Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbständige

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbständige haben keine oder nur sehr geringe Ansprüche auf gesetzliche Leistungen, wenn sie berufsunfähig werden.
  • Daher steht für sie dann oft sehr viel auf dem Spiel. Eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung (BU) ist für sie eine essenzielle Form der Absicherung.
  • Die BU zahlt eine vorher vereinbarte monatliche Rente und hilft so, den Lebensstandard abzusichern.
  • Selbständige sollten beim Vergleich besonders genau hinschauen und auf bestimmte Klauseln achten.

Ist eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung für Selbständige sinnvoll?

Wer als Gewerbetreibender oder als Freiberufler für seine Kunden da ist, hat häufig kaum Zeit, an Krankheiten oder gar an den Verlust der Arbeitskraft zu denken. Über den Staat sind Selbständige zudem kaum abgesichert. Die gesetzliche Unfallversicherung greift für Selbständige nicht, weshalb sie bei einem Arbeitsunfall oder bei einem Wegeunfall nicht versichert sind. Auch die gesetzliche Erwerbs­minde­rungs­rente erhalten Selbständige nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen – man muss hierfür insgesamt mindestens 5 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert gewesen sein und in den letzten 5 Jahren 3 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Auf viele Selbständige dürfte dies nicht zutreffen, weshalb eine private Absicherung notwendig ist.

Fallbeispiel: Selbständiger mit Depression

Herr A. (49) ist mit einem kleinen Verlag für Musikalien selbständig und verdient im Mittel etwa 2.000 Euro netto im Monat. Als er an einer schweren Depression erkrankt und darum nur noch weniger als 3 Stunden am Tag arbeiten kann, wird ihm vom Arzt Berufsunfähigkeit bescheinigt. Auf die staatliche Erwerbs­minde­rungs­rente hat er keinen Anspruch, da er in den letzten fünf Jahren keine Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt hat. Da er keine private Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung abgeschlossen hatte, muss er Grundsicherung beantragen. Diese sichert allerdings nur das absolute Existenzminimum ab. Zudem wird auf diese staatliche Leistung all sein Erspartes angerechnet, welches damit verloren geht.

Eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung, mit der er eine BU-Rente von 1.500 € bekommen hätte, hätte er für ab ca. 85 Euro im Monat bekommen können.


Was leistet die BU für Selbständige?

Eine private Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung zahlt für den Fall, dass eine mindestens 50%ige Berufsunfähigkeit eingetreten ist, eine monatliche Rente aus. Diese wird bis zum Ablauf der versicherten Zeit oder bis zum Ende der Berufsunfähigkeit gezahlt. Die Höhe kann dabei individuell bestimmt werden.

Dadurch schützt die BU wie nur wenige andere Versicherungen vor dem sozialen Abstieg, wenn durch den Verlust der Arbeitskraft keine Teilnahme am Erwerbsleben mehr möglich ist. Die BU ist damit eine essenzielle Absicherung für alle, die im Fall einer Berufsunfähigkeit nicht alle Ersparnisse oder ihre Lebensversicherung verlieren wollen.

Auf diese Klauseln müssen Sie achten

Selbständige müssen bei Abschluss einer BU einige Dinge beachten, die für Angestellte nicht gelten. Hier ist vor allem die Umorganisationsklausel hervorzuheben. Viele Versicherer halten in ihren Vertragsbedingungen fest, dass bei Selbständigen, die berufsunfähig werden, zunächst geprüft wird, ob eine Umorganisation ihres Arbeitsplatzes möglich ist. Wenn sie nach der Umorganisation weiter arbeiten können, wird keine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt. Diese Umorganisation muss jedoch „zumutbar“ sein. Meist wird sie nur noch dann gefordert, wenn die daraus folgenden Einkommenseinbußen 20% übersteigen würden und/oder die selbständige Person weniger als 5 Angestellte hat.

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Umorganisation in den Vertrags­bedingungen: Ein Beispiel

„Berufsunfähigkeit liegt nicht vor, wenn die versicherte Person Selbstständiger oder Freiberufler ist und nach zumutbarer Umorganisation ihres Betriebs / ihrer Praxis weiterhin als Selbstständiger bzw. Freiberufler tätig ist oder sein könnte. Zumutbar ist eine Umorganisation, wenn sie betrieblich und wirtschaftlich sinnvoll ist und die versicherte Person unter Berücksichtigung ihrer Gesundheitsverhältnisse, Ausbildung und Erfahrung und der bisherigen Lebensstellung weiterhin leitend tätig ist oder sein könnte. Hierbei berücksichtigen wir die Umstände des Einzelfalls und die höchstrichterliche Rechtsprechung. Eine Umorganisation ist nicht zumutbar, wenn sich dadurch das jährliche Einkommen aus beruflicher Tätigkeit um mehr als 20 Prozent gegenüber dem vor Eintritt der Berufsunfähigkeit erzielten durchschnittlichen jährlichen Einkommen der letzten drei Jahre vermindert.“
(Auszug aus den Vertragsbedingungen einer Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung)

Tipp: Wieder­eingliederungs­hilfe

Eine für Selbständige besonders interessante Leistung kann auch die sogenannte „Wiedereingliederungshilfe“ sein. Diese bieten manche Versicherer als Unterstützung für den Übergang von Berufsunfähigkeit in einen neuen Job an.

Auszug aus Vertrags­bedingungen:
„Bei Selbstständigen und Freiberuflern beteiligen wir uns […] an Umgestaltungskosten bei Umorganisation des Betriebs / der Praxis mit einem Betrag in Höhe von bis zu sechs monatlichen Berufsunfähigkeitsrenten, höchstens 15.000 Euro, wenn die konkrete gesundheitliche Beeinträchtigung eine Weiterführung des Betriebs / der Praxis nicht mehr in der bisherigen Art und Weise ermöglicht und die Umgestaltung zu einer Weiterführung des Betriebs / der Praxis beiträgt.“

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Kosten der BU für Selbständige

Eine gute BU-Versicherung hat ihren Preis. Trotzdem müssen Versicherte wissen, dass hohe Preise allein kein Garant für beste Leistungen sind. Vielmehr ist es wichtig, auf die Details des Tarifs zu achten. Wer vor Vertragsabschluss einen Vergleich der Tarife durchführt, hat gute Chancen, einen Tarif mit Top-Leistungen zu einem vertretbaren Preis zu finden.

Kostenbeispiele der BU für Selbständige

Vorgaben

  • Geburtsdatum: 01.06.1980
  • Schlussalter: 67
  • Beruf: Softwareentwickler
Höhe der gewünschten BU-RenteMonatsbeitrag gerundet
1.000 Euro46 Euro
1.200 Euro56 Euro
1.500 Euro75 Euro

… mehr zu den Kosten einer BU


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Was passiert bei Wechsel in die Selbständigkeit?

Wenn man zunächst als Angestellter ins Berufsleben startet, eine BU abschließt, und später eine Selbständigkeit aufnimmt, ändert dies nichts am Vertrag. Bei den meisten Versicherern muss ein Berufswechsel heutzutage nicht mehr gemeldet werden. Von Vorteil ist es, wenn der Versicherer es durch eine Nachversicherungsgarantie ermöglicht, den Versicherungsbeitrag und damit die spätere Berufsunfähigkeitsrente zu erhöhen. Viele bieten dies bei einem Wechsel in die Selbständigkeit an.


BU-Tarife für Selbständige im Test

Auf der Suche nach einem Tarif mit guten Leistungen für wenig Geld ist der Blick auf die aktuellen Testergebnisse zu Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen ratsam. Stiftung Warentest, Öko-Test und die unabhängigen Analysehäuser wie Franke und Bornberg betrachten die BU-Tarife regelmäßig und ermitteln die Testsieger. Wer einen Tarif mit Prädikat in die engere Wahl zieht, darf sicher sein, beste Leistungen für sein Geld zu erhalten.

Solche Tarife zeichnen sich z.B. durch Verzicht auf alle Verweisungen aus. Auch sollten umfangreiche Nachversicherungsgarantien zur Anpassung des Versicherungsschutzes gegeben sein.

Die besten Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen für Selbständige 2020

Die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung steht häufig im Fokus von Testinstituten, denn sie ist eine der wichtigsten Absicherungen – gerade für Selbständige. Da das Berufsbild des Selbständigen jedoch schwer zu umreißen ist, haben sich die Experten des Deutschen Finanz-Service Instituts dazu entschieden, die Tarife für drei selbständig tätige Modellkunden zu bewerten.

BU im Test für drei Modellkunden

  • Fahrlehrer (Alter: 25, BU-Rente: 800 Euro)
  • Finanzberater (Alter: 35, BU-Rente: 2.200 Euro)
  • Rechtsanwalt (Alter: 33, BU-Rente: 1.800 Euro)

Die Tarife wurden jeweils in den Kategorien Beitragshöhe (Gewichtung: 35%), Tarifbedingungen (Gewichtung: 40%) und Bonität des Versicherers (Gewichtung: 25%) benotet.

Ergebnis des BU-Tests 2019

Das Ergebnis des Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungs-Tests zeigt, dass viele sehr gute und hervorragende Tarife zur Verfügung stehen. Nicht alle schneiden jedoch in allen drei Bewertungsbereichen mit Top-Noten ab, sodass Selbständige sich häufig entscheiden müssen, welche Kriterien ihnen am wichtigsten sind.

Im folgenden sind die Tarife aufgeführt, die in der Gesamtwertung mit hervorragenden Ergebnissen abgeschnitten haben.

Die besten Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen für Fahrlehrer:

Die besten Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen für Rechtsanwälte:

Die besten Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen für Finanzberater:

(Quelle)

softfair prüft Leistungen der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen 2019

Mehr als 30 Versicherungen sind im Leistungsrating bei softfair mit ihren Produkten vertreten. Die Ratingagentur zieht als Bewertungsgrundlage stets nur die Versicherungsbedingungen heran. Außerdem wurden die Tarife auch hinsichtlich ihrer Eignung für bestimmte Berufsgruppen überprüft. Selbständige können nach Ansicht der Experten zwischen vielen Tarifen wählen. Fast alle Anbieter haben einen oder mehrere hervorragende BU-Tarife für Selbständige im Angebot (Quelle).

Anbieter mit empfehlenswerten Tarifen

Darüber hinaus können unsere Experten folgende Anbieter besonders empfehlen


Tipps für Selbständige für den BU-Vergleich

  1. Achten Sie beim Vergleich auf die Klausel zur Umorganisation des Arbeitsplatzes oder Betriebs: Ist diese angemessen und möglichst eindeutig formuliert? Darin sollte beispielsweise stehen, dass bei mehr als 20%igem Einkommensverlust oder bei Betrieben mit unter 5 Angestellten keine Umstrukturierung stattfinden muss.
  2. Ist eine Arbeits­unfähig­keits­ver­siche­rung Bestandteil des Vertrages, und wenn ja, besitzen Sie bereits eine Krankentagegeldversicherung? Wenn auch hier die Antwort ja ist, sollten Sie prüfen, ob Sie auf die AU-Klausel verzichten und damit Kosten sparen können.
  3. Kalkulieren Sie Ihre Berufsunfähigkeitsrente so, dass Sie ihre festen monatlichen Kosten davon decken können. Eine BU-Rente unter 1.000 Euro lohnt sich meistens nicht.
  4. Die Versicherungsbedingungen sollten keine Verweisungsklauseln enthalten, anhand derer der Versicherer Sie auf einen anderen Beruf verweisen kann.
  5. Achten Sie auf den Unterschied zwischen Netto- und Bruttobetrag. Diese beiden Beträge sollten nicht zu weit auseinander liegen, damit keine zu starken Beitragserhöhungen auf Sie zukommen können.

Wichtig vor dem Abschluss: Tarifvergleich

Im Vergleich gilt es zu prüfen, ob für den zu versichernden Beruf spezialisierte Versicherer in Frage kommen oder ob man besser einen versierten Allrounder wählt. Auch steht der direkte Vergleich von Preisen und Leistungen im Vordergrund. Den Vergleich der BU-Tarife können Sie im ersten Schritt mit unserem Online-Vergleichsformular durchführen. Alternativ oder anschließend können Sie sich an einen unserer erfahrenen Versicherungsmakler wenden. Unsere Experten sind auf gewerbliche Versicherungskunden spezialisiert und Fachleute für BU-Versicherungen. So können Sie sicher sein, einen ausgewiesenen Experten für die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungs-Beratung anzusprechen, der die besonderen Bedürfnisse Selbständiger genau kennt. Gern können Sie uns täglich von 9 bis 18 Uhr unter 030 – 120 82 82 8 erreichen. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an kontakt@transparent-beraten.de.


Sinnvolle Ergänzungen zur BU-Versicherung für Selbständige

Selbständige müssen ihre Absicherung gegen Berufsunfähigkeit sinnvoll ergänzen, um im Krankheitsfall umfassend abgesichert zu sein. Eine Krankenversicherung mit Krankentagegeld ist ratsam, auch eine private Unfallversicherung ist empfehlenswert. Das Krankentagegeld ersetzt das Einkommen bei längerer Krankheit, es sollte so bemessen sein, dass es einem durchschnittlichen Monatseinkommen entspricht. Selbständige sollten die Zahlung des Krankentagegeldes genau auf die Zahlung einer BU-Rente abstimmen, damit im Krankheitsfall eine lückenlose Absicherung besteht.

Die Arbeits­unfähig­keits­klausel in der BU

Manche Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen beinhalten eine sogenannte Arbeits­unfähig­keits­klausel. Diese bewirkt, dass auch bei längerer, aber vorübergehender Krankschreibung die Berufs­unfähig­keits­rente gezahlt wird. Verfügt man bereits über eine Kranken­tage­geld­ver­siche­rung, kann dies jedoch redundant sein. Informieren Sie sich am besten vor Abschluss einer BU genau, ob Sie diese Klausel wirklich brauchen, und wie sie im Krankheitsfall mit einer Kranken­tage­geld­versiche­rung zusammenwirkt. Hier gilt es besonders aufmerksam zu sein, da viele Kranken­tage­geld­versiche­rungen in ihren Bedingungen stehen haben, dass bei Neuabschluss einer BU mit Anspruch auf Krankentagegeld (welches die AU-Klausel bewirkt) ihre Einwilligung eingeholt werden muss.

Absicherung im Alter

Zum Aufbau der privaten Altersvorsorge ist schließlich die Lebensversicherung eine solide Alternative. Sie kann mit weiteren Bausteinen zum Aufbau von Vermögen ergänzt werden. So sind Selbständige im Krankheitsfall umfassend geschützt und müssen nicht auf vorhandenes Privatvermögen für den Ruhestand zurückgreifen (Alternativen zur Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung).

Dieser Artikel wurde zuletzt am 02.04.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Kathrin Dodenhoeft
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