Immer mehr Menschen gehen krank zur Arbeit

Zuletzt aktualisiert am 27.05.2019

Immer mehr Menschen gehen krank zur Arbeit Laut einer DAK-Studie gehen viele Deutsche auch zur Arbeit wenn sie krank sind. Dies schadet dem Selbstheilungsprozess des Körpers und gefährdet zudem noch die Gesundheit der Mitarbeiter. Auch die Qualität der Arbeit leidet darunter, da man weniger leistungsfähig ist und öfter Fehler macht, wenn der Körper nicht voll funktioniert. Diese immer häufiger auftretende Erscheinung mit dem Namen Präsentismus wird von vielen Arbeitnehmern unterschätzt. Das Phänomen des Präsentismus nimmt auch in Deutschland größere Ausmaße an als gedacht. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) geht jeder zweite Deutsche auch zur Arbeit wenn er krank ist. In der Studie wurden rund 20.000 Menschen befragt, wie oft sie in den letzten 12 Monaten krank am Arbeitsplatz erschienen sind. Die Berufsgruppen der Bau- und Landwirtschaft sowie der Sozial- Erziehungs- und Gesundheitsbereiche sind hierbei besonders häufig betroffen.

Präsentismus – die Definition

Unter Präsentismus (von Präsenz – Anwesenheit) versteht man das Phänomen wenn Arbeitnehmer trotz Krankheit am Arbeitsplatz sind. Es bezeichnet das Gegenteil vom Absentismus – dem „Krankfeiern“. Gleichzeitig beinhaltet der Begriff Präsentismus die Verringerung der Arbeitsproduktivität durch Leistungseinschränkung von Beschäftigten, die auf gesundheitliche Einschränkungen wie z. B. chronische Erkrankungen zurückzuführen sind.

Ursachen von Präsentismus

Als wichtige Ursache für Präsentismus gilt die Angst, Anforderungen im Job nicht gerecht zu werden, sowie das Verantwortungsgefühl gegenüber Kollegen. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist ebenso ein wichtiger Einflussfaktor. Dies wird durch Untersuchungen von konjunkturschwachen Jahren verdeutlicht.

In wirtschaftlich schwächeren Zeiten sinkt der Krankenstand erheblich. Korrelationsuntersuchungen belegen, dass tatsächlich die Mitarbeiter nicht weniger häufig erkranken, sondern lediglich seltener zu Hause bleiben. Hierbei zeigt sich, dass die Betrachtung des Krankenstands alleine noch keine Aussage über die tatsächliche Erkrankung der Arbeitnehmer treffen kann.

Gründe für Präsentismus

 

Mögliche Folgen des Präsentismus

Gönnt man dem Körper in der Krankheitsphase keine Ruhepause können sich im schlimmsten Fall dauerhafte Erkrankungen wie Depressionen, Allergien, Asthma, Migräne oder chronische Rückenschmerzen entwickeln.

Aus dem Stressreport für das Jahr 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geht außerdem hervor, dass sich durch Präsentismus bei einem eher schlechten Gesundheitszustand langfristig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Aktuelle Studien (DAK Studie) zeigen, dass Präsentismus mindestens so viele Produktivitätsverluste verursacht wie krankheitsbedingte Abwesenheiten. Die Beratungsgesellschaft Booz & Company stellte 2011 in einer Studie fest, dass dieses Phänomen doppelt so hohe Kosten verursacht wie krankheitsbedingte Fehlzeiten. Jedes Jahr gingen der deutschen Volkswirtschaft so 225 Milliarden Euro – rund ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts – verloren.

Präsentismus und Berufsunfähigkeit

Laut einer Studie aus Schweden (Virtanen et al., 2005) gibt es außerdem einen Zusammenhang zwischen Präsentismus und einer längerfristigen Berufsunfähigkeit. Untersuchungen haben ergeben, dass bei Befragten, die häufiger als sechs Mal pro Jahr krank zur Arbeit gegangen sind das Risiko der Arbeitsunfähigkeit um 74 Prozent stieg (Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?).

Fazit und Tipp

Arbeitnehmer (Berusfunfähigkeitsversicherung für Angestellte) gehen oft krank zur Arbeit, um keine Produktivitätsausfälle zu riskieren. Meist wird hierdurch aber ein gegenteiliger Effekt erzielt. Krank bei der Arbeit zu erscheinen, schadet der Gesundheit des kranken Arbeitnehmers und gefährdet die Gesundheit der Mitarbeiter, die sich einer möglichen Ansteckungsgefahr aussetzen. Auch dem Arbeitnehmer können hierdurch Verluste entstehen, da ein kranker Mitarbeiter meist schlechter bzw. langsamer arbeitet oder sogar Fehler macht. Wird dieses Risiko längerfristig unterschätzt, kann dies sogar zur Berufsunfähigkeit aufgrund von chronischen Krankheiten führen.

 

 

 

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.05.2019 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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