Niedrige BU-Renten lohnen sich nicht

Zuletzt aktualisiert am 01.10.2019

Niedrige BU-Renten lohnen sich nichtBei dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung mag es für viele verlockend sein, eine niedrige BU-Rente zu vereinbaren, da auf diese Weise auch die Beiträge sinken. Doch eine geringe BU-Rente nützt dem Versicherten nichts. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte ergeben, dass zwei Drittel der BU-Verträge stark untergedeckt sind. Die Versicherten könnten im Leistungsfall nicht ihren Lebensstandard wahren. Dabei sollte die BU-Rente genau das leisten. Denn sie soll eigentlich den sozialen Abstieg bei Berufsunfähigkeit verhindern. Wir zeigen Ihnen, welche Kosten Sie bei der Wahl der BU-Rentenhöhe einplanen sollten.

Untersuchung: BU-Renten sind zu niedrig!

Eine stichprobenhafte Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte ergeben, dass die BU-Rente bei den Versicherten im Schnitt nur etwa 400 Euro beträgt. Diese Summe ist weit unter der staatlichen Grundsicherung. Das Armutsrisiko lässt sich mit einer derart niedrigen Summe nicht absenken. Denn einen angemessenen Lebensstandard kann man sich mit dieser Summe nicht sichern. Eine BU mit einer niedrigen Rentensumme lohnt sich für den Versicherten nicht, wenn er keinen Anspruch auf Erwerbsminderung hat. Man entlastet auf diese Weise lediglich die Sozialkassen. Denn eine Rente von beispielsweise 500 Euro liegt unterhalb der Grundsicherung, die man sowieso bekommen würde.

BU ist auch für Jüngere wichtig

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verweist darauf, dass nur diejenigen Arbeitnehmer Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben, die eine Wartezeit von 5 Jahren absolviert haben:
„Versicherte haben einen Anspruch auf Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung, wenn sie die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt und in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit geleistet haben. Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden grundsätzlich als Zeitrenten geleistet.“
Berufsanfänger oder Studenten, die berufsunfähig werden, aber noch nicht lange genug gearbeitet haben, bleibt nur noch Hartz IV.

Kann man sich auf die staatliche Erwerbsminderungsrente verlassen?

Im Falle einer Berufsunfähigkeit erhält man nur im absoluten Ernstfall finanzielle Unterstützung vom Gesetzgeber. Nur wer nachweislich weniger als drei Stunden am Tag in irgendeinem Beruf arbeiten kann, also quasi invalide ist, bekommt eine staatliche Erwerbsminderungsrente ausgezahlt. Wenn man noch mehr als sechs Stunden pro Tag arbeiten kann, fällt die staatliche Unterstützung komplett weg. Aber selbst wenn man eine staatliche Erwerbsminderungsrente bekommt, heißt das nicht, das der bisherige Lebensstandard aufrecht erhalten werden kann. Denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente betrug im Jahr 2013 nur 634 Euro im Schnitt. Kein Betrag, von dem man vernünftig leben kann.

Regelungen zur Erwerbsminderungsrente

Die Höhe der ausgezahlten Erwerbsminderungsrente berechnet sich danach, wie viele Stunden am Tag gearbeitet werden kann

  • Arbeitsfähigkeit bis drei Stunden täglich: ganze EMR
  • Arbeitsfähigkeit zwischen 3 und 6 Stunden täglich: halbe EMR
  • Arbeitsfähigkeit von mehr als 6 Stunden täglich: kein Anspruch auf EMR

Weitere Informationen zur Erwerbsminderungsrente gibt es hier. 

Hürde der Erwerbsminderungsrente: Abstrakte Verweisbarkeit

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung ist ein Vorgehen üblich, das bei den meisten BU-Versicherern mittlerweile abgeschafft wurde: Wird ein Arbeitnehmer berufsunfähig, aber nicht erwerbsunfähig, so wird von der gesetzlichen Rentenversicherung darauf verwiesen, dass er einen anderen Beruf ausüben kann. Ob es tatsächlich eine solche Stelle auf dem Arbeitsmarkt gibt, spielt dabei für die gesetzliche Rentenversicherung keine Rolle. Der vorgeschlagene Beruf muss dabei nicht dem alten Beruf entsprechen, beispielsweise können Akademiker auch auf nichtakademische Berufe verwiesen werden.

Welche Höhe sollte bei der BU-Rente gewählt werden?

Beispielrechnung:

Arbeitnehmer, gesetzlich rentenversichert, Bruttoeinkommen: 2200 Euro, Nettoeinkommen: 1461 Euro

  • gesetzliche Erwerbsminderungsrente: 675 Euro
  • Einkommenslücke bei Erwerbsunfähigkeit: 786 Euro 

Wenn man berufsunfähig wird und vorher ein Nettoeinkommen von 1461 Euro hatte, besteht bei voller Erwerbsunfähigkeit der Anspruch auf eine staatliche Erwerbsminderungsrente in Höhe von 675 Euro. Das ist weniger als die Hälfte des früheren Einkommens. Den Lebensstandard kann diese Summe offensichtlich nicht absichern. Um diese Lücke zu schließen, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit angemessen hoher BU-Rente gewählt werden.

BU-Rente sollte möglichst alle Ausgaben decken

Wenn der Arbeitnehmer noch in einem anderen Beruf mehr als sechs Stunden arbeiten könnte, entfällt der Anspruch auf Erwerbsminderungsrente komplett. Das sollte bei der Wahl der Berufsunfähigkeitsversicherung immer berücksichtigt werden. Denn im schlimmsten Fall muss die BU-Rente den kompletten Unterhalt leisten. Deshalb empfiehlt es sich, eine Summe zu wählen, die alle laufenden Kosten abdecken kann. Es sollte vor allem nicht vergessen werden, dass die Zahlung der BU-Rente endet, sobald das Rentenalter erreicht ist. Von der privaten BU-Rente sollten Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden können, da sonst die Altersarmut droht. Weitere Informationen rund um die Berufsunfähigkeitsversicherung, aktuelle Tests und Vergleiche der Testsieger finden Sie hier. 

Diese laufenden Kosten sollten Sie bei der Wahl der BU-Rentenhöhe einplanen

  • laufende Finanzierungen (Sparverträge, Versicherungen, Altersvorsorge, Kredite) müssen weiter bedient werden
  • Lebenshaltungskosten (Verpflegung, Unterkunft, Bekleidung)
  • da eine Berufsunfähigkeit in der Regel gesundheitliche Gründe hat, muss man mit höheren Ausgaben für die medizinische Versorgung rechnen
Dieser Artikel wurde zuletzt am 01.10.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
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