Ist eine Berufs­unfähig­keits­versiche­rung sinnvoll?

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung ist grundsätzlich für alle sinnvoll, die auf Einkünfte aus eigener Arbeit angewiesen sind. Sie bietet die einzige Möglichkeit, sich gegen Berufs­unfähigkeit abzusichern.
  • Berufs­unfähigkeit kann jeden betreffen – sei es durch einen Unfall oder Erkrankungen aufgrund körperlicher Arbeit oder eine psychische Krankheit, wie z.B. Burnout.
  • Es gilt, mit der Berufs­unfähig­keits­rente den vorherigen Lebensstandard abzusichern, da staatliche Leistungen nicht ausreichen.
  • Die Kosten der Versicherung hängen von vielen individuellen Faktoren ab. Um die genauen Kosten festzustellen ist eine individuelle Beratung hilfreich.

Warum ist eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung so wichtig?

Angestellte erhalten, wenn sie krankheitsbedingt ausfallen, nur sechs Wochen lang weiterhin Gehalt. Anschließend übernimmt die Krankenkasse (bei gesetzlich Versicherten) die Unterstützung und zahlt für bis zu 1,5 Jahre Krankengeld. Doch bereits hier kommt es zu finanziellen Einbußen. Denn das Krankengeld beträgt maximal 90 Prozent des Netto-Verdienstes. Spätestens danach gibt es jedoch kein Geld mehr von der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer nicht mit einer Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung (kurz: BU) privat vorgesorgt hat, muss anschließend meist Sozialhilfe beantragen. Damit ist die finanzielle Existenz maßgeblich in Gefahr. Für Selbständige und Freiberufler ist ein solches Szenario noch bedrückender, da sie meist nicht einmal auf staatliche Unterstützung hoffen können.


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Jeder Vierte wird berufsunfähig

Allein die Tatsache, dass jeder Vierte im Laufe seines Berufslebens mindestens einmal vorübergehend berufsunfähig wird, zeigt, dass die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung sinnvoll ist. Auch wenn man jung und gesund ist, so nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Berufs­unfähigkeit mit steigendem Alter zu.

Das geringere Risiko in der Jugend belohnen Versicherer mit günstigeren Beiträgen. Außerdem müssen gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen im Normalfall nicht mit Leistungs­ausschlüssen rechnen.


Für wen ist eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung sinnvoll?

Eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung lohnt sich grundsätzlich für alle Berufsgruppen, da eine Berufs­unfähigkeit jeden betreffen kann.

  • Angestellte: Durch ihre regelmäßigen Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung haben Angestellte Anspruch auf eine staatliche Erwerbs­minderungs­rente, wenn sie berufsunfähig werden. Diese fällt jedoch so niedrig aus, dass der gewohnte Lebensstandard normalerweise nicht gehalten werden kann.
  • Selbständige: Für Selbständige ist eine BU ganz besonders wichtig, da sie gar keine staatlichen Leistungen erhalten (weder Krankengeld, noch Erwerbs­minderungs­rente) und sich komplett selbst um ihren Versicherungs­schutz kümmern müssen.
  • Auszubildende: Azubis erhalten nur in seltenen Fällen eine Erwerbs­minderungs­rente, so zum Beispiel bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten. Eine BU zahlt hingegen auch bei nicht durch die Arbeit verursachter Berufs­unfähigkeit.
  • Studenten: Studierende sind in der Regel nicht über den Staat abgesichert, da sie noch nicht im Berufsleben stehen. Eine BU sichert sie auch für den Fall ab, dass ein Start in das Berufsleben gar nicht möglich sein sollte.
  • Freiberufler (z.B. Ärzte, Juristen, Steuerberater): Auch für sie ist eine BU sehr sinnvoll, da die Versorgungswerke nur eine komplette Erwerbsunfähigkeit absichern.
  • Beamte: Ähnlich wie Angestellte sind Beamte zwar gesetzlich abgesichert, die sogenannte Dienst­unfähigkeits­rente greift jedoch erst nach 5 Jahren Dienstzeit. Für sie lohnt sich eine BU demgemäß vor allem in den ersten 5 Jahren.
  • Schüler: Auch als Schüler kann es bereits sinnvoll sein, eine BU abzuschließen, da die Tarife für diese Gruppe besonders günstig sind.

Für wen ist eine BU sinnvoll, aber schwierig zu bekommen?

Allerdings soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass einige Berufsgruppen Probleme haben, einen bezahlbaren Versicherungs­schutz zu bekommen. Leider betrifft dies nicht selten gerade die Berufsgruppen, bei denen der Schutz besonders wichtig ist. Dies betrifft vor allem Menschen, bei denen körperliche Arbeit im Vordergrund steht, wie z.B. Pflegekräfte oder Handwerker. Auch haushaltsführende Personen werden oft hoch eingestuft, sodass Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rungen für Hausfrauen und -männer teuer sein können.


Wer braucht keine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung?

Personen, deren Einkommen nicht von ihrer Arbeitskraft abhängig ist, benötigen auch keine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung. Neben vermögenden Menschen betrifft das vor allem Rentner und Pensionäre. Auch eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung für Schüler ist erst ab einem gewissen Alter sinnvoll.

Hinweise für Arbeitslose

Jedoch schon bei Arbeitslosen, Hartz IV-Empfängern und Minijobbern ist die Sachlage nicht mehr so eindeutig. Denn sie können auch wieder ins Berufsleben einsteigen. Allerdings spricht hier die finanzielle Situation häufig gegen eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung.

Warum ist eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung sinnvoll?

Eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung ist sinnvoll, weil sie den Einkommensverlust abfängt, wenn man seinen zuletzt ausgeübten Beruf mindestens sechs Monate oder länger nicht mehr ausüben kann.



Wie funktioniert eine BU?

Aktuelle Studien der Kranken­versicherungen belegen, dass die Ursachen für eine Berufs­unfähigkeit häufig …

  1. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparats,
  2. bösartige Tumore,
  3. oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

… sind. Doch die häufigste Ursache für den Verlust der Arbeitskraft sind psychische Erkrankungen. Der gefürchtete Burnout kann Angestellte, Beamte und Selbständige gleichermaßen treffen.

Diese Leistungen dürfen Versicherungs­nehmer erwarten

Die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung zahlt die vertraglich vereinbarte Berufs­unfähig­keits­rente wenn eine mindestens 50-prozentige Berufs­unfähigkeit vorliegt, die voraussichtlich länger als sechs Monate bestehen wird.

Ziel der Berufs­unfähig­keits­rente ist es, den Lebensstandard halten und auf den Bezug von Sozialleistungen verzichten zu können. Diese wären über kurz oder lang kaum zu vermeiden, wenn keine BU abgeschlossen wurde.

Gesetzliche Leistungen sind rudimentär

Staatliche Unterstützung bei Berufs­unfähigkeit haben Versicherte heute kaum noch zu erwarten. Berufstätige, die vor 1961 geboren wurden, haben noch Anspruch auf eine gesetzliche Berufs­unfähig­keits­rente. Alle anderen können lediglich auf die Erwerbs­minderungs­rente hoffen. Deren finanzielle Leistungen sind jedoch so gering, dass man davon kaum leben kann.

Hinzu kommt, dass eine Erwerbsunfähigkeit erst dann besteht, wenn man keiner denkbaren beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen kann. Das heißt, hier zählt nicht der zuletzt ausgeübte Beruf, sondern lediglich die Fähigkeit zu arbeiten. Die private Vorsorge ist damit für alle elementar, die finanziell auf ihre Arbeitskraft angewiesen sind.

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Was kostet eine BU?

Die Kosten für eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung können kaum pauschal beziffert werden, da diese sehr individuell und abhängig von verschiedenen Faktoren sind.

Beispiel: Monatliche Kosten einer BU

Angaben zur Person:

  • Geburtsjahr: 1991
  • Schlussalter: 67
  • Nichtraucher
  • Beruf: Medien­gestalter, 100% Büro­tätigkeit
  • Höhe der Berufs­unfähig­keits­rente: 1.500 € (75% des aktuellen Netto­gehalts)
  • keine gefährlichen Hobbys
AnbieterMonatsbeitrag – gerundet
Allianz BU Plus79 €
Alte Leipziger (SecurAL (BV10))87 €
HDI Ego Top (BV19)74 €

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Die besten Tarife für eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung finden

Sehr gute Tarife findet man, wenn man die Ergebnisse von unabhängigen Tests zur Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung, wie sie von Stiftung Warentest, softfair und Franke und Bornberg durchgeführt werden, vergleicht. Hat eine unabhängige Verbraucher­schutz­insti­tution oder ein Analysehaus einen Tarif mit Auszeichnung bewertet, ist dieser Tarif empfehlenswert und sollte im individuellen Vergleich Beachtung finden.

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Hilfe von Versicherungs­experten

Wer sichergehen möchte, einen individuell passenden und leistungsstarken Tarif zu bekommen, kann sich an unsere unabhängigen Versicherungs­berater wenden und sich bei der Suche unterstützen lassen. Unsere erfahrenen BU-Experten kennen den Markt und können mit Ihnen gemeinsam die optimale Versicherungs­lösung finden. Kontaktieren Sie uns unter 030 – 120 82 82 8 oder unter kontakt@transparent-beraten.de. Nutzen Sie auch gern unser kostenfreies BU-Vergleichsformular.


Wie sinnvoll ist eine BU, wenn ich Vorerkrankungen habe?

Auch mit Vorerkrankungen stehen die Chancen gut, eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung zu bekommen. So gibt es die Möglichkeit, bei den Versicherern anonymisierte Voranfragen zu stellen. Dabei wird bei verschiedenen Anbietern abgefragt, ob und zu welchen Bedingungen er versichern würde. Da die Versicherungen verschiedene Krankheiten oft unterschiedlich behandeln, lohnt sich dieser Schritt. Wenn Sie in diesem Bereich Unterstützung brauchen, dann wenden Sie sich an unsere erfahrenen Versicherungs­experten.


Mögliche Kritik an der BU

Die Frage, ob eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung sinnvoll ist, kann eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden. Trotzdem ist die Versicherung nicht unumstritten. Bei der Kritik geht es jedoch nicht um die Notwendigkeit der Versicherung, sondern vor allem um Themen wie Ablehnung von Versicherungs­willigen und Leistungs­verweigerung vonseiten der Anbieter.

Leistungs­verweigerung

Die Versicherungen stehen im Ruf die Leistungen der BU im Bedarfsfall zu verweigern. Wer sich für den Fall versichert hat, seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben zu können und von seinem Versicherer die Auszahlung der Berufs­unfähig­keits­rente fordert, sieht sich nicht selten mit Leistungs­ablehnungen konfrontiert. So wird es zumindest manches Mal behauptet.

Schaut man sich jedoch die Leistungs­quoten der Unternehmen an, zeichnen sie ein anderes Bild. Laut GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft e.V.) ist die Leistungs­quote in der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung auf einem konstant hohen Niveau von über 77 Prozent. Das heißt im Umkehrschluss, dass nur knapp 23 Prozent der Anträge auf Auszahlung der Leistung abgelehnt werden. Zum größten Teil liegt diese Nicht-Zahlung von Leistungen zum größten Teil an den Kunden selbst, die zu 28 Prozent nicht reagieren. Bei weiteren 24 Prozent fehlt der schriftliche Leistungs­antrag und bei 26 Prozent wird der Berufs­unfähigkeits­grad nicht erreicht.

Informationsquellen zur Frage der Leistungs­bereitschaft

Die Leistungs­bereitschaft der Versicherer ist durchaus ein wichtiger Punkt bei der Suche nach einem passenden Anbieter. Auch wenn klar ist, dass die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung sinnvoll ist, so zählt sie doch zu den Absicherungen, die nicht ganz billig sind. Dementsprechend wünschen sich Versicherte größtmögliche Sicherheit, dass sie sich im Bedarfsfall auch auf die Auszahlung der Rente verlassen können.

Einen Hinweis auf die Leistungs­bereitschaft der einzelnen Anbieter der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung erhält man über die Leistungs­quote (siehe hierzu Informationen des GDV) aber auch über die sogenannte Beschwerdestatistik. Diese Aufstellung wird jährlich von der Bundesanstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin) veröffentlicht und zeigt, wie viele Beschwerden über einen Versicherer vorliegen und abschließend bearbeitet wurden. Ob die Beschwerden berechtigt waren, geht aus der Statistik leider nicht hervor. Trotzdem geben die Zahlen einen Hinweis darauf, wie zufrieden die Versicherten mit ihrem Anbieter sind.

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Ablehnung von Versicherungs­anträgen

Der zweite Kritikpunkt betrifft die angeblich hohe Zahl an abgelehnten Anträgen. Doch auch hier stimmen die Vorurteile nicht unbedingt mit der Realität überein. 2015 wurden laut Zahlen des GDV 91 Prozent aller Anträge angenommen. Weniger als 10 Prozent wurden abgelehnt. Bei gut der Hälfte dieser Anträge kam der Vertrag nicht zustande, weil die Kunden das Angebot nicht annahmen. Drei von vier Kunden wurden ohne Zuschläge oder Ausschlüsse versichert.

So wichtig ist das Kleingedruckte

In den Allgemeinen Versicherungs­bedingungen sind die Rechte und Pflichten der versicherten Person und der Versicherungs­gesellschaft zu finden. Insbesondere werden vorvertragliche Anzeigepflichten erläutert, z.B. in Bezug auf Vorerkrankungen. Auch das Recht des Versicherers auf eine Verweisung ist dort definiert.

Vorsicht vor Billigtarifen
Gerade günstige Angebote können so zur Falle werden. So sehr man sich einen günstigen Versicherungs­schutz wünscht, so genau sollte man vor Vertragsabschluss die Konditionen durchlesen und im Vergleich betrachten. Am Ende lohnt es sich nicht, einen Billigtarif zu wählen, der möglicherweise eine sogenannte „abstrakte Verweisung“ enthält. Diese erlaubt es dem Versicherer, den Betroffenen auf einen anderen Beruf zu verweisen.

Darum gilt: Nicht an der falschen Stelle sparen. Wer etwas mehr Geld in die monatlichen Versicherungs­beiträge investiert und dafür im Bedarfsfall seine Leistung erhält, hat in keinem Fall zu viel gezahlt.


Fazit: Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung sinnvoll oder nicht?

So einig wie bei dieser Frage sind sich die verschiedenen Experten selten. Wen man auch fragt, die Antwort auf die Frage „Ist eine BU sinnvoll?“, lautet stets „Ja“. Stiftung Warentest zählt die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung zu den „wichtigen Versicherungen, die jeder haben sollte“. Die Verbraucher­zentrale hebt ebenfalls die Wichtigkeit einer Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung heraus, denn nur sie schützt vor den finanziellen Folgen von Krankheit und Unfall und einer daraus resultierenden Berufsunfähigkeit. Darüber hinaus weist die Verbraucher­zentrale aber auch darauf hin, wie wichtig es ist, die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung rechtzeitig, das heißt in möglichst jungen Jahren, abzuschließen, und eine qualifizierte BU-Beratung zu nutzen.

Zudem ist es wichtig, einen leistungsstarken Vertrag abzuschließen, und eine ausreichend hohe Berufs­unfähig­keits­rente zu versichern. Renten von unter 1.000 Euro sind tatsächlich weniger sinnvoll. Denn sobald Grundsicherung beantragt werden muss, wird die Rente mit den Sozialleistungen verrechnet.

Lesen Sie mehr zum Thema Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung und worauf Sie achten sollten. Denn wirklich uneingeschränkt sinnvoll ist eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung vor allem dann, wenn sie im Bedarfsfall leistet. Bei der Suche nach der richtigen Absicherung können wir Ihnen helfen. Unsere unabhängigen Versicherungsberater wissen, worauf es ankommt und finden für Sie einen passenden Versicherungs­schutz. Sie erreichen uns unter 030 – 120 82 82 8 oder unter kontakt@transparent-beraten.de. Nutzen Sie auch gern unser kostenfreies BU-Vergleichsformular.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 13.02.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Kathrin Dodenhoeft
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