Sportinvalidität: Ein Fall für die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Zuletzt aktualisiert am 08.05.2019

Sportinvalidität: Ein Fall für die Berufsunfähigkeitsversicherung?Das Thema ist vor allem im Bereich des Profi-Fußballs bekannt: Eine Verletzung beim Spiel kann das Karriere-Aus für den Fußballer bedeuten. Nicht nur bei Profisportlern sind Sportunfälle eine gefürchtete Ursache für Berufsunfähigkeit. Auch Hobbysportler können durch eine Verletzung in der Freizeit ihre Arbeitskraft verlieren. Hier stellt sich die Frage, wie man sich für solche Schäden absichern kann. Oft herrscht große Unsicherheit darüber, ob es besser ist, eine Unfallversicherung oder doch lieber eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen – oder einfach beides? In den meisten Fällen lohnt sich die Berufsunfähigkeitsversicherung mehr als die Unfallversicherung – denn diese zahlt nur bei Unfällen, in den meisten Fällen wird eine Berufsunfähigkeit jedoch durch Krankheiten ausgelöst. 

Karriere-Aus bei Sportinvalidität

Ohne eine privat abgeschlossene Versicherung geht es dem Profi-Fußballer ähnlich wie jedem anderen Menschen: Wird er arbeitsunfähig, zahlt der Arbeitgeber noch für sechs Wochen das Gehalt, danach gibt es zwar noch für einen bestimmten Zeitraum Krankengeld und eventuell auch Verletztengeld von der Berufsgenossenschaft, aber eine angemessene Zahlung erhält der Spieler nur, wenn er eine private Berufsunfähigkeitsversicherung bzw. die Spezialform der Sportinvaliditätsversicherung abgeschlossen hat.

Zahlt die BU auch bei Hobby-Sportunfällen?

Dass Profisportler eine Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt bekommen, wenn sie nach einer Verletzung nicht mehr Fußball spielen können, ist naheliegend, denn die Sportinvaliditätsversicherung sieht genau solche Fälle vor. Doch wie sieht es mit dem normalen Bürger aus? Leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung auch, wenn die Verletzung und daraus folgende Berufsunfähigkeit durch Ausübung eines sportlichen Hobbys entstanden ist? Wenn eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wurde und der Versicherte durch einen Sportunfall im Sinne der Versicherung berufsunfähig wurde, so zahlt die BU eine entsprechende Rente aus. Anders als beispielsweise die gesetzlichen Unfallversicherung, zahlt die private Berufsunfähigkeitsversicherung bei Unfällen oder Krankheiten, die unabhängig von der Arbeit auftreten. Die Feststellung der Berufsunfähigkeit wird nach § 172 des Versicherungsvertragsgesetzes definiert. Wie hoch die Leistungen der Versicherung sind, hat jede Berufsunfähigkeitsversicherung individuell in ihren Bedingungen festgelegt.

§ 172 VVG – Leistung des Versicherers

(1) Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Versicherer verpflichtet, für eine nach Beginn der Versicherung eingetretene Berufsunfähigkeit die vereinbarten Leistungen zu erbringen. (2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann. (3) Als weitere Voraussetzung einer Leistungspflicht des Versicherers kann vereinbart werden, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit ausübt oder ausüben kann, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.

Extremsportarten sollten bei Vertragsabschluss unbedingt angegeben werden

Tritt ein Leistungsfall ein, so wird der Antrag des Versicherten von der Berufsunfähigkeitsversicherung überprüft. Gibt es in diesem Bereich Unstimmigkeiten, beispielsweise, da die vorvertragliche Anzeigepflicht vom Versicherten verletzt wurde, kann es zu Problemen mit der Gewährleistung der Berufsunfähigkeitsrente kommen. Berufsunfähigkeits-Versicherer fragen bei Vertragsabschluss explizit nach der Ausübung von gefährlichen Hobbys bzw. Sportarten. Wenn der Versicherte einer extremeren Sportart nachgeht, muss dies unbedingt angegeben werden, denn sonst kann es zum Leistungsausschluss von Seiten des Versicherers kommen.

Vorsicht bei abstrakter Verweisung!

Bei Abschluss eines BU-Vertrags sollen Sie darauf achten, dass eine Klausel zum Verzicht auf abstrakte Verweisung vorhanden ist. Denn wenn diese Verzichtserklärung vorhanden ist, kann der Versicherer den Kunden im fall einer Berufsunfähigkeit nicht auf eine andere Tätigkeit verweisen. Deshalb sollte vor Vertragsabschluss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Verzicht vorhanden ist. 

Vorteile der BU gegenüber der Unfallversicherung

90 Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle werden durch Krankheiten ausgelöst. Die Unfallversicherung zahlt allerdings nur bei Invalidität durch Unfälle. Die BU hingegen zahlt sowohl bei Unfällen als auch bei krankheitsbedingter Berufsunfähigkeit. Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt sogar nur bei Unfällen, die am Arbeitsplatz passiert sind. Dabei belegen Zahlen, dass die meisten Unfälle im privaten Bereich passieren. Zur Übersicht, warum sich der Abschluss einer BU lohnen kann.

BU lohnt sich finanziell mehr

Zudem bezieht sich die Berufsunfähigkeitsversicherung konkret auf die Berufsfähigkeit und nicht auf die tatsächliche Erwerbstätigkeit. Somit bekommt man bei festgestellter Berufsunfähigkeit auch dann eine Rente ausgezahlt, wenn man keiner konkreten Beschäftigung nachgegangen ist. Deshalb lohnt sich der Abschluss einer BU z. B. auch für Studenten und Arbeitslose. Wer sich aus finanziellen Gründen für eine der beiden Versicherungen entscheiden muss, der sollte sich auf jeden Fall für die Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden, da sie zwar etwas teurer ist, aber dafür auch sowohl Unfall- als auch Krankheitsschäden abdeckt. „Diejenigen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, brauchen in aller Regel nicht auch noch eine private Unfallversicherung“, erklärt auch Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 08.05.2019 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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