Berufsunfähigkeitsversicherung Klagequote

BU KlagequoteDie Klagequote in der Versicherungswirtschaft ist definiert als das Verhältnis der geführten Gerichtsprozesse eines Versicherers zu den Leistungsfällen. Eine hohe Klagequote steht für eine geringe Leistungsbereitschaft des Versicherers, wenn der Versicherungsfall eintritt. Der map-Report berichtet als Branchenservice in regelmäßigen Abständen über die Klagequote der Lebensversicherer im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Kennzahl ist wichtig bei der Wahl der passenden BU-Versicherung (BU Versicherungen im Test), sollte allerdings nicht allein ausschlaggebend sein.

Ein Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte, zeigt die ZDF-Sendung WISO-Tipp:

Hohe Klagebereitschaft in der BU-Versicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den Versicherungszweigen, in denen am häufigsten geklagt werden muss, um eine Leistung des Versicherers zu erwirken. Das bedeutet, dass viele Versicherer die Zahlung einer BU-Rente ablehnen, obwohl der Verlust der Arbeitskraft attestiert wurde und obwohl sich der Versicherte keiner vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung schuldig gemacht hat (Sprich: Alle Angaben, die er zu seinem Gesundheitszustand vor Vertragsabschluss gemacht hat, waren korrekt und umfassend.) Die Ablehnungsquote der Versicherer bei Leistungsanträgen wurde in der Vergangenheit verstärkt in der Politik diskutiert, ohne dass jedoch nachhaltige Ergebnisse erzielt wurden.

Berufsunfaehigkeitsversicherung Klagequote

Eine Kennzahl mit großer Spannbreite – Beispielquoten von 0,5 bis 12

Der map-Report führt in regelmäßigen Abständen die Klagequote der BU-Versicherer auf. Der durchschnittliche Wert liegt bei 2,5 (auf 100 Leistungsfällen kamen 2,5 Klagen), die niedrigste Klagequote hat die frühere Hamburg Mannheimer zu verzeichnen. Die Gesellschaft gehört heute zum ERGO Versicherungskonzern (ERGO BU im Test), ihre Klagequote liegt im Jahr 2012 bei 0,5. Auch die R+V Versicherung weist lediglich eine Quote von 0,6 Prozent auf. Verlierer im Vergleich ist die Barmenia (Barmenia BU im Test), die eine aktuelle Klagequote von 12 aufweist. Sie ist offenbar der BU-Versicherer, der am häufigsten eine Leistung ablehnt.

Einige Gesellschaften im Mittelfeld

Mit einer Klagequote von 3,8 liegt die Aachen Münchener (Aachen Münchener BU im Test) im Mittelfeld. Obwohl ihre BU-Versicherung stets mit besten Noten im Test ausgezeichnet wird, kann sich der Versicherte also nicht auf eine sichere Leistung im Versicherungsfall verlassen. Gleiches gilt für die HDI-Gerling, die eine Quote von 3,9 verzeichnet. Auch die Alte Leipziger (Alte Leipziger BU im Test), die im Test mit besten Werten abschneidet, hält eine Klagequote von 5,5 und liegt damit weit über dem Durchschnitt.

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Gute Testergebnisse bei hoher Klagequote

Die Vermutung liegt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen leistungsstarken Tarifen in der BU-Versicherung und einer hohen Klagequote gibt. Gesellschaften wie die Stuttgarter, die Aachen Münchener, die Condor, die Alte Leipziger und der Volkswohlbund (Volkswohl Bund BU im Test) sind für sehr leistungsstarke BU-Tarife bekannt, die von unabhängiger Stelle wiederholt ausgezeichnet wurden. Doch gerade diese Gesellschaften sind im Bereich der BU-Versicherung sehr prozessfreudig und verweigern die Zahlung der BU-Rente.

Ein typischer Irrtum in Bezug auf die BU

„Die Versicherung zahlt ja doch nicht, wenn ich sie brauche!“

Ein Großteil der Deutschen hegt großes Misstrauen gegenüber den Versicherern und glaubt, dass die Versicherung im Ernstfall nicht leistet und sich mit Hilfe von Klauseln und Regelungen vor der Zahlung der vereinbarten BU-Rente drücken wird. Auch sind rund 41 Prozent überzeugt, dass die Versicherung bei einem selbst verschuldeten Unfall nicht zahlt. Das stimmt so aber nicht. Erhebungen der Klagequote zeigen, dass Zahlungsweigerungen seitens der Versicherer deutlich seltener sind, als viele vermuten. Es ist allerdings sehr wichtig, die Fragen bei der Gesundheitsprüfung wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten. Werden hier falsche Angaben gemacht, kann dies tatsächlich dazu führen, dass die Versicherung die Zahlung verweigert.

Nicht jede Gesellschaft veröffentlicht Zahlen

Der map-Report basiert auf solide recherchierten Daten, die von den Gesellschaften auf freiwilliger Basis veröffentlicht werden. Letztlich wurden aktuelle Zahlen nur von wenigen Versicherungsunternehmen vorgelegt. Die Bekanntgabe solcher Daten spricht für den Versicherer, der zumindest für eine erhöhte Transparenz bei der Auswahl der passenden BU-Versicherung sorgt. Dennoch scheint es, als hätten viele Versicherer etwas zu verbergen, indem sie keine Auskunft über ihre Klagequote geben.

Auswirkungen für den Versicherten

Die Leistungsablehnung durch den Versicherer trifft den Versicherten in einer Situation, in der er schon gesundheitlich kaum in der Lage ist, einen langwierigen Prozess durchzuhalten. Außerdem kann er nicht am Erwerbsleben teilnehmen und verliert somit sein Einkommen. Eine hohe Klagequote spricht deshalb tendenziell gegen einen Versicherer. Trotzdem darf die Klagequote nicht das einzige Entscheidungskriterium bei die Wahl eines Anbieters sein.