Berufsunfähigkeitsversicherung – Diagnose und Definition

Berufsunfähigkeit ist definiert als die langfristige Beeinträchtigung, den bisherigen Beruf durch eine Krankheit, einen Unfall oder Invalidität auszuüben. Wenn man berufsunfähig ist, kann man also dem in der Vergangenheit durchgeführten Beruf nicht mehr nachkommen. Berufsunfähigkeit bedeutet nicht, dass man nicht einer anderen Arbeit nachgehen kann. Eine Berufsunfähigkeit ist langfristig und manchmal sogar lebenslang.

Eine Definition aus dem Versicherungswesen

Der Begriff der Berufsunfähigkeit stammt aus der Versicherungswirtschaft. Im Versicherungsvertragsgesetz ist eine Definition zu finden, an der sich die Versicherer bei der Gestaltung ihrer Versicherungsbedingungen orientieren. Im Paragraphen 172 ist festgeschrieben, dass derjenige berufsunfähig ist, der den zuletzt ausgeübten Beruf, wie er ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung durchzuführen wäre, durch eine Krankheit, durch Körperverletzung oder durch einen Kräfteverfall, der über das gewöhnliche altersbedingte Maß hinaus geht, ganz oder mindestens teilweise für einen längeren Zeitraum nicht mehr übernehmen kann.

Der Versicherer kann abstrakte Verweisung integrieren

Der Versicherer ist über diese Definition hinaus berechtigt, eine weitere Vereinbarung zu treffen. Sie besagt, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit mehr ausüben kann, die ihr aufgrund ihrer Ausbildung, ihren Fähigkeiten und ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Diese Einschränkung nennt man eine abstrakte Verweisung. Als Anhaltspunkt gilt, dass hochwertige Tarife für die Berufsunfähigkeitsversicherung kein Recht des Versicherers auf eine abstrakte Verweisung enthalten.

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Unterschiedliche Gründe für eine Berufsunfähigkeit

Aktuelle Studien belegen, dass rund 25 Prozent der Berufstätigen glauben, vor dem Beginn des Rentenalters berufsunfähig zu werden. Ein Viertel der Beschäftigten gehen also davon aus, ihren jetzt ausgeübten Beruf irgendwann aus gesundheitlichen Gründen aufgeben zu müssen. Die Gründe für eine Berufsunfähigkeit sind unterschiedlich (Berufsunfähigkeitsversicherung Ursachen). Im Jahr 2015 waren 32 Prozent der Fälle durch Nervenkrankheiten, Depressionen und Burnout berufsunfähig. Immerhin 21 Prozent leiden an Beschwerden des Muskel-Skelett-Apparats und können deshalb nicht mehr arbeiten gehen. Nur 15 Prozent werden aufgrund einer Krebserkrankung berufsunfähig, immerhin acht Prozent leiden an Herz-Kreislauf-Schwäche und können deshalb nicht mehr arbeiten.

Gefahr einer Berufsunfähigkeit für alle Berufsgruppen hoch

Das Risiko einer Berufsunfähigkeit ist für alle Berufsgruppen essenziell. Bis vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass vor allem körperlich arbeitende Berufstätige schnell berufsunfähig werden. Heute weiß man, dass auch Menschen mit einer hohen Belastung in administrativen Tätigkeiten langfristig aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Somit ist die Gefahr einer Berufsunfähigkeit letztlich für alle Berufstätigen über alle Berufsgruppen hinweg hoch. Besonders gefährdet sind Menschen, die schwer körperlich oder geistig anspruchsvoll tätig sind. Demnach gehören Berufsgruppen wie Dachdecker, Krankenpfleger oder Feuerwehrleute ebenso zu den gefährdeten Berufen wie Lehrer, Ärzte und Verwaltungsbeamte.

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So wird die Diagnose gestellt

Damit der Versicherungsfall in der Berufsunfähigkeit eintritt, ist der Grad der Berufsunfähigkeit festzustellen. Die meisten Versicherer setzen einen Berufsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent für den Versicherungsfall an. Dieser Grad muss mindestens erreicht sein, damit eine BU-Rente gezahlt wird. Bei der Diagnose der Berufsunfähigkeit muss geklärt werden, wie sehr die ärztlich nachzuweisende Beeinträchtigung der Arbeitskraft sich auf die Fähigkeit auswirkt, den Beruf auszuüben. Zu beachten ist dabei, welche Schwerpunkttätigkeiten von der körperlichen Beeinträchtigung betroffen sind und welche weiteren Tätigkeiten nicht mehr durchgeführt werden können. Um das prüfen zu können, muss bekannt sein, unter welchen beruflichen Belastungen der Versicherte steht und welche Anforderungen seine Tätigkeit an ihn stellt.

Versicherer legt Grad der Berufsunfähigkeit fest

Auch eine genaue Beschreibung der Tätigkeiten ist erforderlich. Im Anschluss sind die vorliegenden und ärztlich nachgewiesenen gesundheitlichen Schwierigkeiten den einzelnen Tätigkeiten zuzuordnen. Allerdings sind es nicht die Ärzte des Versicherten, die den Grad der Berufsunfähigkeit feststellen. Sie kennen nämlich nicht den genauen Ablauf am Arbeitsplatz des Versicherten. Deshalb können sie die Auswirkungen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht festlegen. Diese Prüfung ist von den Versicherern selbst durchzuführen. Abhängig von den festgestellten und bestätigten gesundheitlichen Einschränkungen und den beruflichen Anforderungen schätzen sie den Grad der Berufsunfähigkeit ein. Dabei kommen Gutachter zum Einsatz, die diese Prüfung unterstützen. Aus diesem Grund muss der Versicherungsnehmer auch bei der Antragstellung eine Gesundheitsprüfung absolvieren, durch die der Versicherer erkennen kann, welches Risiko er mit der Versicherung des Antragstellers eingeht.

Diese Diagnosen sind möglich

Bei der Feststellung der Berufsunfähigkeit kann es zu ähnlichen Diagnosen kommen, die sorgfältig gegeneinander abzugrenzen sind. So kann eine Arbeitsunfähigkeit festgestellt werden. Sie bedeutet, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung nur für einen bestimmten Zeitraum gilt, so dass der Arbeitnehmer bald wieder arbeitsfähig ist.

Von der Berufsunfähigkeit abzugrenzen ist die Erwerbsunfähigkeit. Sie besagt, dass der Versicherte überhaupt nicht mehr am Arbeitsleben teilnehmen kann und keinen anderen Beruf außer dem zuletzt ausgeübten mehr durchführen kann. Die Erwerbsunfähigkeit hindert den Versicherten also daran, überhaupt noch arbeiten zu gehen. Eine Erwerbsunfähigkeit ist letztlich die Basis für die Beantragung einer staatlichen Erwerbsminderungsrente. Eine volle Erwerbsminderungsrente erhält ein Versicherter, der weniger als drei Stunden am Tag einer beliebigen Arbeit nachgehen kann. Eine halbe Erwerbsminderungsrente wird gezahlt, sofern man noch zwischen drei und sechs Stunden täglich eine beliebige Arbeit übernehmen kann. Wer mehr als sechs Stunden täglich arbeiten kann, bekommt keine Erwerbsminderungsrente, selbst wenn man den bisherigen Job nicht mehr ausführen kann.