Erwerbsminderungsrente

Berufsunfähigkeitsversicherung ErwerbsminderungsrenteJährlich stellen etwa 400.000 Versicherte einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Die Voraussetzungen, die ein Antragsteller erfüllen muss, um eine solche Rente zu erhalten, regelt der Paragraf 43 des Sechsten Sozialgesetzbuches (SGB VI).

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Die Grundvoraussetzung ist natürlich das Vorliegen einer teilweisen oder vollen Erwerbsminderung.

Regelaltersgrenze

Zunächst darf die Regelaltersgrenze noch nicht vollendet bzw. überschritten worden sein, d.h. Antragssteller dürfen das 65. bzw. 67. Lebensjahr noch nicht erreicht haben.

Versicherungsrechtliche Voraussetzung

Ebenso wichtig ist die sogenannte 3/5-Regelung. Die besagt, dass in den fünf Jahren vor dem Eintritt in die Erwerbsminderung die Zahlung der Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung über einen Zeitraum von 36 Monaten, also drei Jahre, nachzuweisen ist. Die Anwendung dieser Regelung entfällt jedoch, wenn die Erwerbsminderung komplett oder zum Teil durch einen Arbeitsunfall o.Ä. verursacht wird oder die volle Erwerbsminderung innerhalb von sechs Jahren nach der Beendigung einer Ausbildung entsteht.

Wartezeit

Eine weitere Voraussetzung stellt die Erfüllung der allgemeinen Wartezeit von fünf Jahren vor Beginn der Erwerbsminderung dar. Diese entspricht der Mindestversicherungszeit für den Rentenanspruch. Antragssteller müssen also mindestens fünf Jahre versichert sein, bevor sie die Leistung beantragen können. Angerechnet werden sowohl Zeiten, in den Beiträge gezahlt wurden, egal ob Pflicht- oder freiwillige Beiträge (z.B. in Kindererziehungszeiten), als auch Ersatzzeiten (z.B. während ein militärischer oder militärähnlicher Dienst geleistet wurde). Wird die Wartezeit nicht erfüllt, z.B. bei von Geburt an behinderten Versicherten, müssen mindestens 20 Jahre mit Beitragszeiten (auch freiwillige Versicherung) oder Ersatzzeiten nachgewiesen werden, um Anspruch auf die Rente zu erhalten.

Neuerungen ab 1. Juli 2014

Versicherte, deren Erwerbsminderung erstmals ab 1. Juli 2014 eintrat, werden künftig besser abgesichert. So wurde sowohl die sogenannte Zurechnungszeit um zwei Jahre angehoben, als auch die Berechnungsgrundlage der Rentenhöhe verbessert.

Zurechnungszeit

Die Zurechnungszeit besagt, dass die Erwerbsminderungsrente so berechnet wird, als hätte der Betroffene bis zum vollendeten 62. Lebensjahr gearbeitet. Dabei spiel es keine Rolle, in welchem Alter die Erwerbsminderung tatsächlich begann. (Vor dem 1. Juli 2014 galt, dass die Erwerbsminderungsrente berechnet wurde, als hätte der Betroffene nur bis zum 60. Lebensjahr gearbeitet.)

Durchschnittseinkommen

Für die Höhe der Erwerbsminderungsrente spielt das durchschnittliche Einkommen eine entscheidende Rolle. Hier wurden bisher das Durchschnittseinkommen anhand aller Jahre der erwerbstätigekit ein Berechnungsgrundlage genommen.

Ab dem 1. Juli 2014 besteht die Möglichkeit, die letzten vier Jahre aus dieser Berechnung rauszulassen, wenn dies finanziell günstiger für den Betroffenen ist. Diese Neuerung wurde vorgenommen, da häufig bereits vor Eintritt der Erwerbsminderung schon Einschränkungen bestanden, die zu Einkommenseinbußen führten, z. B. aufgrund von Arbeitszeitverkürzungen.


Wer hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente?

Eine Erwerbsminderungsrente erhalten diejenigen, die voll oder teilweise erwerbungsgemindert sind. Die (Rest-)Leistungsfähigkeit und ob eine Erwerbstätigkeit ausgeführt werden kann, stellt der Arzt fest. Eine vom Arzt diagnostizierte Arbeitsunfähigkeit und die Anerkennung einer Schwerbehinderung durch das Versorgungsamt sind jedoch irrelevant. Entscheidend ist, ob das Restleistungsvermögen die Ausübung einer Berufstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zulässt.

Ausschließlich Rentenversicherungsträger befinden darüber, wann eine Erwerbsminderung im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung vorliegt. Dazu kann die Begutachtung durch den Sozialmedizinischen Dienst (die ärztlichen Dienste der Rentenversicherungsträger) oder das Vorlegen anderer Gutachten verlangt werden. Welche medizinischen Dokumente nach Antragsstellung eingereicht werden müssen, entscheidet der Sozialmedizinische Dienst. Zum größten Teil werden Gutachten unabhängiger Experten angefordert. Um die Unbefangenheit der Fachleute sicherzustellen, stehen dem Antragsteller drei Gutachter zur Auswahl. Erst wenn alle Unterlagen vorliegen, kommt es zur Auswertung durch den Sozialmedizinischen Dienst. Dieser kann jetzt auch Rehabilitationsmaßnahmen vorschlagen.

Ein Tipp von Versicherungsmaklerin und BU-Expertin Katharina Krech

Erwerbsminderungsrente für Selbständige?

Selbständige können einen Antrag auf Pflichtversicherung stellen. Dann müssen sie trotz ihrer Selbständigkeit Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Vorteil besteht darin, dass sie dadurch Anspruch auf Alters- und Erwerbsminderungsrente erhalten.

Wie erfolgt die Einstufung der Erwerbsfähigkeit?

Die Erwerbsfähigkeit wird mit Blick auf eine Tätigkeit unter üblichen Bedingungen und eine 5-Tage-Woche beurteilt. Voll erwerbsfähig ist, wer sechs Stunden und darüber hinaus arbeiten kann. Bei einer möglichen Arbeitszeit von drei bis sechs Stunden spricht man von einer teilweisen Erwerbsminderung. Wer aufgrund von Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden arbeiten kann, gilt als erwerbsunfähig.

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Wann kommt es zu Rentenkürzungen?

Kommt es zu einer vorzeitigen Inanspruchnahme der Erwerbsminderungsrente, werden seit 01.01.2001 Abschläge berechnet. Tritt die Erwerbsminderung demnach vor dem 63. Lebensjahr ein, wird die Rente um bis zu 10,8 Prozent gekürzt. Seit 2012 müssen auch all jene, die weniger als 35 Beitragsjahre nachweisen können, Abschlagszahlungen hinnehmen, wenn die Erwerbsminderung vor dem 65. Lebensjahr eintritt. Diese Anpassung erfolgte aufgrund der Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre.

Ein Rechenbeispiel: Wie viel Erwerbsminderungsrente würden Sie erhalten?

Sie sind:

  • verheiratet,
  • 40 Jahre alt
  • und beziehen ein monatliches Brutto-Einkommen von 1.800 Euro

Die Berechnung ergibt, dass Sie bei voller Erwerbsminderung eine gesetzliche Rente in Höhe von:

  • 519 Euro

erhalten. Damit entsteht bei Berufsunfähigkeit, wenn man von einem Netto-Verdienst von etwa 1.431 Euro ausgeht, eine finanzielle Lücke von:

  • 912 Euro

Diese Lücke sollte mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung geschlossen werden.

Wie lange wird die Erwerbsminderungsrente gezahlt?

Die Erwerbsminderungsrente wird grundsätzlich nur über einen Zeitraum von maximal drei Jahren gezahlt. Eine Verlängerung ist im Falle der Weitergewährung zwar möglich, muss aber neu beantragt werden. Nach einer Frist von neun Jahren wird davon ausgegangen, dass die Erwerbsminderung nicht mehr behoben werden kann. Es folgt der Eintritt in die Dauerrente. Ausnahmen bestehen bei Renten, die aufgrund einer spezifischen Arbeitsmarktlage gezahlt werden, d.h. wenn Versicherte also eigentlich nur zum Teil erwerbsgemindert sind, aber aufgrund von Arbeitslosigkeit eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten. In diesem Fall verlängert sich die auf neun Jahre beschränkte Frist um weitere drei Jahre.

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Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Die Erwerbsminderungsrente löst die gesetzliche Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrente ab, die nur Personen erhalten, die vor dem 03.01.1961 geboren wurden. Damit zieht sich der Gesetzgeber aus dem Berufsschutz zurück. Das Ergebnis ist, dass es im Bedarfsfall deutlich schwieriger ist, eine volle Rente wegen Erwerbsminderung zu erhalten. Hinzu kommt, dass in den meisten Fällen eine immense Einkommenslücke entsteht, da die Höhe der gesetzlichen Erwerbsminderungsrenten deutlich abgesenkt wurde. Damit hat der Gesetzgeber die Verantwortung dafür, eine ausreichende Absicherung gegen Berufsunfähigkeit sicherzustellen, auf den Verbraucher übertragen.

Werden Sie aktiv!

Sichern Sie sich ab und sorgen Sie dafür, dass im Bedarfsfall keine Versorgungslücke entsteht. Vergleichen Sie die verschiedenen Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen. Es gibt viele sehr gute Versicherungen, die von den unterschiedlichen Testinstituten bewertet und ausgezeichnet wurden. Welcher Tarif der beste für Sie ist, muss in einer individuellen Analyse ermittelt werden.