Was tun bei Berufsunfähigkeit durch Alkoholmissbrauch?

Berufsunfähig durch AlkoholImmer mehr Deutsche trinken Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen, die Zahl der Alkoholabhängigen steigt. Dieses hat Einfluss auf die Anzahl der suchtbedingten Fehltage. Der Alkoholmissbrauch durch Arbeitnehmer ist damit ein Faktor für die gesamte Wirtschaftsleitung.

Die Betroffenen fallen nicht nur kurzfristig aus, sondern werden mitunter auch länger- und langfristig berufsunfähig. Wer als Betroffener eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, sollte prüfen, ob die Police das Risiko „Berufsunfähigkeit durch Alkoholmissbrauch“ überhaupt abdeckt.

Wenn Sie Hilfe bei der Beantwortung dieser Frage benötigen, können Sie sich auch per E-Mail oder telefonisch an unsere Versicherungsexperten wenden. Die Kontaktdaten finden Sie zum Beispiel ganz oben auf dieser Seite.

Arbeitsunfähigkeit durch Alkohol nimmt zu

Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage ist laut dem „Fehlzeitenreport 2013“ durch den Konsum von Suchtmitteln wie beispielsweise Alkohol und Nikotin um 17 Prozent angestiegen. Die Fehltage-Zeiten sind von 2,07 Millionen im Jahr 2007 auf 2,42 Millionen im Jahr 2012 angestiegen. Das ist nicht nur von Nachteil für die Gesundheit der Konsumierenden, sondern auch für die Wirtschaft. „Allein die Kosten von Alkohol- und Tabaksucht belasten die deutsche Wirtschaft jährlich mit etwa 60,25 Milliarden Euro“, so AOK-Vorstand Uwe Deh. Auch die TK berichtet von erhöhten Zahlen in Bezug auf Fehltage durch Alkoholmissbrauch: 1,8 Millionen Fehltage verzeichnete die Krankenkasse im Jahr 2012 aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum.

Alkoholkonsum in Deutschland

9,5 Millionen Menschen in Deutschland nehmen Alkohol in gesundheitlich bedenklicher Form zu sich. Etwa 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig. Davon machen nur etwa 10 Prozent eine Therapie. Jährlich sterben 74.000 Deutsche an den direkten und indirekten Folgen von Alkoholmissbrauch. Besonders gefährdet sind dabei Jugendliche, die Rauschtrinken betreiben. 14 Prozent aller Jugendlichen trinken sich in Deutschland einmal im Monat in einen Rausch. 

Berufsunfähigkeit durch Alkohol

Alkohol und psychische Probleme sind eine häufige Ursache für Berufsunfähigkeit. Oft gehen mit einem übermäßigen Alkoholkonsum auch psychische Probleme einher, einige typische sind

  • Alkohol-Psychose
  • Entzugssyndrom mit oder ohne Alkoholdelir
  • Affektive und Angsstörungen
  • Alkoholbedingte Wesensveränderung

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Leistet die BU bei alkoholbedingter Berufsunfähigkeit?

Alkoholismus und Depressionen (Berufsunfähigkeit und Depressionen) sind bei den Versicherern sehr heikle Themen in Bezug auf die Leistung bei Berufsunfähigkeit. Bei diesen beiden Krankheitsbildern prüft die Versicherung sehr genau, ob schon eine Vorerkrankung bestanden hat und welche Aussagen der Versicherte in den Gesundheitsfragen getroffen hat. Generell gilt jedoch, dass als Krankheit im Sinne der Berufsunfähigkeitsversicherung jeder körperliche oder geistige Zustand gilt, der vom normalen Zustand so stark abweicht, dass er eine Berufsunfähigkeit auslöst. Dazu zählen auch Krankheitserscheinungen, die durch übermäßigen Alkoholkonsum hervorgerufen werden. Wenn sich der Alkoholismus erst nach dem Abschluss des Vertrags entwickelte, zahlt die Versicherung in der Regel. Einen Überblick über die Berufsunfähigkeitsversicherung und aktuelle Testergebnisse gibt es hier.

Keine Leistung bei alkoholbedingtem Verkehrsunfall

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt zwar in einigen Fällen von alkoholbedingter Krankheit oder bei einem Unfall, allerdings nicht, solange es sich um einen Verkehrsunfall handelt, der unter Alkoholeinfluss entstanden ist. Viele Anbieter sichern sich in diesen Fällen sogar ab und erwähnen in den Vertragsbedingungen explizit den Leistungsausschluss bei Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss, wie das folgende Beispiel einer Versicherung zeigt:

„3.1 Wir sind von der Verpflichtung zur Leistung frei, wenn die Berufsunfähigkeit verursacht wurde
(…)
c) durch vorsätzliche Ausführung oder den strafbaren Versuch eines Verbrechens oder Vergehens durch die versicherte Person; Vergehen im Straßenverkehr, bei denen bei der versicherten Person eine Blutalkoholkonzentration von unter 1,1 Promille festgestellt wurde, sowie fahrlässige Verstöße sind von diesem Ausschluss nicht betroffen[…]“

Alkoholkonsum in den Gesundheitsfragen angeben

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist es üblich, dass in der Gesundheitsprüfung gefragt wird, ob und wie viel Alkohol der Versicherte trinkt. Folgendermaßen sieht eine typische Gesundheitsfrage der Berufsunfähigkeitsversicherung aus:

„Werden Sie derzeit oder wurden Sie innerhalb der letzten 5 Jahre wegen der Folgen des Konsums von Alkohol, Betäubungsmitteln oder Drogen beraten oder behandelt?“

Wer in diesem Zusammenhang falsche oder unzureichende Angaben macht, dem droht im schlimmsten Fall der Leistungsausschluss aufgrund einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht.

Können Alkoholkranke eine BU abschließen?

Wer bei dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung Alkoholkrank, oder erst seit kurzer Zeit trockener Alkoholiker ist, der hat wenig Chancen, dass ein Vertrag zustande kommt. Da Alkoholmissbrauch sowohl schwere physische als auch psychische Schäden hervorrufen kann, ist den meisten Versicherern der Vertragsabschluss in diesem Fall zu riskant.

Gerichtsurteile zu Alkoholkonsum und Berufsunfähigkeit

Das LSG Schleswig-Holstein hat in einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2001(AZ: L7RJ 15/00) ausgeführt, dass es sich bei den Folgen von Alkoholmissbrauch nicht um eine absichtlich herbeigeführte Erkrankung handelt. Stattdessen sind Krankheiten durch Alkohol- oder auch Nikotinkonsum lediglich die Folgen desselbigen. Der Versicherte kann nicht für die Folgen des Genusses zur Rechenschaft gezogen werden, die Inkaufnahme der selbigen bedeutet keine absichtliche Minderung wie sie in § 103 SGB VI aufgeführt wird.

Wann wird Alkoholkonsum gefährlich?

Risikoarmer Konsum: Frauen bis 12 g / Männer bis 24 g

Riskanter Konsum: Frauen mehr als 12 g bis 40 g/ Männer mehr als 24 g bis 60 g

Hochkonsum: Frauen mehr als 80 g/ Männer mehr als 120 g

Ein 0,33 Glas Bier enthält ca. 13 g Alkohol. Ein Glas Wein (0,2 Liter) entspricht ca. 16 g Alkohol. Ein Glas Whiskey (0,02 Liter) enthält 7 g Alkohol.

Hilfe bei Alkoholsucht

Wer denkt, dass sein Alkoholkonsum aus den Fugen gerät, sollte schnellstmöglich handeln und sich Hilfe suchen. Für alle, die sich selbst helfen wollen, gibt es mittlerweile Apps, die einem dabei helfen sollen, den persönlichen Alkoholkonsum zu kontrollieren. Mit der App MeSelfControl beispielsweise können sich Betroffene selbst helfen. Auch auf den Seiten der Online Selbsthilfe Alkohol können Betroffene an entsprechenden Programmen teilnehmen und sich selbst helfen.

Wer lieber die Hilfe von Experten in Anspruch nehmen möchte, kann zum Beispiel hier fündig werden.

Fazit

Da Alkoholmissbrauch und dessen Folgen als Krankheit gelten, die zur Berufsunfähigkeit führen können, leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung normalerweise in diesen Fällen. Allerdings sollte man davon ausgehen, dass die Versicherung bei diesen Krankheitsfällen ganz genau prüfen wird, welche Angaben in den Gesundheitsfragen gemacht wurden. Für alle, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung neu abschließen wollen und alkoholabhängig sind oder bis vor kurzem waren, sieht es hingegen schlecht aus. Denn für die Versicherung ist dies in der Regel ein zu hohes Risiko.