DAK Gesundheitsreport 2016: Das sind die häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit

Zuletzt aktualisiert am 12.05.2017

DAK GesundheitsreportArbeitnehmer in Deutschland sind so krank wie lange nicht mehr: 2015 erreichte der Krankenstand den höchsten Wert seit 16 Jahren. Der Gesundheitsreport der DAK hat in diesem Zusammenhang wiederholt dezidierte Analysen zu den Ursachen für Krankheitsausfälle geliefert und erstmals auch Geschlechterunterschiede mit berücksichtigt. Insgesamt zeigt sich, dass Frauen öfter krank sind als Männer, ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr 14 Prozent über dem des anderen Geschlechts. Besonders Krebserkrankungen führten bei Frauen zu längeren Ausfällen als bei Männern. Diese haben hingegen mehr mit dem Herz-Kreislauf-System zu kämpfen. 

Differenzierte Betrachtung notwenig

Die höheren Fehlzeiten der Frauen sind jedoch nicht ausschließlich auf eine höhere Krankheitsanfälligkeit zurückzuführen, sondern auch darauf, dass sie beispielsweise öfter zu Hause bleiben, wenn ihre Kinder krank sind. Jede vierte Frau bleibt bei der Erkrankung ihres Kindes auch zu Hause. Bei Männern ist dies seltener der Fall (17,5 Prozent). Zudem gehen Frauen bei einer Erkrankung öfter zum Arzt als Männer und werden dementsprechend auch häufiger krankgeschrieben. Dass Frauen im Arbeitsalltag öfter ausfallen, heißt zudem nicht, dass sie bereitwilliger im Bett bleiben als Männer. Im Gegenteil, Frauen gehen öfter (12 Prozent mehr) krank zur Arbeit als Männer.

Häufigste Krankheiten: Unterschiede beim Geschlecht

Während Frauen am meisten von Erkrankungen an der Psyche betroffen sind, haben Männer häufiger Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System. Bei Frauen sind es 66,5% mehr Fehltage, die durch psychische Krankheiten ausgelöst werden. Bei Männern hingegen treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufiger auf (mehr als 65,4%) als bei Frauen, auch bei Verletzungen liegt das männliche Geschlecht deutlich über den Frauen (plus 48 Prozent).

Psychische Probleme nehmen zu

Zwar sind Frauen häufiger von psychischen Problemen betroffen, insgesamt stieg die Anzahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen aber auch geschlechterübergreifend um plus 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 243,7 Fehltage wurden dieses Jahr aufgrund von psychischen Beschwerden verzeichnet. Laut Angaben der Betriebskrankenkassen geht jeder 7. Krankheitstag auf psychische Krankheiten zurück. Es bleibt jedoch fraglich, ob tatsächlich mehr Menschen an diesen Symptomen erkranken oder ob heutzutage einfach differenziertere Diagnosen gestellt werden bzw. die Menschen häufiger als früher bei psychischen Beschwerden den Arzt aufsuchen.

10 Krankheiten, die 2015 am häufigsten zur Arbeitsunfähigkeit führten

Platz 10: Symptome und abnorme klinische Befunde

Symptome und abnorme klinische Symptome sind in Deustchland der 10. häufigste Grund, warum Arbeitnehmer nicht zur Arbeit gehen können. Im Durchschnitt kommt es aufgrund dieser Krankheit zu 54,5 Ausfalltagen. 3,8 Prozent aller Fehltage gingen 2015 auf das Konto dieser Erscheinungen.

Platz 9: Infektiöse und parasitäre Krankheiten

61 Arbeitsunfähigkeitstage wurden im Jahr 2015 durch parasitäre und infektiöse Krankheiten ausgelöst. Mindestens 5 Tage pro Infekt fehlten die Deutschen im Durchschnitt aufgrund dieser Symptome. Von der Erkrankung waren insgesamt mehr Frauen betroffen als Männer. Während Männer im Durchschnitt etwa 59 Tage aufgrund dieser Erkrankung fehlten, waren es bei Frauen 64. Der gesamte Anteil der Krankheit an allen Arbeitsunfähigkeitstagen liegt bei 4,6 Prozent.

Platz 8: Krankheiten des Nervensystems, der Augen und der Ohren

Auch an Krankheiten, die das Nervensystem, die Augen und die Ohren betreffen, erkranken Frauen häufiger als Männer. Diese Erkrankungen sind verantwortlich für mehr als 67 Arbeitsunfähigkeitstage  bei Frauen und etwa 60 Ausfalltage bei Männern. Im Schnitt fielen Frauen fast 10 Tage aufgrund dieser Erkrankung aus, bei Männern waren es im Schnitt elf Tage Ausfall. 4,2 Prozent aller Krankheitsfälle gehen auf das Konto dieser Krankheit.

Platz 7: Kreislaufsystem

4,3 Prozent aller Fehltage wurden 2015 durch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems ausgelöst. Männer erkranken laut der DAK-Studie öfter an diesen Symptomen als Frauen, bei ihnen sind es im Durchschnitt etwa 77 Fehltage, während Frauen durchschnittlich nur ca. 47 Tage fehlen.

Platz 6: Neubildungen

68,4 Tage fielen die Deutschen im letzten Jahr im Schnitt aufgrund von Neubildungen aus. 4,5 Prozent der Fehlzeit gingen 2015 auf das Konto dieser Symptome. In diesem Bereich sind mehr Frauen (5,8 %) betroffen als Männer (3,8%).

Platz 5: Krankheiten des Verdauungssystems

2015 fehlten Arbeitnehmer insgesamt 79 Tage lang aufgrund von Krankheiten des Verdauungssystems. Der Anteil am Gesamtkrankenstand beträgt 5,2 Prozent.

Platz 4: Verletzungen und Vergiftungen

Im Durchschnitt fehlten Arbeitnehmer in Deutschland 175 Tage am Arbeitsplatz aufgrund von Verletzungen und Vergiftungen. Pro Krankheitsfall fehlten Arbeitnehmer im letzten Jahr im Schnitt 19 Tage an ihrem Arbeitsplatz.

Platz 3: Krankheiten des Atmungssystems

Erkrankungen des Atmungssystems traten von allen Krankheitsfällen im Jahr 2015 am häufigsten auf. 16,6 Prozent aller Erkrankungen sind in diesem Bereich angesiedelt. In den meisten Fällen sind Infektionen der Auslöser. Über 195 Tage fielen Arbeitnehmer im letzten Jahr insgesamt aufgrund dieser Erkrankungsart aus.

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Platz 2: Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen gehören nicht nur zu den häufigsten Erkrankungen, ihre Behandlung ist zudem eine der teuersten überhaupt. Mehr als 243 AU-Tage wurden durch diese Krankheitsart im Jahr 2015 verursacht. Außerdem werden nicht nur kurz- bis mittelfristige Arbeitsausfälle durch diese Symptome ausgelöst, sondern sie sind auch einer der Hauptgründe für Berufsunfähigkeit (Mehr zu Berufsunfähigkeit und Depressionen).

Platz 1: Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems

Der größte Auslöser für Arbeitsunfähigkeitstage war 2015 die Erkrankung am Muskel-Skelett-System. 21,7 Prozent beträgt der Anteil am gesamten Krankenstand. Im Schnitt bleiben Arbeitnehmer aufgrund dieser Erkrankung etwa 18 Tage zu Hause, 325 Krankheitstage entfielen insgesamt auf diese Krankheitsart. Auch in Bezug auf Berufsunfähigkeit ist diese Diagnose die zweithäufigste nach den psychischen Erkrankungen.

Fazit

Besonders Krankheiten, die eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit auslösen, nehmen jedes Jahr zu. Auch Arbeitnehmer, die einen eher risikoarmen Job ausüben, sollten möglichst mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung vorsorgen. Denn psychische Beschwerden oder Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems können jeden treffen. Welche Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test am besten abschneiden, erfahren Sie hier.