Berufsunfähigkeitsversicherung Berufswechsel

Berufswechsel sind heutzutage an der Tagesordnung. In den meisten Fällen verändern sich die Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung, wie die Berufsunfähigkeitsrente bei Berufswechsel nicht. Einige Dinge sollten dennoch dabei beachtet werden.

Meldepflicht bei Berufswechsel

Eine Meldepflicht bei oder nach einem Berufswechsel besteht bei den meisten Versicherern heutzutage nicht mehr. Wichtig ist nur, dass der Antragsteller immer den aktuellen Beruf, der bei Versicherungsantritt ausgeübt wird, im Antrag angibt.

Andere Berufe, die früher ausgeübt wurden, interessieren die Versicherer heute in den meisten Fällen nicht mehr.
Sollte es nach einem Berufswechsel aufgrund von Unfällen, Krankheiten oder anderen Ereignissen zu einer Berufsunfähigkeit kommen, zählt der Beruf, der aktuell ausgeübt wird. Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente wurde im Vorfeld vertraglich vereinbart und wird von einem Berufswechsel nicht beeinflusst. Ob eine Meldepflicht besteht, ist vertraglich festgelegt.

Tipp: Verzicht auf Meldepflicht

Achten Sie bei Vertragsabschluss einer BU darauf, dass auf eine Melde-, beziehungsweise Anzeigepflicht bei Berufswechsel verzichtet wird. Gute Verträge zeichnen sich dadurch aus, dass auch bei einem Berufswechsel die vereinbarten Leistungen und Konditionen des Berufsunfähigkeitsschutzes bestehen bleiben. Sollte also zum Beispiel ein Wechsel vom Bürokaufmann zum Bauarbeiter erfolgen, ändert sich weder die Höhe der Beiträge, noch die Berufsunfähigkeitsrente im Fall einer Berufsunfähigkeit. Versicherer, die auf eine Anzeige bestehen und nach einem Berufswechsel höhere Prämien verlangen, sollten vermieden werden.

Einstufung in Gefahrenklassen

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung wird der Antragsteller gleich zu Beginn einer sogenannten Gefahrenklasse zugeteilt, die den Beitragssatz zum Großteil bestimmt. In welche Gefahrenklasse Personen eingestuft werden, hängt von der gewählten Branche, dem Ort und dem Grad der körperlichen Belastung bei Ausübung des Berufs ab. Auch etwaige gefährliche Hobbies wirken sich auf den zu zahlenden Beitrag aus.

Grundsätzlich gibt es eine Unterteilung in drei Gefahrenklassen.

  • Zur Gefahrenklasse A zählen alle kaufmännischen Berufe, die ohne körperliche Anstrengungen ausgelebt werden. Sekretärinnen, Bürokaufleute und Immobilienmakler werden beispielsweise in diese Gefahrenklasse eingeordnet, da Tätigkeiten dieser Berufsgruppen meist sitzend in einem Büro stattfinden. Die Ausübung des Berufs gilt somit als risikoarm.
  • Klasse B umfasst alle Berufe, die mit großer körperlicher Belastung einhergehen. Hier besteht für die Versicherten ein größeres Risiko, innerhalb der Vertragslaufzeit zu erkranken und berufsunfähig zu werden. Dazu zählen unter anderem Handwerker, Laboranten und Mechaniker.
  • In die Gefahrenklasse C werden alle Berufe kategorisiert, die schlichtweg nicht versicherbar sind, da das Risiko berufsunfähig zu werden zu hoch ist. Soldaten und Sprengmeister gehören beispielsweise dazu.

Viele Versicherer spalten diese drei Gefahrenklassen nochmals zusätzlich auf, um für die unterschiedlichen Berufsklassen die Risiken möglichst genau abzuwägen. So beziehen sich manche Versicherungen bei der Einstufung des Berufs auf bis zu acht Gefahrenklassen.
Bei der Definition der einzelnen Gefahrenklassen orientieren sich Versicherer an internen und öffentlichen Studien und Statistiken, zum Beispiel über Behandlungskosten für die einzelnen Berufsgruppen.

Vergleichen lohnt

Jede Berufsunfähigkeitsversicherung definiert die Gefahrenklassen intern selbst. Ein Vergleich der BUs lohnt sich insofern, als dass Sie bei einer BU in eine niedrigere Gefahrenklasse, als bei der anderen BU eingestuft werden könnten und somit auch weniger Beiträge zahlen müssten.

Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung bei Berufswechsel

Theoretisch ändert sich bei einem Berufswechsel nichts, da Sie den Wechsel normalerweise nicht anzeigen müssen.

Auch praktisch profitieren Versicherte nicht davon, einen Berufswechsel innerhalb der gleichen Branche zu melden. Sollte eine Immobilienmaklerin plötzlich den Wunsch verspüren, doch lieber Sekretärin zu werden, bleibt die Gefahrenklasse gleich und die Beiträge ändern sich nicht.

Etwas anders sieht es allerdings aus, wenn von einer risikoreichen Tätigkeit in eine risikoarme Branche gewechselt werden. Hierbei ändert sich die Gefahrenklasse. Dies hat für den Versicherten positive Auswirkungen auf den vertraglich geregelten Beitragssatz, in der Regel wird dieser nämlich gesenkt.

Im Umkehrschluss könnte angenommen werden, dass die Einstufung in eine höhere Gefahrenklasse auch höhere Beiträge nach sich zieht. In den seltensten Fällen kommt es jedoch dazu, da der im Vertrag eingetragene Beruf als Basis dient und es eine Meldepflicht bei Berufswechsel, bei guten und fairen Versicherern, ja nicht mehr gibt.

Gesundheitsprüfung bei Anzeige des Berufswechsels

Sollte der Berufswechsel tatsächlich angezeigt werden, um in eine andere Gefahrenklasse eingestuft zu werden und somit niedrigere Beiträge zu zahlen, muss sich der Versicherte einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen.
Mit einer Gesundheitsprüfung des Antragstellers wird schon vor Vertragsabschluss die Wahrscheinlichkeit analysiert, ob er während der Vertragslaufzeit erkrankt und berufsunfähig wird.
Diese Wahrscheinlichkeit wird bei einem Berufswechsel erneut berechnet.
Der Versicherte erhält einen neuen Versicherungsantrag und muss erneut die dort aufgeführten Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und lückenlos beantworten. Resultierend aus den Antworten auf diese Fragen ergibt sich das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Der Versicherer muss dabei auf die Ehrlichkeit des Antragstellers vertrauen, denn andere Quellen stehen bei der Gesundheitsprüfung nicht zur Verfügung. Dem Versicherer ist jedoch die Möglichkeit gegeben, einen zusätzlichen Arztbericht anzufordern, um das Risiko genauer einschätzen zu können.
Allgemein beziehen sich die Gesundheitsfragen auf den körperlichen und geistigen Zustand des Versicherten.

Die Berufsunfähigkeit ist nicht gleichbedeutend mit der Erwerbsunfähigkeit.

Berufsunfähigkeit = Unfähigkeit, einen bestimmten Beruf auszuführen
Erwerbsunfähigkeit = allgemeine Unfähigkeit, einen Beruf auszuführen

Auf Klauseln achten

Trotz des Wegfalls einer Anzeigepflicht bei einem Berufswechsel kann es vorkommen, dass sich Versicherer im Leistungsfall mitunter an dem vorher ausgeübten Beruf orientieren. Das bedeutet, dass der Versicherte aufgefordert wird, einen vergleichbaren Beruf, wie den vorherigen auszuführen. Man spricht dabei von einer abstrakten Verweisung. Die Versicherung versucht sich dadurch der Leistungspflicht zu entziehen. Dieser Fall kann eintreten, wenn der Berufswechsel erst kürzlich stattfand. Ein Blick in Ihren Vertrag hilft Ihnen, eine solche Klausel zu finden.
Faire Versicherer verzichten jedoch von vornherein auf solcherlei Klauseln.

Es gibt jedoch auch Klauseln, die dem Versicherten im Leistungsfall zugutekommen. Besagte Klauseln legen vertraglich direkt fest, dass sich die Versicherung bei einer Berufsunfähigkeit wirklich nur auf den Beruf bezieht, der in der Berufsklausel festgehalten wird. Dazu muss in der Klausel auf Spezifikationen des Berufes eingegangen werden. Außerdem muss der Beruf einer definierten Berufsgruppe zugeordnet werden können.