanter Hobbys oder Berufe sind den meisten Versicherern ein Dorn im Auge. Dachdecker beispielsweise, Gerüstbauer, Köche oder auch Krankenschwestern haben oft Schwierigkeiten, ihre Arbeitskraft durch eine private Versicherung abzusichern. Auch Personen, die als Hobbys Extremsportarten wie Bungee-Jumping oder Skispringen ausüben, müssen entweder mit einem finanziellen Zuschlag oder mit einem Ausschluss rechnen.

… mehr zum Thema gefährliche Hobbys und BU

Bei Falschaussagen droht Kündigung

Wichtig beim Vertragsabschluss ist, dass alle Fragen ehrlich beantwortet werden. Denn wenn dem Versicherten im Leistungsfall nachgewiesen werden kann, dass er bei den Fragen zur Gesundheitsprüfung falsche Aussagen gemacht hat, kann es zum Leistungsausschluss und zur Kündigung des Vertrags kommen. Der Versicherte hat dann die Versicherungsbeiträge umsonst bezahlt.


Unsere BU-Experten helfen Ihnen gern

Um die richtige Versicherung zu finden, bietet sich zum einen ein Vergleich der Berufsunfähigkeitsversicherer an. Wenn Sie weitere Unterstützung benötigen, kontaktieren Sie unsere unabhängigen Versicherungsberater. Unsere BU-Experten wissen, worauf es ankommt und beraten Sie gern. Sie erreichen uns unter 030 – 120 82 82 8 oder unter kontakt@transparent-beraten.de. Nutzen Sie auch gern unser kostenfreies Vergleichsformular zur BU.


Was kostet eine Arbeits­unfähig­keits­versiche­rung?

Die Beitragshöhe einer Berufs­unfähig­keits­versiche­rung ist individuell verschieden, denn sie berechnet sich aus unterschiedlichen Faktoren, vorrangig aus

  • dem Alter des zu Versichernden
  • der Laufzeit des Vertrags
  • der Höhe der gewählten Rente
  • der Berufsgruppe
  • und den Vorerkrankungen des Versicherten.

Dass die Berufsgruppe einen besonders hohen Einfluss auf die Höhe des Beitrags hat, zeigt sich durch die folgende Beispielrechnung: Während ein 30-jähriger Kaufmann ohne schwere Vorerkrankungen bei einem renommierten Versicherer monatlich etwa 40 Euro für die Absicherung seiner Arbeitskraft zahlen würde, muss ein gleichaltriger Handwerker mit einer Prämie von etwa 80 Euro im Monat rechnen.

AU-Klausel erhöht den Beitrag

Wenn eine Arbeits­unfähig­keits­klausel als Zusatzbaustein Bestandteil eines BU-Vertrages sein soll, kann dies den Beitrag erhöhen. Es sollte daher genau abgewogen werden, ob die Klausel wirklich benötigt wird, oder ob zum Beispiel eine Krankentagegeldversicherung sinnvoller wäre. Wie im folgenden Beispiel dargestellt, beträgt der Unterschied aber oft nur wenige Euro im Monat.

Beispiel:

  • Geburtsjahr: 1991
  • Schlussalter: 67
  • Nichtraucher
  • Beruf: Sachbearbeiter, 100% Bürotätigkeit
  • keine gefährlichen Hobbys
  • Höhe der Berufsunfähigkeitsrente: 1.500 €
AnbieterMonatsbeitrag – ohne AU*Monatsbeitrag – mit AU*
Dialog Lebensversicherung (professional Vitality)64 €66 €
Die Continentale (PremiumBU)73 €84 €
Zurich (BU26)80 €83 €

*Beträge sind gerundet.

… mehr zum Thema Kosten der BU


Testergebnisse von Arbeits­unfähig­keits­versiche­rungen im Vergleich

Auf der Suche nach einer geeigneten Arbeits­unfähig­keits­versiche­rung können aktuelle Testergebnisse von renommierten Testinstituten dabei helfen, die verschiedenen Tarife zu vergleichen. Im neuesten Test zur Berufs­unfähig­keits­versiche­rung des DFSI (Deutsches Finanz-Service Institut) von 2019 erhalten im Bereich „Angestellte“ beispielsweise die Alte Leipziger, die Basler und Canada Life Bestnoten (Quelle). Beim Test bei ServiceValue, bei dem die Servicequalität bewertet wurde, konnten unter anderem die Gothaer, die Allianz und die Swiss Life überzeugen (Quelle).

… mehr zu Test­ergebnissen zur BU


Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen mit AU-­Klausel

VersichererLeistungszeitraumFestbestandteil oder Option
Allianz18 MonateFestbestandteil
Alte Leipziger24 MonateOption
Condor36 MonateFestbestandteil
Die Continentale18 MonateOption
die Bayerische18 MonateFestbestandteil
Gothaer18 MonateFestbestandteil
HDI24 MonateOption
LV 187118 MonateOption
Nürnberger18 MonateFestbestandteil (Tarif Premium)
Die Stuttgarter18 MonateOption
SwissLife24 MonateOption
Volkswohl Bund18 MonateOption
Zurich18 MonateOption

Unser Service für Sie

Wer sich nicht auf die – teilweise recht unterschiedlich ausfallenden – Testergebnisse verlassen möchte, dem ist durch die Beratung eines Versicherungs­experten geholfen. Gerne können Sie sich zu diesem Thema kostenlos von unseren unabhängigen Versicherungsmaklern beraten lassen. Telefonisch unter 030 – 120 82 82 8 oder per E-Mail unter kontakt@transparent-beraten.de. Gern können Sie auch unser kostenfreies BU-Vergleichsformular nutzen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.12.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Kathrin Dodenhoeft
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