Gesundheit am Arbeitsplatz: Die 10 Empfehlungen der Arbeitsforscher

Zuletzt aktualisiert am 09.05.2017

Gesundheit am Arbeitsplatz: Die 10 Empfehlungen der ArbeitsforscherAm vergangenen Freitag nahmen das Bundesarbeitsministerium, die Arbeitgeber und der DGB am Kongress der Bundesanstalt für Arbeitsschutz teil. Es ging um die psychische Gesundheit der Beschäftigten in Deutschlands Unternehmen – vor dem Hintergrund des digitalen Wandels. Präsentiert wurden die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Bundesanstalt. Zugleich wurde ein Dialogprozess gestartet, der messbare Ziele finden soll. Außen vor blieben Vertreter der Versicherungsbranche, welche Absicherung gegen Berufsunfähigkeit anbieten.

BAuA-Kongress: Projektabschluss und Dialog-Auftakt

Insgesamt 10 konkrete Empfehlungen konnten die Wissenschaftler des Forschungsprojektes „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ am vergangenen Freitag als Ergebnis ihrer Untersuchung präsentieren. Auf dem Kongress mit gleichlautendem Titel trafen sich die Wissenschaftler der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DBG). Die Institutionen und Organisationen nahmen den Kongresstag zum Anlass, einen gemeinsamen Dialogprozess zum Thema zu starten.

Von allen Seiten wird die zunehmende Bedeutung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz betont. Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles (SPD), sieht vor allem in der Digitalisierung unserer Arbeitswelt einen Risikofaktor. Dieser Wandel könne einen Anstieg psychischer Erkrankungen zur Folge haben. Nahles sah einen gesellschaftlichen Bedarf für einen „Arbeitsschutz 4.0“. Vermutlich hat sie dabei vor allem gesetzgeberische Vorhaben gemeint. (Pressemitteilung des BAuA vom 05.05.2017)

Gemeinsames Projekt von Regierung, Wirtschaft und Wissenschaft

Die Ministerin betonte zudem, dass mittlerweile Frühverrentungen zu fast 50 Prozent wegen psychischer Erkrankungen erfolgen würden. Für den Vertreter des BDA, Alexander Gunkel, geht es für Unternehmen in Zukunft darum, etwaige Fehlbelastungen der eigenen Belegschaft zu vermeiden. Eine “Anti-Stress-Verordnung” forderte Annelie Buntenbach vom DGB .

Die Präsidentin der BAuA, Isabel Rothe, unterstrich die aus ihrer Sicht notwendige Berücksichtigung positiver Effekte der Arbeitsumgebung auf die Gesundheit. Innerhalb der Betriebe gebe es demnach nicht nur Risiken, sondern auch förderliche Ressourcen. Der bislang aus Sicht von Rothe beschränkte Blick auf belastende Faktoren der Arbeit brauche eine Ergänzung. Die am Kongress teilnehmenden Akteure befinden sich seit Freitag in einem Dialogprozess. Dabei geht es den Beteiligten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung um die Erarbeitung von messbaren und bewertbaren Zielen.

Aktueller Forschungsstand der Arbeitsgesundheit

Auf dem Kongress präsentierte die BAuA den abschließenden Bericht über das durchgeführte Forschungsprojekt. Ziel war es, den Stand der Wissenschaft in Sachen psychischer Gesundheit von Arbeitnehmern zu dokumentieren. So konnte der Abschlussbericht „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wissenschaftliche Standortbestimmung“ folgende Themenfelder unterscheiden, für die sich 22 Faktoren bestimmen ließen:

1. Arbeitsaufgabe
2. Arbeitszeit
3. Führung und Organisation
4. Technische Faktoren

Im ersten Feld, der Arbeitsaufgabe, sind zum Beispiel die Intensität der Arbeit sowie Störungen und Unterbrechungen gesundheitliche Faktoren. Im Feld der Führung und Organisation spielen Arbeitsplatzunsicherheit, Gerechtigkeit der Organisation oder auch soziale Beziehungen eine entscheidende Rolle. Für das dritte Feld, der Arbeitszeit, kommt es beispielsweise darauf an, nach der Arbeit abschalten zu können. Und schließlich sind Lärm, Lichtverhältnisse sowie Interaktionen zwischen Menschen bzw. zwischen Mensch und Maschine wichtig für die Gesundheit.

Psychosomatische Folgeerkrankungen

Psychische Erkrankungen als Folge eines mangelnden Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz sind kein isoliertes Phänomen. Aus ihnen können ohne Weiteres körperliche Erkrankungen hervorgehen. Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden häufig genug durch psychische Belastung ausgelöst. (siehe BAuA-Bericht, S. 13)

Regelmäßiger, ungesunder Stress am Arbeitsplatz schwächt somit nicht nur die geistige Gesundheit. Auch der Rest des Körpers leidet unter ungünstigen Arbeitsbedingungen. Neben dem Immunsystem wird vor allem unser Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen. Nicht selten lassen sich beispielsweise Herzinfarkte auf berufliche Überbelastung zurückführen.

Wissenschaftliche Empfehlungen an Politik und Wirtschaft

In ihrem Bericht haben die Forscher 10 Empfehlungen für besseren Gesundheitsschutz in der Arbeitswelt formuliert. Zunächst orientieren sich die Vorschläge an den vier Themenfeldern des Forschungsprojekts. Für die technische Ausstattung und Gestaltung der Arbeitsumgebung müssen in Zukunft weitere Parameter berücksichtigt werden. „Diese beziehen sich beispielsweise auf das Lästigkeitserleben durch Umgebungsgeräusche mit eher niedrigem Pegel, aber ausgeprägter Störwirkung (z. B. Sprache) oder auf erhöhte blaue Spektralanteile der Beleuchtung, die die circadianen Rhythmen des Menschen positiv oder negativ beeinflussen können.“ (Bericht, S. 122) Solche Aspekte blieben bislang unberücksichtigt.

Bei der technischen Ausrüstung kommt besonders die Digitalisierung zum Tragen. Sie erfordert ständige Lern- und Entwicklungsbereitschaft von den Beschäftigten. Daher empfehlen die Forscher ein entsprechendes Vorausdenken bei den Unternehmen. Um die Akzeptanz für neue technische Ausstattung unter den Mitarbeitern zu fördern, raten die Wissenschaftler zur stärken Einbindung in Entscheidungsprozesse.

Kontrolle über Arbeitszeiten bewahren

Im Abschlussbericht des von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsgesundheit (BAuA) durchgeführten Forschungsprojekts sieht in der Arbeitszeit einen Schlüsselfaktor für die Gesundheit im Arbeitsleben. Das Wohlbefinden der Beschäftigten steigt mit der Planbarkeit ihrer Arbeitszeit. Umgekehrt sorgen Ungewissheit, starke Schwankungen sowie ad hoc Arbeiten für größeren psychischen Stress.

Das Stichwort hier lautet „work-life-balance“. Für die Gesundheit insgesamt ist ein verträgliches Verhältnis aus Arbeits- und Lebenszeit wichtig. Die Forschung zeigt, dass die Risiken für eine Erkrankung sinken, je klarer die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gelebt werden kann.

Flexible Arbeitszeiten dürfen im Interesse der Arbeitsgesundheit daher nicht dazu führen, dass die notwendige Erholung zu kurz kommt.

Vorbeugung auch im Interesse der BU-Versicherer

Wer bei diesem gesundheitspolitischen Projekt bislang außen vor bleibt, das sind die Anbieter von Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit (Berufsunfähigkeitsversicherung Anbieter). Sie haben mit Sicherheit ein ebenso großes Interesse daran, dass Arbeit weniger bzw. gar nicht mehr krank macht.

Angesichts der von den Forschern der BAuA aufgeschlüsselten Gesundheitsfaktoren am Arbeitsplatz sind auch Angestellte (Berufsunfähigkeitsversicherung Angestellte Test) nicht vor einer längeren bzw. dauerhaften Erkrankung gefeit. Wird der psychische Druck zu groß, kann eine mehrwöchige Therapie nötig sein. Die Wissenschaftler weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass auch emotionale Arbeit eine Menge Stress bedeuten und schließlich zu psychischen Erkrankungen führen kann. Somit zählen unter anderem Pflegekräfte (Berufsunfähigkeitsversicherung Pflegekräfte Test) als Risikogruppe, deren Arbeitsumgebung gesundheitsfördernd gestaltet sein sollte.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 09.05.2017 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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