Berufsunfähigkeitsversicherung Gesundheitsprüfung

Die Gesundheitsprüfung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Immer wieder werden Leistungen aus einer BU-Rente abgelehnt, weil der Versicherer eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht geltend macht. Sprich: Die Versicherung wirft dem Versicherten vor, unvollständige oder falsche Angaben gemacht zu haben. Solche Fälle werden dann vor Gericht entschieden. Was also hat es mit der Gesundheitsprüfung auf sich?

Die Gesundheitsprüfung bewertet das Versicherungsrisiko

Berufsunfähigkeitsversicherung GesundheitsprüfungIn der Berufsunfähigkeitsversicherung (Berufsunfähigkeitsversicherung im Test) ist der Versicherungsfall als Verlust der Arbeitskraft definiert . Dieser Verlust kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Tritt der Versicherungsfall ein und kann der Versicherte seinem Beruf nicht mehr nachgehen, ist die Versicherung zur Zahlung der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente verpflichtet. Mit Hilfe der Gesundheitsprüfung analysiert der Versicherer, wie hoch die Gefahr ist, dass der Versicherte während der Vertragslaufzeit erkrankt und nicht mehr arbeiten kann.

Eine Prüfung auf Basis von Kundenangaben

Die Gesundheitsprüfung wird anhand der Kundenangaben im Versicherungsantrag durchgeführt. Dort sind die sogenannten Gesundheitsfragen aufgeführt, welche der Antragsteller vollständig und wahrheitsgemäß beantworten muss. Der Versicherer kann sein Risiko, dass der Versicherungsfall eintritt, allein auf der Basis der Angaben des Antragstellers prüfen. Weitere Quellen stehen ihm nicht zur Verfügung. Bei Bedarf und zu seiner Absicherung kann er einen zusätzlichen Arztbericht anfordern, um eine genauere Einschätzung zu erhalten.

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Mit diesen Gesundheitsfragen muss man rechnen

Die Gesundheitsfragen sollen der Versicherung zu einer soliden Einschätzung des gesundheitlichen Zustands des Antragstellers verhelfen. Deshalb wird sich der Versicherer einen umfassenden Überblick über das Befinden seines potenziellen Kunden verschaffen. Insbesondere stehen Vorerkrankungen im Mittelpunkt, die ein erhöhtes Risiko des Arbeitskraftverlustes mit sich bringen können. Darunter fallen unter anderem Tumorerkrankungen, Herzinfarkt, psychische Erkrankungen, Schlaganfall oder Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparats.

Die Festlegung des Betrachtungszeitraums

Von großer Bedeutung ist der Betrachtungszeitraum, den der Versicherer vorgibt. In der Regel wird ein Zeitraum von fünf bis zehn Jahren festgelegt, für den der Antragsteller Rechenschaft über seinen Gesundheitszustand abgeben muss. Dieser Betrachtungszeitraum kann je nach Versicherer unterschiedlich bemessen sein. Wer mit Vorerkrankungen belastet ist, kann versuchen eine BU-Versicherung zu finden, die recht kurze Zeiträume bei der Gesundheitsprüfung verlangt.

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Die Konsequenzen aus einer Gesundheitsprüfung

Zeigt die Prüfung des Gesundheitszustands, dass Risikofaktoren bestehen, kann der Versicherer daraus unterschiedliche Konsequenzen ableiten. Im schlimmsten Fall wird er den Antrag auf Abschluss eines Versicherungsvertrags ablehnen, wenn ihm das Risiko zu hoch erscheint. Weitaus häufiger sind Zuschläge auf den Beitrag, der die Versicherungsprämie steigen lässt. Alternativ können einzelne Erkrankungen als Ursache für eine Berufsunfähigkeit von der Leistung ausgeschlossen werden. Der Versicherungsschutz greift dann nicht, wenn der Versicherte durch eine der ausgeschlossenen Krankheiten berufsunfähig wird.

Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Das wichtigste bei der BU-Gesundheitsprüfung ist natürlich, die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Denn die Versicherung kann nachprüfen, ob die Angaben des Antragstellers stimmen. Wenn Angaben unterschlagen wurden, kann dies zu einer Leistungsverweigerung im Falle einer eingetretenen Berufsunfähigkeit führen. Wenn im Antrag nach allen Krankheiten, Störungen und Beschwerden gefragt wird, müssen auch diejenigen Beschwerden genannt werden, die nicht von einem Arzt diagnostiziert oder behandelt wurden. Wenn nur nach den ärztlich behandelten Leiden gefragt wird, müssen die Krankheiten, bei denen der Kunde nicht beim Arzt war hingegen nicht angeben werden.

Auf Begriffsbestimmungen achten

Bei der BU-Gesundheitsprüfung gibt es verschiedene und für den Antragsteller meist verwirrende Formulierungen. Um die Gesundheitsfragen korrekt beantworten zu können, muss sich der Antragsteller bewusst sein, was die Begriffe im einzelnen bedeuten. Die wichtigsten Begriffe der Gesundheitsprüfung in der Definition (nach Kai-Jochen Neuhaus):

Krankheit

Gesundheitszustand, der von dem normalen ernsthaft abweicht und behandlungsbedürftig war oder ist und regelmäßig auch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt.

Störungen

Gesundheitliche Beeinträchtigung, die noch nicht die Schwere oder Intensität einer Krankheit aufweist, die aber nicht offenkundig belanglos ist oder alsbald vergeht, auch wenn die Ursache ungeklärt sein sollte.

Beispiel: Versteifungen, Verkrümmungen, irreparable Bandscheibenschädigungen, Unfallfolgen

Beschwerden

Körperliche oder psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen, die den Betroffenen in seinem Wohlbefinden beeinträchtigen, ohne notwendigerweise selbst schon Krankheitswert zu haben oder die Arbeitsfähigkeit zu beeinflussen.

Beispiel: Hexenschuss, häufiges schwere Sodbrennen, Reizungen des Ischiasnervs

Der Bereich „Beschwerden“ führt oft zu Problemen im Antrag, da sie falsch interpretiert werden. Denn selbst, wenn der Antragsteller nicht beim Arzt war und es dementsprechend keine Diagnose gibt, gibt es Beschwerden, die trotzdem bei der Gesundheitsprüfung angegeben werden müssen. Über die Relevanz der Beschwerden muss dann der Versicherer entscheiden.

Bagatelle, Bagatellerkrankungen und Befindlichkeitsstörungen:

Dies sind Krankheiten, Störungen oder Beschwerden, die fast alle Menschen von Zeit zu Zeit befallen aber nach aller Lebenserfahrung nicht von langer Dauer sind und folgenlos bleiben, wie zum Beispiel eine Erkältung (grippaler Infekt) – nicht Grippe, das ist eine ernsthafte Erkrankung!

Ein Tipp von Versicherungsmaklerin und BU-Expertin Katharina Krech

Wer bereits weiß, dass er Vorerkrankungen hat, sollte die Möglichkeit eine anonymen Voranfrage nutzen. Das bedeutet, dass ein Versicherungsmakler im Auftrag des Kunden bei mehreren Versicherern Anfragen stellt.
Der Vorteil für Verbraucher: Es wird zunächst anonym geprüft, ob und zu welchen Bedingungen ein BU-Schutz möglich ist. So muss niemand befürchten, auf die „schwarze Liste“ eines Versicherers gesetzt und automatisch abgelehnt zu werden.

Die Folgen von Falschaussagen

Eine Gesundheitsprüfung ist unbedingt vollständig und wahrheitsgetreu zu beantworten. Kommt der Versicherte dieser Verpflichtung nicht nach und tritt der Versicherungsfall ein, wird der Versicherer seine Leistungspflicht genau prüfen. Er kann dann die Einrede der vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung geltend machen. Dann steht ihm das Recht einer außerordentlichen Vertragskündigung zu, außerdem wird er die Zahlung der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente verweigern.Berufsunfaehigkeitsversicherung Gesundheitspruefung

Gerichtsurteil zur vorvertraglichen Anzeigepflicht

Dass es als Versicherungsnehmer wichtig ist, nicht selbst zu entscheiden, was eine Bagatellerkrankung ist und was nicht, zeigt auch der Fall vom September 2013, mit dem sich erst das Landgericht Hildesheim und dann das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 8 U 50/13) beschäftigten. Mehr Informationen zur Klagequote in der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es hier. 

Falsche Angaben bei Vertragsabschluss

Ein BU-Versicherter hatte bei Vertragsabschluss angegeben, in den letzten zehn Jahren keine Störungen, Beschwerden oder Krankheiten gehabt zu haben. Daraufhin kam die BU zustande. 2011 erkrankte der Versicherte so schwer an einer beidseitigen Lungenembolie und an einer Beinvenenthrombose, dass er nicht mehr in der Lage war, seinen Beruf auszuüben. Die Versicherung verweigerte jedoch die Auszahlung der BU-Rente, da sie behauptete, dass bei der Gesundheitsprüfung eine arglistige Täuschung von Seiten des Versicherungsnehmers vorgenommen wurde. Der Versicherte erhob daraufhin Klage beim Landgericht Hildesheim.

Arglistige Täuschung führt zu Verlust des Versicherungsschutzes

Der Versicherte war noch zwei Monate vor Vertragsabschluss in ärztlicher Behandlung, wegen Bronchitis und Reizhusten, Tinnitus, Gesichtsschmerz, Ohrenschmerzen und einer Verminderung der Hörfähigkeit. Die Versicherung erklärte, dass ein Vertrag nicht zustande gekommen wäre, wenn ihr bekannt gewesen wäre, dass diese Krankheiten kurz vor der Antragstellung vorlagen. Aufgrund dessen trat der Versicherer vom Vertrag zurück, der Vertrag wurde rückwirkend zum Beginn des Versicherungszeitraums für nichtig erklärt.

Entscheidung des Gerichts

„Die Nichtangabe einer zwei Monate vor Antragstellung bestehenden Behandlung wegen Sinubronchitis und eines Reizhustens ist arglistig. Gedankenlosigkeit, kopfloses Vergessen oder eine Fehlbeurteilung kommen auf Grund des zeitlichen Zusammenhangs nicht in Betracht. Die Nichtangabe ist nicht plausibel erklärt, wenn der Versicherungsnehmer angibt, er selbst habe die verschwiegenen Umstände nicht als Krankheit interpretiert und daher nicht als angabewürdig betrachtet. Bloße Bagatellisierungstendenzen stellen keine nachvollziehbare Erklärung dar.“

So besteht man die Gesundheitsprüfung

Antragsteller, die sich bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen unsicher sind, können sich von einem Makler unterstützen lassen. Auch der Hausarzt oder ein behandelnder Facharzt ist behilflich, wenn es um die Anzeige zurückliegender Erkrankungen geht. Wer alle Fragen wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet, muss sich keine großen Sorgen um die spätere mögliche Leistungserbringung des Versicherers machen.