Hinweis- und Informationssystem der Versicherer (HIS)

Das Hinweis- und Informationssystem HIS ist eine von den Versicherern gemeinsam genutzte Datenbank, auf der sensible Vertragsdaten der Versicherungsnehmer gespeichert werden. Hier finden sich unter anderem Angaben über verdächtige Schadensfälle sowie über gekündigte und abgelehnte Verträge. Auch auffällige, fehlerhafte, unvollständige oder betrügerische Angaben von Versicherten werden im HIS abgelegt.

Versicherungsnehmern ist diese „Schwarze Liste der Versicherungen“ oft nicht bekannt. Dabei können sich Eintragungen im HIS auf die Antragsbearbeitung von Neukunden auswirken oder der Grund sein, warum eine Versicherung die Leistung verweigert.

Kritik der Datenschützer

Hinweis- und Informationssystem der Versicherer HISMit Hilfe dieser Datenbank könnten theoretisch auch Krankheitsgeschichten der Kunden eingesehen werden. Diese Möglichkeit, sowie der Umstand, dass die Kunden meist weder von dem Datenaustausch wussten, noch die Weitergabe und Speicherung der Daten unterbinden konnten, war für die Datenschützer nicht tragbar.
Seit März 2009 besteht nun immerhin die Möglichkeit, Auskunft zu erhalten, ob und welche Daten gespeichert wurden. Außerdem können Betroffene verlangen, dass fehlerhafte Einträge unverzüglich gelöscht werden und nicht, wie früher üblich, erst nach der allgemeinen Speicherdauer von fünf Jahren.

Kritik vom Bund der Versicherten

Laut Aussage eines GDV-Mitarbeiters (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) soll das HIS dazu beitragen Betrugsfälle zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Denn jährlich entsteht den Versicherungen ein Schaden von vier Milliarden Euro.
Der Bund der Versicherten sieht allerdings die Gefahr, dass Versicherte, bei denen eine echte Häufung von Schadensfällen auftritt, Probleme beim Abschluss von Versicherungen bekommen könnten.

Welche Daten werden im HIS gespeichert?

Bis auf die private Krankenversicherung sind alle Versicherungen an der Datenbank beteiligt. Die Versicherungen lassen die Daten der Kunden eintragen, wenn die Schadensfälle besonders hoch sind, es zu einer Häufung von Schäden kommt oder der Versicherer einen Betrug vermutet.
Vorerkrankungen und die Ausübung gefährlicher Berufe (Berufe, die ein hohes versicherungstechnisches Risiko bedeuten) sind zum Beispiel typische Daten, die von Berufsunfähigkeitsversicherungen an des HIS gemeldet werden.

Anspruch auf Selbstauskunft erweitert

Seit dem 1. April 2011 muss der Betroffene aktiv vom Versicherer informiert werden, wenn Daten über ihn im HIS registriert werden. Darüber hinaus wurde der Anspruch aus Selbstauskunft ausgebaut. Die Kunden haben nun nicht mehr nur das Recht, Auskunft über sie betreffende Daten zu erhalten. Sie bekommen seit April 2011 auf Verlangen auch dieselben Informationen wie anfragende Versicherer. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Kunden ihre Anfragen aus Datenschutzgründen postalisch einreichen müssen, wohingegen Versicherer einen Online-Zugang haben.

Aufbau und Inhalt des HIS

Die Datenbank enthielt bereits 2011 mehr als vier Millionen Einträge zu Personen. Die im HIS gespeicherten Informationen erstrecken sich über alle Versicherungssparten hinweg – mit Ausnahme der privaten Krankenversicherung. Die Informationen sind allerdings so abgespeichert, dass kein Gesamtprofil des Kunden erstellt werden kann.
Die Datenbank wird von einer externen Auskunftei verwaltet, die auch die eingehenden Anfragen bearbeitet: informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH (IIRFP), Abteilung Datenschutz, Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden.

Die Selbstauskunft wird laut IIRFP nur dann erteilt, wenn folgende Angaben in schriftlicher Form vorliegen: Nachname und ggf. Geburtsname, Vorname(n), Geburtsdatum, aktuelle Anschrift (keine Postfachanschrift) und Voranschriften der letzten 6 Monate. Außerdem muss eine aktuelle Ausweiskopie beigelegt werden.

Pro Jahr steht laut Bundesdatenschutzgesetz jeder Person eine kostenlose Selbstauskunft zu. Für weitere Selbstauskünfte steht es der Auskunftei frei, ein Entgelt zu verlangen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des unter IIRFP.

HIS-Meldungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Beispiel Krankheit oder risikoreicher Beruf

Für Versicherer der Sparte Berufsunfähigkeitsversicherung sind vor allem Eckdaten, die den Gesundheitszustand und andere besondere Risiken (z. B. gefährliche Hobbies, Beruf) des Kunden betreffen, entscheidend. Besteht bei einem Antragsteller, durch eine Krankheit oder die Ausübung eines, als besonders gefährlich eingestuften Berufes, Grund für die Erhebung eines höheren Versicherungsbeitrags, wird der Versicherer die Kundendaten höchstwahrscheinlich an das HIS melden. Laut IIRFP wird in diesem Fall nur die Person vermerkt, nicht jedoch die Krankheit oder der Beruf. Die Eintragung zeigt anderen Versicherern, dass ein Grund für eine besondere Tarifeinstufung vorliegt. Dadurch soll verhindert werden, dass wichtige Risikofaktoren unberücksichtigt bleiben, ob durch Vergessen oder Verschweigen durch den Antragsteller.

Beispiel Überversicherung

Eine Überversicherung liegt vor, wenn ein Kunde mit einem monatlichen Einkommen von 2000 Euro zwei Berufsunfähigkeitsversicherungen abschließen möchte, deren BU-Rente zusammengerechnet über dem derzeitigen Einkommen von 2000 Euro liegen würde. Ist dies der Fall, wird dem Versicherungsnehmer unterstellt, ein verringertes Interesse daran zu haben, den Eintritt des Versicherungsfalls zu verhindern.

Versicherungsanfragen nur mit Berater

Wenn Sie sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung interessieren, jedoch einem risikoreichen Beruf nachgehen oder gewisse Vorerkrankungen haben, sollten Sie sich unbedingt an unseren Versicherungsmakler wenden. Er wird gemeinsam mit Ihnen besprechen, welche BU für sie die passende ist und kann gleichzeitig mehrere anonyme Anfragen an die unterschiedlichen Versicherungsunternehmen stellen, ohne dass Sie Gefahr laufen, dass Ihre Daten im HIS landen und der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung erschwert wird.
Fordern Sie hier Ihren persönlichen BU-Vergleich an!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.11.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Leon Knigge
mehr erfahren